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Ostseefischer: Für uns ist das eine Katastrophe
EU-Dorschfang-Quote

Ostseefischer: Für uns ist das eine Katastrophe

Berufsfischer fürchten nach Kürzung der Fangquote um ihre Existenz. Umweltverbände kritisieren die EU-Entscheidung dagegen als ungenügend.

12.10.2016
  • DPA

Die schleswig-holsteinischen Ostseefischer fürchten wegen der Kürzung der EU-Dorschfang-Quote um 56 Prozent in ihren Fanggebieten um ihre Existenz. „Für uns ist das ein Katastrophe“, sagte der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes, Lorenz Marckwardt, in Eckernförde. Sollten der Bund und die EU nicht schnell zusätzliche Hilfen bereitstellen, müssten viele Fischer aufgeben – und es drohe dann ein „Rattenschwanz“ an negativen Auswirkungen etwa auch auf die Erzeugerbetriebe.

Die EU-Fischereiminister hatten sich in Luxemburg auf Fangmengen für die Ostsee im nächsten Jahr geeinigt. Im Westen sinkt die Fangmenge für die deutschen Fischer um 56 Prozent im Vergleich zu 2016, in der östlichen Ostsee um 25 Prozent, wie der Rat als Vertretung der EU-Staaten mitteilte. Der Wissenschaftliche Rat für Meeresforschung (ICES) hatte wegen der schlechten Bestandsentwicklung sogar eine Reduzierung um 88 Prozent gefordert.

Umweltverbände kritisierten die Einigung als ungenügend. Die jetzt beschlossenen Kürzungen reichten nicht aus, damit sich der vor dem Kollaps stehende westliche Dorsch von der Überfischung erhole, kritisierte der Umweltschutzverband WWF. Die Fischereiminister hätten damit sowohl dem Bestand als auch der Fischerei „den Tod auf Raten verordnet“. Greenpeace kritisierte, erneut hätten sich die Fischereiminister bei der Quotenvergabe den Interessen der Fischereiindustrie gebeugt.

Grenzen für Freizeitangler

Dagegen sprach der Direktor des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, Christopher Zimmermann, von einem tragbaren Kompromiss. Es sei positiv, dass erstmals auch Freizeitfischer Obergrenzen bekämen. Mit der Quote auf Berufs- und Freizeitfischerei komme die EU in die Nähe der ICES-Empfehlung von 88 Prozent.

Deutsche Fischer können 2017 in der westlichen Ostsee 1194 Tonnen Dorsch fangen (von 5597 Tonnen insgesamt), im Osten 2820 Tonnen (von 30 857 Tonnen). Freizeitfischer, die zuletzt ähnlich viel Dorsch aus der Ostsee holten wie Berufsfischer, dürfen in der Laichsaison im Februar und März höchstens drei Dorsche pro Tag angeln, im Rest des Jahres fünf. Berufsfischer dürfen Februar und März in der westlichen Ostsee acht Wochen keinen Dorsch fangen.

Christian Schmidt (CSU), Bundesernährungsminister, sprach von einer schmerzhaften, aber erforderlichen Quotenreduzierung. Die Dorschbestände werden sich nach seiner Einschätzung weiter erholen können. „Und unsere Ostseefischer haben eine wirtschaftliche Perspektive.“ Abwrackprämien für Fischer, die Kutter aufgeben oder vorübergehend stilllegen, sollten weiter gezahlt werden. Landesfischereiminister Robert Habeck (Grüne) hält zusätzliche Hilfen aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds für erforderlich: „Wir setzen uns dafür ein, dass Gelder für die dauerhafte und vorübergehende Stilllegung gezahlt werden können.“ Der Bund müsse sich bei der EU für die rechtlichen Rahmenbedingungen einsetzen. Bisher gebe es, wie Marquardt kritisierte, kein Geld bei vorübergehenden Stilllegungen von Kuttern.

Existenzgrundlage fehlt

Ohne Beihilfen würden viele der kleinen Familienbetriebe das nächste Jahr nicht überstehen, warnte der Verband der deutschen Kutter- und Küstenfischer (VDKK) in Hamburg. Sollten die Zahlungen an bürokratischen Formalitäten scheitern, würden bis zu 50 Prozent der Flotte in der Ostsee ihre Existenzgrundlage verlieren.

Bei Hering, Sprotten und Schollen steigen die Quoten. Dies gilt vor allem für die Scholle, wenn auch bei einer niedrigen Gesamtmenge: Hier verdoppelt sich die Fangmenge für die Ostsee auf 7862 Tonnen. Nun steht im Dezember die Entscheidung über die Fangmengen für das Jahr 2017 in der Nordsee und im Atlantik an. dpa

Welche Arten darf man bedenkenlos essen?

Käufer entscheidet Als „gute Wahl“ empfiehlt der WWF Hering und Sprotte, Karpfen und Bio-Forellen aus Aquakulturen. Greenpeace ist strenger: Für empfehlenswert hält die Organisation nur den Karpfen; für „überwiegend vertretbar“ Hering und Wels. Noch komplizierter wird es bei Lachs und Thunfisch: Von beiden Arten raten Umweltschützer grundsätzlich ab; allerdings gibt es Ausnahmen. Ohne Ausnahmen auf der roten Liste stehen beim WWF Aal, Hai, Granatbarsch, Rochen und Schnapper, bei Greenpeace zudem Makrele und Rotbarsch. Auch auf Alaska-Seelachs, der für viele Fischstäbchen verwendet wird, sollten Verbraucher laut Greenpeace verzichten. ⇥afp

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12.10.2016, 06:00 Uhr

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