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Overgames

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In dem Doku-Essay erkundet Regisseur Lutz Dammbeck den Zusammenhang von Fernseh-Gameshows und Psychiatrie.

Overgames

Deutschland 2016

Regie: Lutz Dammbeck


164 Min. - ab 12 Jahren

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24.01.2016
  • Klaus-Peter Eichele

Auftritt Joachim Fuchsberger. Vor zehn Jahren behauptete das Urgestein des deutschen TV-Entertainments im Talk mit Anne Will, dass die Spiele seiner Gameshow „Nur nicht nervös werden“ aus den frühen 1960-er Jahren aus der amerikanischen Psychiatrie stammen. Ursprünglich seien mit den Geschicklichkeitsspielen seelisch Kranke therapiert worden.

Der launig hingeworfene Satz ließ den Filmemacher Lutz Dammbeck aufhorchen – zumal er zeitgleich auf das Papier einer Forschergruppe um die amerikanische Anthropologin Margaret Mead stieß, in dem gemutmaßt wurde, der Nationalsozialismus sei die Folge einer kollektiven psychischen Krankheit. Daher müsse man die Deutschen nach dem Krieg nicht bestrafen, sondern heilen. Liegt da nicht der Schluss nahe, dass die Fernsehunterhaltung der Nachkriegszeit Teil eines von langer Hand geplanten Therapieprogramms der Amerikaner war?

Die Recherchen zur Überprüfung der Hypothese hat Dammbeck zu einem Dokumentarfilm verarbeitet, den man zu den besten der letzten Jahre zählen darf. Seine verschlungene kulturgeschichtliche Forschungsreise führt unter anderem ins revolutionäre Frankreich, wo die Menschen mit Unterhaltungsevents zu guten Republikanern erzogen werden sollten (allerdings landete der Organisator alsbald auf der Guillotine) und zu den Naturvölkern auf Bali, wo psychisch Kranke nicht ausgegrenzt, sondern spielerisch in die Gesellschaft integriert wurden.

Dann taucht Dammbeck tief in die kaum bekannte Vorgeschichte des amerikanischen Reeducation-Programms für Deutschland ein und reist schließlich selbst in die USA, um Veteranen der Entertainmentbranche auf den Zahn zu fühlen.

Weil die intellektuelle Detektivarbeit nicht nur höchst anregend, sondern auch ziemlich spannend ist, soll das Ergebnis hier nicht verraten werden. Zu sehen ist sie am Montag, 25. April, um 19 Uhr im Kino Museum. Dammbeck ist anwesend und diskutiert nach der Vorführung mit Kurt Schneider vom Uni-Zentrum für Medienkompetenz. 

Der Doku-Detektivfilm als Alternative zur Univorlesung: ein intellektuelles Vergnügen.

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24.01.2016, 12:43 Uhr

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