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In Flüchtlingskrise"Solidarität zeigen" - Kohl: Lösung liegt nicht in Europa

Papst redet EU ins Gewissen

Welchen Weg soll Europa in der Flüchtlingsfrage einschlagen? Papst Franziskus und Alt-Kanzler Helmut Kohl (CDU) geben unterschiedliche Antworten.

18.04.2016
  • GB/DPA/AFP

Lesbos/Berlin. Dramatischer Appell: Papst Franziskus hat von der griechischen Insel Lesbos aus die Welt zu Solidarität mit Flüchtlingen aufgerufen. "Wir hoffen, dass die Welt die Bilder dieser tragischen und verzweifelten Not sieht und auf eine Weise reagiert, die unserer gemeinsamen Menschlichkeit angemessen ist." Ausdrücklich wandte sich der Papst an die Verantwortlichen in Europa: "Europa ist die Heimat der Menschenrechte, und wer auch immer seinen Fuß auf europäischen Boden setzt, sollte das spüren, sollte dieses Recht respektieren und dafür kämpfen." Migranten seien keine Nummer in der Statistik, sondern in allererster Linie Menschen mit Gesichtern, Namen und ihrer Lebensgeschichte.

Am Samstag hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche zusammen mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomäus I. und weiteren Würdenträgern die griechische Insel, auf der sich 4100 Flüchtlinge aufhalten, besucht. Auch der griechisch-orthodoxe Erzbischof Hieronymus II. sparte nicht mit klaren Worten. Die Flüchtlingskrise sei eine "Bankrotterklärung der Menschlichkeit und der Solidarität" Europas.

Über diese Solidarität wird in der EU heftig gestritten. Auch Alt-Kanzler Helmut Kohl meldete sich am Wochenende zu Wort. Vor seinem Treffen mit dem umstrittenen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban erteilte Kohl der Aufnahme hunderttausender Flüchtlinge eine Absage. "Die Lösung liegt in den betroffenen Regionen. Sie liegt nicht in Europa. Europa kann nicht zur neuen Heimat für Millionen Menschen weltweit in Not werden", schreibt Kohl in einem Vorwort zur ungarischen Ausgabe seines Buchs "Aus Sorge um Europa". Der Alt-Kanzler will Orban morgen treffen.

Unterdessen legt die rechtsgerichtete Regierung in Budapest nach und kündigt einen Aktionsplan zur Flüchtlingsabwehr an. Hauptbestandteil des Plans ist der Schutz der Grenzen des Schengen-Raums. Sollte ein Land dazu außerstande sein, müsse es auf die Unterstützung anderer EU-Staaten oder auf die EU-Grenzschutzagentur Frontex zurückgreifen. Sämtliche Asylanträge sollen außerhalb der EU in kontrollierten und abgeschotteten Hot Spots gestellt werden. Bei Missbrauch des Asylrechts sollen schärfere Strafen drohen. Eine Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU wird abgelehnt.

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18.04.2016, 06:00 Uhr

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