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Personendaten auf der Straße

Panne bei Tübinger Weiterbildungsfirma

Durch eine Panne lagen Unterlagen mit personenbezogenen Daten einer Tübinger Firma für berufliche Bildung auf der Straße herum.

31.05.2012
  • Gernot Stegert

Tübingen. Als ein aufmerksamer Passant am Samstag gegen 12 Uhr durch die Tübinger Ulrichstraße Richtung Innenstadt zum Einkaufen ging, traute er seinen Augen nicht. Auf dem Gehweg fanden sich, so erzählt er, vor dem dortigen Büro der Firma Team-Training zwischen Reißwolf-Schnipseln vollständige vertrauliche Schriftstücke, zumeist Original-Verträge. Sie ließen sich alle auf den ersten Blick dem Bildungsunternehmen zuordnen und waren für die Altpapiersammlung in der Südstadt an diesem Tag vorgesehen.

An der Seite standen aufgerissene Säcke, vermutlich in der Nacht zuvor mutwillig, aber wohl ohne Wissen um den Inhalt zerstört. Der Passant übergab ein paar Belege ans SCHWÄBISCHE TAGBLATT und stopfte den Rest zur Sicherheit durch den Briefkastenschlitz in den Hausflur der Firma, wie er sagt. Ob weitere Schriftstücke vorher in falsche Hände gekommen sind, ist nicht nachprüfbar.

Team-Training gibt es seit dem Jahr 1997. Die größten Geschäftsfelder sind nach eigener Darstellung die berufliche Qualifizierung und Weiterbildung sowie die Personalberatung und -vermittlung. Die GmbH mit 19 Festangestellten und 80 freien Mitarbeitern ist an 16 Standorten in neun Städten in den Landkreisen Tübingen, Reutlingen, Zollernalb und im Großraum Stuttgart tätig. Die Bundesagentur für Arbeit, Land, Bund und auch die EU stehen auf der Liste der Auftraggeber und Projektpartner.

Zu den vielfältigen Angeboten gehört die Qualifizierung und Vermittlung von Langzeitarbeitslosen im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit. Bei den auf dem Gehweg gefundenen Dokumenten handelt es sich um Verträge über Praktika und um Bestätigungen von erfolgreichen Arbeitsvermittlungen aus dem Jahr 2008. Zu erkennen sind Namen und Anschriften der jeweiligen Personen. In mindestens einem Fall ist auch eine dreiseitige Kopie einer Praktikums-Beurteilung angeheftet.

Geschäftsführer Cornelius Ambros zeigte sich, vom SCHWÄBISCHEN TAGBLATT auf die Panne hingewiesen, „schockiert“. Er wirkte hörbar betroffen und sagte: „Das tut mir unendlich leid.“ Er sprach von einem „Riesenmissgeschick“. Die Abläufe seien eigentlich klar. Seine Firma werde regelmäßig – auch im Hinblick auf Datenschutz – überprüft und zertifiziert. Ferner gebe es eine Datenschutzerklärung, die jeder unterschreiben müsse.

Doch ein Mitarbeiter habe den Auftrag des Schredderns schlichtweg nicht vollständig ausgeführt, erklärte Ambros. Ein zweiter Mitarbeiter habe die Papiersäcke zwar kontrolliert, aber nur von oben hineingeschaut. Und dort seien bloß Schnipsel zu sehen gewesen. Team-Training hat nach eigenen Angaben alle Geschäftspartner über die Panne informiert. Der Geschäftsführer versprach, dass solch eine Datenpanne nicht wieder vorkomme. Künftig gebe es „kein Altpapier mehr an keinem Standort“. Schon bisher würden mehr als 90 Prozent aller Unterlagen bei einem professionellen Entsorger in Reutlingen vernichtet. Dort gebe es dann auch eine Bestätigung des Schredderns. Warum nicht 100 Prozent? Das sei ein Fehler gewesen, gab Ambros zerknirscht zu.

Es hätte für Team-Training noch schlimmer kommen können. Dann nämlich, wenn Paragraf 42a des Bundesdatenschutzgesetzes verletzt worden wäre (siehe Kasten). Dann hätte die Firma ein saftiges Bußgeld zu fürchten, erklärte der Landesdatenschutzbeauftragte Jörg Klingbeil auf TAGBLATT-Anfrage. Nun liege lediglich ein „Verstoß gegen die technisch-organisatorischen Maßnahmen“ vor. „Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler“, sagte der Datenschutzexperte, will aber Pannen wie die in Tübingen nicht verharmlost wissen: „Das ist keine lässliche Sünde.“

Panne bei Tübinger Weiterbildungsfirma
Dokumente lagen auf dem Gehweg zwischen Schnipseln.

Im Bundesdatenschutzgesetz schützt Paragraf 5 personenbezogene Daten. Nach Paragraf 9 haben „öffentliche und nicht-öffentliche Stellen, die personenbezogene Daten erheben, verarbeiten oder nutzen, die technischen und organisatorischen Maßnahmen zu treffen, die erforderlich sind“.
Schwere Verletzungen regelt Paragraf 42a. Er betrifft Daten, die einem Berufsgeheimnis unterliegen, die sich auf strafbare Handlungen oder Ordnungswidrigkeiten beziehen, auf Bank- und Kreditkartenkonten oder die Angaben enthalten über die rassische und ethnische Herkunft, politische Meinungen, religiöse oder philosophische Überzeugungen, Gewerkschaftszugehörigkeit, Gesundheit oder Sexualleben.

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31.05.2012, 12:00 Uhr

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