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Tübinger Buchhändler trotzt dem Trend

Osiander übernimmt und baut neue Filialen

Die Buchhandlung Osiander wächst und wächst – gegen den Trend der Branche. Das Tübinger Familienunternehmen kündigte gestern die Eröffnung von drei weiteren Buchhandlungen an, darunter eine in der Landeshauptstadt Stuttgart.

26.09.2012
  • Gernot Stegert

Tübingen. Dass Osiander mit seiner Expansion und Unternehmensstrategie insgesamt in neue Dimensionen vorstößt, hat Geschäftsführer Christian Riethmüller jüngst am eigenen Leib gespürt: „Erstmals in meinem Leben musste ich einen Smoking anziehen.“ Anlass war eine festliche Gala mit rotem Teppich am Freitagabend in der Frankfurter Alten Oper. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young zeichnete die besten mittelständischen Unternehmen Deutschlands aus. Und Osiander zählte immerhin zu den Finalisten. Bereits 2011 hat der Tübinger Familienbetrieb den Zukunftspreis Baden-Württemberg erhalten, 2010 wurde er „Buchhandlung des Jahres“.

Osiander übernimmt und baut neue Filialen
Das Stammhaus von Osiander in der Wilhelmstraße ist Ausgangspunkt einer in der Buchhandelsbranche ungewöhnlichen Erfolgsgeschichte.

Der Erfolg beflügelt Riethmüller, weiter auf „vernünftiges, gesundes Wachstum“ zu setzen. Ende 2014 werde Osiander 28 Buchhandlungen haben:

Landsberg: Am 1. Oktober übernimmt Osiander in Landsberg am Lech die Traditionsbuchhandlung Verza mit knapp 400 Quadratmetern. Es ist nach Memmingen der zweite Standort in Bayern.

Überlingen: Anfang Dezember eröffnet in Überlingen am Bodensee in einem umgebauten Schleckerladen „in allerbester Lage“ eine Buchhandlung mit 600 Quadratmetern.

Böblingen: Im Jahr 2014 erweitert Osiander seine Fläche in Böblingen. Dann ist der Umzug vom bisherigen Standort der ersten Filiale 1974 mit bisher 180 Quadratmetern in das neu entstehende Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Zentralen Omnibusbahnhof geplant. Dort stehen dann 600 Quadratmeter zur Verfügung.

Reutlingen: Die Buchhandlung hat auf 300 Quadratmetern einen Spielwarenshop mit ausgesuchten Markenartikeln aufgenommen. Das Eröffnungsfest ist für den 6. Oktober geplant.

Stuttgart: Für das größte Aufsehen in der Branche sorgt aber ein neuer Anlauf in Stuttgart. Bereits von 1998 bis 2003 hatte Osiander in der Landeshauptstadt eine Filiale. „Aber wir waren nur im ersten Stock, nicht im Erdgeschoss“, erklärt Riethmüller den Rückzug. Jetzt aber habe man einen viel versprechenden Standort. Im Gerberquartier entsteht ein neues Einkaufszentrum mit 25 000 Quadratmetern Fläche. Osiander will hier eine Buchhandlung mit 500 Quadratmetern aufmachen. Die Bedingungen seien gut, freut sich der Geschäftsführer. „Die sind an uns herangetreten. Sie wollten jemanden, der bisher noch nicht in Stuttgart vertreten ist.“

Osiander übernimmt und baut neue Filialen
Christian Riethmüller

Dass Osiander von Projektentwicklern und von traditionsreichen Buchhandlungen, die keine Nachfolger in der Familie finden, angesprochen wird, ist für Riethmüller ein Beleg für den guten Ruf und Bestätigung der Strategie. Die sieht nämlich vor, nur dorthin zu expandieren, „wo Osiander als Markenname bekannt ist“. Daher wolle man auch nicht irgendwo in Deutschland Filialen eröffnen. „Es bleibt bei Süddeutschland“, sagt Riethmüller und verrät, dass die Expansion noch nicht am Ende ist: „Wir sind an weiteren Buchhandlungen dran.“ Denn mit jeder neuen Filiale sinken umgelegt die allgemeinen Kosten in der Zentrale.

Ein Riese, der andere plattmacht? Riethmüller widerspricht. Zum einen zeige der Blick auf Tübingen, dass Buchhandlungen „mit einem klaren Konzept“, etwa einer Spezialisierung auf zwei, drei Fachgebiete, ihren Platz behaupten. Zum anderen sei der Internethandel der eigentliche Konkurrent. Und dagegen helfe nur eine Strategie der vielen Kanäle. Das heißt konkret vor allem: eigener Internetservice und hochwertige Beratung in Geschäften vor Ort. Nur beides zusammen führe zum Erfolg.

Doch was hat Osiander, was Buchhandelsketten wie Thalia und Hugendubel nicht haben? Die nämlich befinden sich auf dem Rückzug und geben bundesweit einen Laden nach dem anderen auf. Riethmüller nennt eine Vielzahl von Faktoren. Die Tübinger setzen neuerdings bei neuen Buchhandlungen auf eine Verkaufsfläche von 400 bis 600 Quadratmetern. Das würde genügen. Die hohen Mieten in 1a-Lagen seien bei Flächen von 2000 oder 3000 Quadratmetern, wie sie etwa Thalia habe, viel zu teuer. Außerdem biete Osiander „den Mehrwert Beratung durch ausgebildete Fachkräfte“, während die Ketten meist nur Aushilfen beschäftigen würden. Am Ende schlage eben Qualität zu Buche.

Osiander wird im Jahr 2012 mit knapp 400 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 55 Millionen Euro erreichen. Damit sind die Tübinger die viertgrößte Sortimentsbuchhandlung in Deutschland. Stammsitz der 1596 gegründeten Buchhandlung ist und bleibt Tübingen. Osiander geht die Internetkonkurrenz offensiv an durch eigene Angebote. Der Webshop macht bereits fünf Prozent des Umsatzes aus. Auch bei E-Books mischt der Traditionsbuchhändler mit. Zum Service gehört auch ein Lieferservice per umweltfreundlichem Fahrradkurier. Der Anteil der elektronischen Bücher am Umsatz liegt zwar noch unter einem Prozent, wächst aber dreistellig.

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26.09.2012, 12:00 Uhr

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