Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Tiefe Trasse muss kommen

Ortschaftsrats schreibt offenen Brief an Bundesverkehrsminister Dobrindt

Die Würfel sind gefallen. Doch der Kiebinger Ortschaftsrat lässt nicht locker. Dessen Mitglieder bestehen in einem offenen Brief an Verkehrsminister Alexander Dobrindt weiterhin auf einer Tieferlegung der neuen B 28 a.

28.07.2015
  • Ulrich Eisele

Kiebingen. Von einem „schwarzen Tag für Kiebingen“ spricht der Ortschaftsrat in seinem offenen Brief an den Bundesverkehrsminister, der mit einer persönlichen Einladung zu einem Ortsbesuch endet. Unterschrieben ist der Brief von allen elf Ortschaftsratsmitgliedern einschließlich Ortsvorsteherin Elisabeth Schröder-Kappus. Wenn der Neubau der B 28 a wie geplant umgesetzt werde, so heißt es in dem Schreiben, werde eine 16 Jahre alte, „absolut veraltete Planung durchgesetzt“.

Demgegenüber besteht der Ortschaftsrat weiterhin auf die vom Rottenburger Gemeinderat vor Jahren beschlossene Ausbauvariante „3 b“ mit einer tiefer gelegten Trasse durch Kiebingen und einer 20 Meter breiten Brücke zur Überquerung der Straße Richtung Neckar. Diese Variante solle in die zur Zeit im Regierungspräsidium erarbeitete Ausbauplanung als Planänderung übernommen werden, fordert der Ortschaftsrat. Dies hat das RP jedoch bereits abgelehnt. Die Mehrkosten für die Tieferlegung, so der Ortschaftsrat, solle der Bund als Verursacher der Straßenplanung tragen.

Eindringlich führen die Ortschaftsräte dem Bundesverkehrsminister noch einmal vor Augen, dass die Ausbauplanungder B 28 neu im Neckartal zwischen Rottenburg und Tübingen „seit über 30 Jahren heftig umstritten“ ist. Erst mit dem 2008 / 2009 ausgearbeiteten Kompromiss einer Tieferlegung der Straße mit einer 20 Meter breiten Brücke sei es gelungen, „einen politischen Konsens herzustellen, der einen Baubeginn ohne Proteste ermöglichen würde“.

Die Tieferlegung würde zwar eine Betonwanne erfordern, um die Straße vor Grundwasser zu schützen. Doch die Wasserversorgungsgesellschaft habe dieser Planung schon zugestimmt, und der Rottenburger Gemeinderat hätte sogar eine Million Euro zu den dadurch entstehenden Mehrkosten beigetragen, heißt es in dem Schreiben.

Diese Zusage hat der Gemeinderat jedoch inzwischen zurückgezogen und das Geld aus der Haushaltsplanung gestrichen, da sich das RP bis heute weigert, diese Planänderung zu übernehmen.

Ausführlich zählen die Kiebinger Ortschaftsräte in ihrem Schreiben noch einmal die Gründe auf, die aus ihrer Sicht gegen rechtskräftig planfestgestellte Trasse sprechen:

Lärmschutz: „Zwar bildet der Bahndamm eine optische Abschirmung, immissionstechnisch wirkt sich dies jedoch nur dezent aus, auch aufgrund der erhöhten Ortslage.“ Der Kindergarten liege nur 100 Meter, der Friedhof 20 Meter entfernt von der neuen Trasse. Und noch in diesem Jahr werde im Ortskern ein neuer Gebäudekomplex mit 22 barrierefreien Wohnungen und eine Gebäude für eine selbst organisierte Wohngemeinschaft für ältere und hilfebedürftige Menschen eröffnet.

Erreichbarkeit: Sowohl der Festplatz, wie auch mehrere Gewerbe- und Wohngebäude, das Jugendhaus, ein Vereinsgebäude und ein landwirtschaftlicher Betrieb – allesamt an der Trasse gelegen – könnten nur nur noch über einen Umweg erreicht werden: eine Brücke über die B 28 mit einem zusätzlichen Hin- und Rückweg von 520 Metern und 6 Prozent Steigung. Ebenso müssten auch alle Radfahrer und Fußgänger ins Neckartal und nach Rottenburg – dies seien 1769 Bewegungen am Tag – dieses Bauwerk passieren.

Barriere: Verschärfend komme hinzu, argumentiert der Ortschaftsrat, dass durch den Neubau der B 28 die westliche Unterführung der Bahnlinie gesperrt werden müsse. Die Überquerung der B 28 im Bereich der Neckarstraße verbleibe somit als einziger Zugang zur Neckaraue.

Die tiefer gelegte Trasse mit Brücke (B 28, 3 b), so fassen die Ortschaftsräte in ihrem Schreiben an den Bundesverkehrsminister nochmals zusammen, wäre die „deutlich bessere und von der Bevölkerung akzeptierte Variante dieser Straßenplanung“. Alle Bundes- und Landtagsabgeordneten hätten dies auch schon vor Ort bestätigt – ebenso wie die Mitarbeiter des Regierungspräsidiums, mit denen man diese Pläne abgestimmt habe: „Auch dort wird gesehen, dass diese Optimierung technisch machbar ist und fachlich eine deutliche Verbesserung in der nördlichen Ortslage darstellen würde.“ Es fehle nur die Entscheidung der Behörde und des Bundesverkehrsministeriums, die Optimierung der Planung nach mehr als zehn Jahren anzuerkennen und anzuordnen.

„Es ist politisch kaum – eigentlich gar nicht – vermittelbar“, so endet der Brief, „nach jahrzehntelangen harten Auseinandersetzungen, an deren Ende ein von allen Gruppierungen, Parteien und Behörden gut geheißener Kompromiss steht, die Chance auf eine allseits akzeptable Lösung zu verpassen.“

Ortschaftsrats schreibt offenen Brief an Bundesverkehrsminister Dobrindt
Mit einer Menschenkette unterstrichen rund 400 Kiebinger/innen im Mai 2014 ihre Forderung nach einer Tieferlegung der geplanten Bundesstraße. Ortsvorsteherin Elisabeth Schröder-Kappus und Eva-Maria Geiger, 2. Vorsitzende des katholischen Frauenbundes, vor einem Plakat, das die beiden Ausbauvarianten zeigt.Archivbild: Franke

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

28.07.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball