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Nur noch drei Nähte

Operationen mit neuer Herzklappen-Technologie: schonend aber teuer

Fast 100 Schläge pro Minute, ein Leben lang – diese Leistung muss ein Herz erbringen. Im Alter erschweren häufig Herzklappenerkrankungen diese Arbeit. Die Tübinger Herzchirurgie ist als Zentrum für Herzklappenerkrankungen eine von bundesweit drei Kliniken, die eine ganz neue Herzklappen-Technologie operativ einsetzen kann. Davon profitieren Patienten, die aus medizinischen Gründen bislang als inoperabel galten.

29.08.2014
  • Angelika Bachmann

Tübingen. Die ersten Symptome zeigen sich meist beim Spaziergang auf einem steilen Waldweg oder am Ende einer Treppe. Plötzlich ist man völlig aus der Puste – obwohl man doch eigentlich ganz gut trainiert ist. Es könnte daran liegen, dass die Herzklappe nicht mehr richtig schließt oder die Klappe verengt ist. Wenn bei einer Herzklappenerkrankung zur Atemnot noch Schwindel und ein Enge-Gefühl in der Brust hinzukommen, sei es höchste Zeit für eine Operation, erklärt Tobias Walker, Geschäftsführender Oberarzt der Tübinger Klinik für Herz-Thorax-Chirurgie.

Denn treten diese Symptome ein, verschlechtert sich die Prognose für den Patienten deutlich: Das Herz muss ständig über das normale Maß hinaus arbeiten, um die Einschränkungen durch die schlecht funktionierende Herzklappe auszugleichen. Es baut wie ein Bodybuilder immer mehr Muskelmasse auf – kann diese aber nicht richtig versorgen. Unbehandelt kann dies innerhalb weniger Jahre zum Tod führen.

Etwa 350 Aortenklappen werden an der Tübinger Herzchirurgischen Klinik jedes Jahr ersetzt, sagt Klinik Chef Prof. Christian Schlensak. Bei der Standard-Operationsmethode wird das Brustbein des Patienten mit einem etwa 20 Zentimeter langen Schnitt geöffnet. Der Patient wird an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, die alte Aortenklappe entfernt und eine neue Herzklappe (meist aus Rinderherzbeuteln) mit zwölf bis 15 Nähten eingesetzt.

Die vielen Nähte sind notwendig, weil eine Herzklappe wegen der starken Belastung genau und eng sitzen muss. Schließlich muss sie, wenn Blut hindurchgepumpt wird, einem hohen Druck standhalten. Der Nachteil: Der Patient ist während der Operation etwa 30 bis 40 Minuten an der Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Bei schwerkranken Menschen, die etwa an einer chronischen Lungenerkrankung leiden, ist daher das Operationsrisiko zu groß.

Für diese Patienten gibt es jetzt eine neue Herzklappentechnologie, mit der die Operationszeit auf ein Drittel verkürzt werden kann. „Intuity“ heißt diese Herzklappe (siehe Bild), für die nur drei Nähte gesetzt werden und die sich ansonsten mit Hilfe eines Stents selbst in der Aortenwand verankert.

Für die minimal-invasive Operationstechnik braucht es zudem nur einen kurzen Schnitt – das Brustbein muss nicht geöffnet werden. Die Operation werde damit auch für schwerstkranke Patienten möglich, so Schlensak. Nur drei Herz-Zentren in Deutschland wenden diese innovative Technologie an. In Tübingen wurden bislang sieben Intuity-Klappen operiert. Dass diese Technologie nur dosiert zum Einsatz kommt, liegt auch am Preis. Eine Intuity-Klappe kostet das dreifache einer normalen Klappe. Die Klinik kommt das teuer. Von den Krankenkassen bekommt sie diesen Aufpreis nicht ersetzt. „Aber wenn der Patient davon profitiert, setzen wir das ein – unabhängig von kaufmännischen Zwängen“, sagt Schlensak, der froh ist, dass er an einem Uni-Klinikum „innovative Ansätze vorantreiben kann“.

Die Herzchirurgie hat im Crona-Klinikum auf dem Schnarrenberg 48 Stationsbetten und 20 Intensivbetten. Weil die Patientenzahlen steigen, wurde die Klinik jetzt um vier Betten erweitert. Archivbilder: Metz, privat

Operationen mit neuer Herzklappen-Technologie: schonend aber teuer
Höchste Konzentration Christian Schlensak (links) und Tobias Walker bei der Herzklappen-Operation.Bild: UKT

Operationen mit neuer Herzklappen-Technologie: schonend aber teuer

Die Aortenklappe erfüllt im Herz die Funktion eines Ventils. Sie liegt zwischen der linken Herzkammer und dem Beginn der Hauptschlagader. Bei einer Aortenklappeninsuffizienz schließt diese Klappe nicht mehr richtig. Blut aus der Herzschlagader läuft zurück ins Herz. Dieses muss viel stärker und häufiger pumpen, um dieselbe Leistung wie ein gesundes Herz zu erbringen. Bei einer Aortenklappenstenose ist die Öffnung zur Herzschlagader verengt. Auch hier muss das Herz deshalb mehr arbeiten und mehr Kraft aufwenden, um das Blut aus der Kammer zu pumpen. Die Symptome bei einer fortgeschrittenen Insuffizienz und der Stenose der Aortenklappe sind dieselben: Der Patient leidet dann unter Schwindelgefühle und einem Engegefühl in der Brust. Die Symptome ähneln denen eines Herzinfarkts.

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29.08.2014, 12:00 Uhr

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