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T.C. Boyle: „An dem Buch kommt keiner vorbei“

Osiander holt amerikanischen Star-Autor nach Tübingen

Die diesjährige Literatursaison hält gleich zu Beginn für Tübingen einen absoluten Knaller parat: Am 23. Februar kommt Erfolgsautor T.C. Boyle zu einer Lesung. Die Buchhandlung Osiander hat dafür den geräumigen Schillersaal (Kino 1) im Museum gebucht.

12.01.2015
  • Wilhelm Triebold

Tübingen. Die Lesereise des kalifornischen Kultautors führt ihn in Deutschland nur in fünf Städte: Außer nach Tübingen noch nach Leipzig, Berlin, Köln und Regensburg. Der Vorverkauf für Boyles Tübinger Auftritt läuft; es gibt, wie Osiander-Mitarbeiterin Vivien van Straaten versichert, noch Karten.

T.C. Boyles Bücher sind oft formulier- und fabulierlustvoll konstruierte historische Romane, die sich vordergründig mit angelsächsischen Exzentrikern und Egomaniacs wie dem Cornflakes- und Erdnussbutterpionier John Harvey Kellogg („Willkommen in Wellville“, 1993), dem Sexualforscher Alfred Kinsey („Dr. Sex“, 2005) oder dem Architekten-Guru Frank Lloyd Wright („Die Frauen“, 2009) beschäftigen – schräge, schrille Heldenepen mit überraschenden Volten.

Der 66-jährige Thomas Coraghessan Boyle lebt mit seiner Familie in einer Frank-Lloyd-Wright-Villa in Santa Monica, in der gehobenen Hollywood-Halbhöhengegend. Aufgewachsen ist er an der Ostküste; die Eltern, wird gern überliefert, waren Alkoholiker. T.C. Boyle dagegen bezeichnet sich als schreibsüchtig, ein produktiver Quartalsschreiber, zumindest was die erste Tageshälfte betrifft.

Wer als Interviewer auf ihn trifft, wird offenbar zu poetischen Höchstleistungen angestachelt – zum Beispiel der „Stern“ vor fünfeinhalb Jahren: „Boyle geht gebeugt wie jemand, dem seine Größe von 1,91 Meter selbst unheimlich ist. Seine langen, dürren Beine stecken in schweren Wanderstiefeln, er trägt Jeans und auf seinem Kopf eine umgedrehte Schirmmütze. Dazu klemmt eine schwarze Sonnenbrille, Typ Stubenfliege, am Kragen seines ausgewaschenen T-Shirts. Boyle sieht aus wie ein 60-jähriger Mann in der Kleidung eines 16-jährigen Teenagers. Abwesend reicht er mir die Hand. Sie fühlt sich an wie eine tote Hasenpfote.“

Boyles neuester Roman heißt „The harder they come“, kommt aber, ungewöhnlich genug, erst einen knappen Monat nach dem Erscheinungstermin der deutschsprachigen Ausgabe auch in den USA heraus. In den deutschen Buchhandlungen liegt „Hart auf hart“, wie das Werk hier heißt, dagegen bereits vom 2. Februar an in den Buchhandlungen aus.

In einem Trailer zum Buch lädt T.C. Boyle, einen Schießprügel im Arm, verbal erstmal durch: Ein literarischer Thriller über die Wurzeln der Gewalt sei sein Roman, er „könnte aktueller nicht sein“. „Hart auf hart“ beruht auf einer Geschichte, die sich so ähnlich vor zwei Jahren in Südkalifornien zugetragen haben soll. „An dem Buch kommt keiner vorbei“, verspricht der Autor, mit einem kruden Personal aus Vietnam-Veteranen, schizoid vereinsiedelten Einzelkämpfern und erlösungsbereiten Aussteigerinnen – ein (waffen)närrisches Pandämonium.

Der Termin mit T.C. Boyle am Montag, 23. Februar um 20 Uhr im großen Museums-Kinosaal 1 wird von der langjährigen NDR-Redakteurin Margarete von Schwarzkopf moderiert. Eine Veranstaltung in englischer und deutscher Sprache, die deutschsprachigen Romanpassagen liest Johannes Karl vom Tübinger Zimmertheater. Eine Zusammenarbeit mit dem Tübinger Deutsch-Amerikanischen Institut.

