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Tosca in Glatt

Opern-Splitter

Die beiden Vorstellungen von Giacomo Puccinis „Tosca“ bei den Opernfestspielen in Glatt am Wochenende waren ausverkauft. Um das romantische Wasserschloss herum sind Parkplätze jedoch dünn gesät. So wiesen grellgelb bewestete Mitarbeiter die Autoströme auf eine benachbarte Wiese. Wobei benachbart etwas kurz gegriffen ist.

27.07.2015
  • dun

Vor allem mit eng bemessenen Stöckelschuhen erschien die Wegstrecke zwischen Autoabstellplatz und Schlosshof doch recht weit. Hinzu kam, dass zuvor Schafe das Gras Auto-Untergestell tief abgegrast hatten. Es galt also im Slalom den Hinterlassenschaften der bewollten Vierbeiner auszuweichen. Der Rückweg, nach drei Stunden Zehenunfreiheit, erschien noch weiter. Erschwerend kam nun hinzu, dass die Schafköttel in der Dunkelheit nicht auszumachen waren. Allerdings bot das Fehlen des entblößenden Licht die Möglichkeit, sich der drückenden und scheuernden Schuhe einfach zu entledigen. Wenn da nicht die weichen, dunklen Haufen gewesen wären. Wohl der Frau, die eine männliche Begleitung als Chauffeur mitgebracht hatte. Nonchalance könnte sie an der Zufahrtsstraße unter einer Straßenlaterne mit unbefleckten Schuhen warten…

Vor der Aufführung bot sich den Gästen die Möglichkeit im Schlossgarten noch den ein oder anderen edlen Tropfen zu sich zu nehmen. Für die passende Sitzgelegenheit sorgte ein Nagolder Einrichtungshaus mit filigranen Gartenstühlen und zum tiefen Einsinken einladenden Gartensesseln – für jedes Hinterteil und jeden Geschmack etwas…

Die VIP-Plätze befanden sich seitlich zur Bühne. Auf die Platzkarten-Inhaber warteten kuschlige Fleecedecken, die am Freitag wegen der angenehmen Temperaturen eher als Sitzkissen denn als Schulter- oder Beinwärmer dienten. Die auf den Stühlen liegenden Programmhefte waren mit roten Schleifen hübsch verpackt. Nachteil der privilegierten Plätze war, dass sie, anders als die große Tribüne, auf den hinteren Reihen nicht ansteigend aufgebaut waren, so dass sich das Bühnenbild in zwei Teile aufteilte: in eines links vom Kopf des Vordermannes und eines rechts vom Kopf des Vordermannes. Schwindelfreie und mutige Personen setzten sich auf das Geländer, das die Plätze zum Wassergraben hin absicherte – nicht jederfraus Sache…

Fast unbemerkt von einem Großteil des Publikums ereignete sich ein medizinischer Notfall auf der Tribüne. Eine Zuschauerin überkam eine Kreislaufschwäche. Innerhalb kürzester Zeit bahnten sich drei Sanitäter völlig unaufgeregt einen Weg durch die Reihen und halfen unkompliziert. Nach wenigen Minuten war die Zuschauerin zumindest so weit wieder hergestellt, dass sie der Oper weiter folgen konnte. Die Vorführung lief unbeirrt von den Vorgängen auf der Tribüne weiter…

Regisseur Werner Pichler hatte bis kurz vor Beginn der Vorstellung alle Hände voll zu tun. Mit einem sportlichen T-Shirt zu einer Anzughose bekleidet, flitzt er um die Bühne. Bis zum Erklingen des ersten Akkords hatte er zumindest eine Anzugjacke gefunden, die ihn dem Dresscode einer Opernaufführung näher brachte. Bis zum Schlussapplaus hatte er das T-Shirt dann gegen ein auffallend gemustertes Hemd eingetauscht. So sehen erfolgreiche Regisseure aus. Apropos Dresscode: vom schwarzen Kleinen mit schwindelerregend hochhackigen Schuhen bei den Frauen bis zur Jeans mit Hemd und dem einzigen Paar Lederschuh aus dem Schrank bei den Männern waren alle Varianten zwischen todschick und sommerlich leger vertreten…

Opern-Splitter
Nach der Pause streiften viele Zuschauer vorsichtshalber Regenponchos über. Doch der Himmel hielt.

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27.07.2015, 12:00 Uhr

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