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Streitgespräch

Palmer setzt auf Citymaut, IHK-Mann auf Straßenbau

Den meisten Zoff gab’s beim Reizthema Citymaut: Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer und der Reutlinger IHK-Geschäftsführer Wolfgang Epp diskutierten in der TAGBLATT-Redaktion über das Thema Verkehr – vom Schindhaubasistunnel bis zur Regionalstadtbahn.

14.07.2012
  • Volker Rekittke

Tübingen. Dass Tübingens Oberbürgermeister lieber auf die Schiene setzt als auf die Straße, ist bekannt. Immer mal wieder musste sich Boris Palmer deshalb den Vorwurf anhören, er habe sich nicht mit genügend Nachdruck für den Ausbau der B 28 durch das Neckartal eingesetzt. Und wie sieht das die Wirtschaft? Wolfgang Epp lächelt vielsagend. Dann sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK): „Es gibt positive Ansätze.“ Im TAGBLATT-Gespräch hatte Palmer zuvor deutlich gemacht, dass er als Grüner nun mal „keine Leidenschaft für den Straßenbau aufbringen“ kann. „Deshalb tue ich selbstverständlich, was nötig ist. Ins allgemeine Straßenbau-Bohei will ich aber nicht verfallen.“

So diplomatisch wie bei der B 28 neu ist Wolfgang Epp nicht mehr, wenn es um die Citymaut geht. „Wir mögen Autofahrer, die dürfen nicht gegängelt werden“, stellt der IHK-Mann klar. Tübingen müsse eine Stadt sein, „in die man gerne mit dem Auto hinein fährt“. Erklärtes Ziel sei doch, mehr Touristen anzulocken – und die schrecke eine Citymaut nun mal ab.

„Wegen dem einen Euro weicht doch kein Mensch nach Heidelberg aus“, kontert Palmer. Sein erklärtes Ziel: „Ich will weniger Autoverkehr in der Stadt.“ Denn der habe viele Nachteile – und zwar vor allem „für den, der nicht im Auto sitzt“. Allerdings brauche man neben der Maut auch positive Anreize, damit immer mehr Leute das Auto stehen lassen – etwa einen deutlich besser ausgebauten Öffentlichen Nahverkehr, ausreichend Fuß- und Radwege.

Auch beim Thema Regionalstadtbahn gehen die Einschätzungen auseinander. „Ist es umweltfreundlicher, Schienen zu schmieden und Trassen zu bauen, als Elektro- oder Brennstoffzellenbusse auf bestehenden Straßen fahren zu lassen?“ fragt Epp – und fordert zugleich den dreispurigen B 27-Ausbau ab Aichtal: „Wir haben da klare Prioritäten.“ Für Palmer indes ist klar, dass Autofahrer nur dann auf den ÖPNV umsteigen, wenn der auf Schienen unterwegs ist: „Die Busse würden ja im gleichen Stau stehen wie die Autos.“ Der direkte Weg zum Arbeitsplatz sei „der Charme der Regionalstadtbahn“. Aber ist das Projekt nicht schon deshalb unrealistisch, weil es viel zu teuer ist? Das findet jedenfalls Wolfgang Epp: „Eine Milliarde ist einfach zu viel Geld.“ Da widerspricht Palmer, der schon 1999 einen Verein zur Förderung der Regio stadtbahn mitgründete: Zum einen, weil es nicht um eine Milliarde, sondern um 700 Millionen Euro gehe – und das auch noch für den Schienenverkehr in der gesamten Region. „Beim B 27-Schindhautunnel geben wir für vier Kilometer neue Straße 250 Millionen Euro aus.“

Und dann erklingen schließlich doch noch versöhnliche Töne – und zwar bei dem für die IHK so wichtigen Thema Wirtschaftsentwicklung: „Tübingen ist der Shootingstar der Region“, lobt Wolfgang Epp die Unistadt. Hier seien in den vergangenen fünf Jahren nicht nur in Kitas, bei Uniklinikum und Behörden viele neue Mitarbeiter angestellt worden – „auch ein paar Unternehmen sind sehr stark gewachsen“. Ein Plus von zehn Prozent bei den sozialversicherungspflichtigen Jobs – das kann sich sehen lassen, findet auch Palmer. Der OB hat noch eine gute Nachricht für die Tübinger Wirtschaft: Nach mehrjähriger Vakanz und viel Pech mit gleich drei Kandidaten hintereinander soll die kommunale Wirtschaftsfördergesellschaft WIT schon bald wieder einen Chef haben – und die Firmen einen Ansprechpartner. Der WIT-Aufsichtsrat, so ist’s jedenfalls vorgesehen, entscheidet sich am Dienstag, 17. Juli, für einen der Bewerber.

Palmer setzt auf Citymaut, IHK-Mann auf Straßenbau
Sind beim Thema Verkehr häufig verschiedener Meinung: IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp (links) und OB Boris Palmer in der TAGBLATT-Redaktion. Bild: Sommer

Das komplette Streitgespräch zwischen Boris Palmer und Wolfgang Epp gibt’s am kommenden Montag, 16. Juli, zu lesen: unter der Rubrik „Duell“ in der ersten Ausgabe von „Wirtschaft im Profil“. Das neue TAGBLATT-Businessmagazin erscheint ab sofort vierteljährlich. Es ist als Beilage wie auch im Einzelverkauf erhältlich.

In der ersten Ausgabe von „Wirtschaft im Profil“ gibt es auf 36 Seiten außerdem eine Titelgeschichte über „Geist und Geld“ – die erstaunliche Erfolgsgeschichte des Wirtschaftsstandorts Tübingen, spannende Firmenporträts und ein Gespräch mit Alfred T. Ritter über fair gehandelte Kakaobohnen und unternehmerisches Engagement für eine bessere Welt.

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14.07.2012, 12:00 Uhr

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