Die Buchhandlung Osiander hat als Tübingens führender Literaturveranstalter in diesem Frühjahr noch mehr zubieten. Am Ende des Quartals steht prospektiv das diesjährige Bücherfest im Mai (siehe nebenstehenden Kasten). Ansonsten ist geplant: Am kommenden Donnerstag stellt Ulrike Hensel ihr Hochsensibilitäts-Buch „Mit viel Feingefühl“ vor; am 22. Januar Tilman Niemeyers „Kleiner Psychotherapieführer“; am 29. Januar Britta Hahns „Mama, was schreist du so laut?“ über gewaltfreie Kommunikation und Erziehung.

Am 2. Februar referiert Daniel Leisegang über „Amazon – Das Buch als Beute“, am 4. Februar hat Wieland Backes „Mein neues Zitatebuch“ dabei. Am 6. Februar führen Biograf Jan Knauer und Gernot Grünewald ein Gespräch über „Helmut Palmer – Rebell, Obstbauer, Wutbürger“. Am 9. Februar liest Stephan Thome aus „Gegenspiel“ und am 4. März Comedy-Lokalgröße Helge Thun aus „Wollte Waldemar Wetter warnen“.

Christoph Keese berichtet am 12. März übers „Silicon Valley ¨Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zu kommt. Am 18. März fragt Giovanni Maio: „Medizin ohne Maß?“, und am 19. März liest Joanna Rakoff. Es folgen am 26. März „Der Crash ist die Lösung“ mit Matthias Weik und Marc Friedrich, am 14. April Dirk Revenstorf mit „Liebe und Sex in Zeiten der Untreue“ uns am 10. Juni Karl-Josef Kuschel mit „Martin Buber – Seine Herausforderung an das Christentum“.

Osiander holt amerikanischen Star-Autor nach Tübingen
Hier mal ohne Flinte: T.C. Boyle.Agenturbild

Alle zwei Jahre ist die Innenstadt der Schauplatz des Tübinger Bücherfestes. 2015 steht es unter dem Motto „Unter Freunden“: Vom 15. bis 17. Mai werden Autorinnen und Autoren aus der deutsch-, französisch- sowie italienischsprachigen Schweiz sowie aus dem rätoromanischen Landesteil zu Wort kommen. Dazu gibt es die mittlerweile typischen lokalen Bücherfest-Veranstaltungen: Literatur auf dem Stocherkahn, der literarische Spaziergang über den Stadtfriedhof mit Wilfried Setzler, Eckart Frahms Poets‘ Corner, literarische Stadtführungen, der beliebt-bewährte Antiquariatsmarkt und jede Menge Lektüre an ungewöhnlichen Orten wie dem Schwurgerichtssaal im Landgericht.
Es ist zwar noch zu früh, das komplette Programm hier vorzustellen, doch zugesagt haben bereits (in alphabetischer Reihenfolge) Claus-Ulrich Bielefeld und Petra Hartlieb, Kirsten Boie, Thomas Brussig, Roland Buti, Carolin Callies, die Ex-Tübingerin Christa Degen, Mario Di Leo und Reinhold Joppich, die zeitweilige Stadtschreiberin Lisa-Marie Dickreiter, Eckard Frahm, Arno Geiger, Axel Hacke, Nino Haratischwili, Barbara Honigmann, Felix Immler, Maurice Maggi, Susanne Kippenberger, Sybille Knauss, Bernd Kohlhepp, Ute Krause, Marina Lioubaskina, Kai Lüftner, Klaus Modick, Jenny-Mai Nuyen, Peter Prange, Annika Reich, Anna Rosenfelder, Jürgen Roth, Tex Rubinowitz, Rafik Schami, Bernadette Schoog als Moderatorin, Raoul Schrott, Bertram Schwarz, Wilfried Setzler, Alexander Steffensmaier, Uwe Timm, Martin Walker und Martina Wildner.

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12.01.2015, 12:00 Uhr

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