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Verbrechen

Pärchen wegen Bluttat vor Gericht

Prozessauftakt in Dessau: Ein junger Mann und seine Freundin sollen eine chinesische Studentin mehrfach vergewaltigt und zu Tode misshandelt haben. Auch Polizei und Justiz stehen im Fokus.

25.11.2016
  • DPA

Dessau-Roßlau. Der Verdacht ist ungeheuerlich: Ein junges Paar vergewaltigt eine chinesische Studentin, misshandelt sie massiv und lässt sie sterben. Sechs Monate ist das her, doch in Dessau (Sachsen-Anhalt) noch immer Thema. Von diesem Freitag an müssen sich der 21-Jährige und seine kaum jüngere Lebensgefährtin vor dem Landgericht verantworten.

Der Vorwurf gegen das Duo: Gemeinschaftlicher Mord, um die Vergewaltigung zu verdecken. Pikante Informationen über die Eltern des Angeklagten, die beide Polizisten in Dessau waren, begleiten den Fall. Auch die Justiz ist in der Kritik.

Rückblende: Am 11. Mai soll das junge Paar der 25-jährigen Architekturstudentin einen Notfall vorgetäuscht und sie so in eine leerstehende Wohnung in Dessau gelockt haben. Sie sollen sie dort mit massivster Gewalt mehrfach vergewaltigt und dann zurückgelassen haben – im Glauben, sie würde ohne medizinische Hilfe sterben. Als beide später zurückkehren und das Opfer noch lebt, bringt das Paar sie laut Anklage nach draußen. Dort findet man die Leiche zwei Tage später.

Vom Joggen nicht zurückgekehrt

Die Suche nach der verschwundenen Studentin hatte in Dessau große Unruhe verursacht. Sie war von einer Jogging-Runde nicht zurückgekehrt. An der Hochschule Anhalt, an der die Chinesin studierte, kommen 30 Prozent der Studenten aus dem Ausland. Die Uni bemüht sich sehr um ihre Studenten. Die Uni hält bis heute Kontakt zu den Eltern der Chinesin. Sie treten im Prozess als Nebenkläger auf, werden aber nicht im Gericht dabei sein. Sie hatten sich über Details empört, die über den Fall an die Öffentlichkeit gedrungen waren.

Als die Polizei keine zwei Wochen nach dem Fund der Leiche ihren Fahndungserfolg verkündet, macht schnell die Runde, dass es sich bei dem Verdächtigen um den Sohn zweier Polizisten handelt. Beide waren dicht dran am Ermittlungsgeschehen, kurz nach der Tat sollen sie ihrem Sohn bei einem Umzug geholfen haben. Spekulationen um angebliche Informationslecks und familiäre Verquickungen machen die Runde. Am Ende findet sich jedoch kein Hinweis darauf.

Für Entsetzen sorgen die Eltern mit der fröhlichen Eröffnung eines Gartenlokals in Dessau nur kurz nach der Trauerfeier für das Opfer. Währenddessen sollen sie bei der Polizei krankgeschrieben gewesen sein. Dem Stiefvater des Verdächtigen – er leitete das Polizeirevier Dessau-Roßlau – wird die Ausübung der Dienstgeschäfte untersagt und er wird versetzt. Ein juristisches Tauziehen beginnt. Kürzlich stoppte ein Gericht die Versetzungsverfügung.

Und auch die Justiz selbst gerät in die Kritik. Bei der Präsentation des Ermittlungserfolgs empfängt die Polizei Medienvertreter nur auf dem Parkplatz. Der Leitende Oberstaatsanwalt Folker Bittmann gibt die Version des Verdächtigen bekannt, wonach man sich zu dritt zum einvernehmlichen Sex getroffen habe. Zugleich meldet er Zweifel an der Aussage an – sie könne aus Sicht der Ermittler nicht stimmen.

Danach ist tagelang so gut wie keiner für Presseanfragen zu erreichen. Als das Innenministerium die Leitung der Ermittlungen von Dessau nach Halle überträgt, um Verquickungen zu vermeiden, wird das auch für die Staatsanwaltschaft erwogen. Die Dessauer Behörde aber bleibt zuständig. Die Kommunikation mit den Medien übernimmt die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg.

Weitere Taten vorgeworfen

Wenn der Prozess heute beginnt, werden dem angeklagten 21-Jährigen zwei weitere Vergewaltigungen aus dem Sommer 2013 vorgeworfen. Die betroffene Frau hatte sich erst bei der Polizei gemeldet, als der Tatverdächtige in Untersuchungshaft war. Laut Staatsanwaltschaft war sie von ihrem mutmaßlichen Peiniger eingeschüchtert worden und hatte deshalb keine Anzeige erstattet. Für den Prozess sind vorerst 19 Sitzungstage bis zum 28. Februar geplant. dpa

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25.11.2016, 06:00 Uhr

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