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Ostermarsch-Koordinator warnt vor neuem Kalten Krieg
Teilnehmer am Ostermarsch halten Friedensflaggen in die Höhe. Foto: Daniel Maurer/Archiv dpa/lsw
Karlsruhe/Stuttgart

Ostermarsch-Koordinator warnt vor neuem Kalten Krieg

Der Organisator der Ostermärsche im Land, Dieter Lachenmayer, macht gegen eine Aufrüstung der Bundeswehr Front und warnt vor einem neuen Kalten Krieg.

08.04.2017
  • dpa/lsw

Karlsruhe/Stuttgart. «Deutschland darf sich nicht am Konfrontationskurs der Nato gegen Russland beteiligen», forderte der Sprecher des Friedensnetzes Baden Württemberg im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Die Situation spitzt sich gefährlich zu.»

Lachenmayer geht davon aus, dass deshalb bei den diesjährigen Ostermärschen landesweit mehr Menschen auf die Straße gehen werden als im Vorjahr. 2016 zählte das Friedensnetz bei der Hauptkundgebung in Stuttgart 1500 Ostermarschierer, jetzt werden 2000 erwartet.

Größere Ostermärsche sind in fünf baden-württembergischen Städten geplant: Auftakt ist am Ostersamstag in Stuttgart, weitere Demos sind in Mannheim und Ellwangen. Außerdem gibt es Ostermärsche am Montag in Müllheim und Friedrichshafen.

«Lasst uns an Ostern laut und deutlich unseren Widerstand gegen Krieg, Aufrüstung und Militarisierung auf die Straße tragen», so das Friedensnetz in seinem diesjährigen Aufruf. Das lockere Bündnis von rund 50 Friedensinitiativen im Land warnt unter dem Motto «Verantwortung für den Frieden, nicht für den Krieg!» vor «politischem Säbelrasseln und einer konfrontativen Politik».

Terror und die neue Situation mit US-Präsident Donald Trump dürften nicht «als Vorwand für mehr Aufrüstung bei uns genommen» werden. Lachenmayer kritisierte geplante Investitionen für die Bundeswehr in Höhe von 130 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 als gigantisches Aufrüstungsprogramm.

Die Friedensaktivisten wenden sich gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr, Rüstungsexporte und US-Atomwaffen in Deutschland. Letztere vermuten sie noch im rheinland-pfälzischen Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel in der Eifel. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht. Experten schätzen aber, dass bis zu 20 US-Atomsprengköpfe dort gelagert sind, für deren Einsatz im Ernstfall die Bundeswehr «Tornado»-Kampfflieger bereit hält.

Die Ostermärsche haben ihre Wurzeln im Protest gegen das atomare Wettrüsten im Kalten Krieg, dem Ost-West-Konflikt der Supermächte USA und Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg. In Deutschland erlebten die Oster-Demos 1968 und 1983 ihre Höhepunkte mit Hunderttausenden Demonstranten. Von solchen Zahlen sind heutige Ostermärsche weit entfernt. Sie sind mit ihren Aktivisten in die Jahre gekommen.

«Der harte Kern der Friedensbewegung wird älter», räumt Lachenmayer ein. Aus Sicht des 64-jährigen Politikwissenschaftlers sind junge Leute heute zwar nicht unpolitisch. «Wir haben es aber mit einer Generation zu tun, die den Krieg nur aus der Ferne kennt und im Frieden aufgewachsen ist.»

Der Friedensnetz-Sprecher beobachtet jedoch seit zwei Jahren wieder steigendes Interesse an Friedens-Demos. «Das hängt mit dem Ukraine-Konflikt zusammen und der Angst vor einem Krieg in Europa.» Der Konflikt brachte den tiefsten Bruch zwischen Russland und seinen europäischen Nachbarn seit dem Ende der Sowjetunion. Auf den Sturz einer gewählten prorussischen Regierung in Kiew 2014 reagierte Russland mit der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim. Damals gingen die Friedensaktivisten nicht auf die Straße: «Russland hat um die Krim keinen Krieg geführt», argumentiert Lachenmayer. Er wolle die Annexion zwar nicht beschönigen. «Die Antwort kann aber nicht eine militärische sein.»

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08.04.2017, 11:27 Uhr | geändert: 08.04.2017, 10:32 Uhr

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