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Palmyra wieder in Dschihadisten-Hand
Könnten nun endgültig zerstört werden: die antiken Tempel von Palmyra. Foto: dpa
Syrien

Palmyra wieder in Dschihadisten-Hand

Vor sieben Monaten feierten das Assad-Regime und Russland die Befreiung der Tempelstadt. Nun ist der IS zurück.

13.12.2016
  • MARTIN GEHLEN

Palmyra. Maamoun Abdulkarim fehlen die Worte. „Die Katastrophe ist passiert, ich bin total schockiert und verliere die Hoffnung“, kommentierte Syriens Antikendirektor die düsteren Nachrichten aus Palmyra. Völlig überraschend eroberte der „Islamische Staat“ (IS) am Wochenende zum zweiten Mal die antike Oasenstadt und könnte das archäologische Juwel nun endgültig zerstören. Die Soldaten der syrischen Garnison rannten in Panik davon und überließen den angreifenden Dschihadisten beträchtliche Mengen an Waffen, darunter offenbar ein gutes Dutzend moderner Panzer und Truppentransporter.

Eine Serie russischer Luftangriffe in letzter Minute konnte den IS-Einmarsch nicht mehr abwenden, den die Propagandisten der Terrormiliz jetzt als großen Erfolg feiern. In der modernen Stadt Tadmor, die an das Gelände der Weltkulturerbe-Ruinen grenzt, leben noch etwa eintausend Menschen, von denen die Gotteskrieger bereits die ersten hinrichteten.

Erst sieben Monate ist es her, dass sich das syrische Regime und ihr russischer Verbündeter weltweit für die Rückeroberung und Rettung von Palmyra feiern ließen. Der Sieg galt damals als der bis dahin wichtigste Meilenstein im Kampf gegen den IS und sollte den westlichen Vorwürfen begegnen, Moskau bekämpfe vor allem die Assad-Opposition und tue nichts gegen das Terrorkalifat. Präsident Wladimir Putin wurde live auf eine Leinwand im antiken Amphitheater von Palmyra projiziert, um den Soldaten für ihren Einsatz zu danken.

So überraschend der damalige Erfolg, so verblüffend jetzt die plötzliche Kapitulation. Der Kollaps des syrischen Militärs geschah offenbar wenige Tage, nachdem die russischen Soldaten ihr Militärcamp in der Wüstenoase abgebaut hatten. Die syrische Armee, deren Schlagkraft nach fast sechs Jahren Bürgerkrieg stark dezimiert ist, konzentriert derzeit fast ihre gesamten Kräfte auf Aleppo. Dort steht die Rebellenenklave im Osten der Stadt kurz vor dem Fall.

Gestern zogen sich die Aufständischen aus weiteren sechs Bezirken zurück, sodass sie jetzt nur noch einen winzigen Bruchteil ihres ursprünglichen Territoriums kontrollieren. Allein in der Nacht auf Montag flohen 10 000 Zivilisten aus den zerstörten Vierteln in den Westen der einstigen Metropole. Abertausende harren nach wie vor aus, ziehen von einem Straßenzug in den Nächsten, immer auf der Flucht vor den syrischen Soldaten. Viele haben nichts mehr zu essen und schlafen nachts in der Winterkälte in den Ruinen. Martin Gehlen

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13.12.2016, 06:00 Uhr

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