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Interview mit Hanna Schygulla

"Paris lässt sich seine Freiheit nicht nehmen"

Für Hanna Schygulla war Paris immer die "Stadt der Liebe". Nun erlebt die Schauspielerin ihre zweite Heimat im Schatten des Terrors.

18.11.2015
  • WOLFGANG JUNG, DPA

Sie leben seit 1981 in Paris. Wie erleben Sie die Stadt? Spüren Sie Trotz, Hass, Trauer?

HANNA SCHYGULLA: Paris ist kein Terrain für Angsthasen. Die Leute verkriechen sich nicht, sobald Gefahr droht. Ihr Reflex ist: Gerade jetzt weiter auf die Straße gehen und zeigen, dass sie sich die Freiheit, zu leben, wie sie wollen, nicht nehmen lassen. Hier wurden die Werte der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit erstmals ausgerufen. Und unter der Bedrohung schnellen diese Werte aus dem kollektiven Unterbewusstsein an die Oberfläche. Sie haben natürlich auch Angst, aber sie trotzen der Angst. Die Angst darf sie nicht kleinkriegen. Sie lassen sich auch ihre Trauer nicht nehmen und schaffen für die Toten Lichterteppiche, auch wenn die Polizei vor Ansammlungen warnt.

Stimmen Sie zu, dass sich Frankreich im "Krieg" befindet?

SCHYGULLA: Das Verhalten der Bevölkerung scheint mir kreativer als die Angstvokabel "Krieg". Auch wenn der Terrorismus eine heutige Form von Krieg in unseren vermeintlichen Wohlstandsoasen ist. Wir sollten in unserer Empörung nicht vergessen, dass wir - die angegriffenen Demokratien - mit großem Gewinn Waffen in die nahöstlichen Kriegsgebiete liefern. Das rechtfertigt aber nicht solche Morde! Schön wäre es, wenn Angela Merkel als Politikerin in die Geschichte eingehen würde, die diesen schizophrenen Kreislauf durchbricht.

Fühlen Sie sich derzeit sicher?

SCHYGULLA: Ich wohne in der Nähe der Place de la Bastille, der Ikone für Freiheit, mit ihrer weithin sichtbaren geflügelten Figur "Genie de la Liberté", und habe hier weder Polizei noch Militär am Tag nach den Anschlägen gesehen. Was sind tausend patrouillierende Soldaten auf eine Millionenmetropole verteilt? Sand in die Augen.

Info Hanna Schygulla (71) wurde durch Filme von Rainer Werner Fassbinder ("Liebe ist kälter als der Tod", "Lili Marleen") bekannt und erhielt bei der Berlinale 1979 den Silbernen Bären für "Die Ehe der Maria Braun". Die am 25. Dezember 1943 in Schlesien geborene Schauspielerin tourt seit einigen Jahren mit einem Chansonprogramm durch Europa.

"Paris lässt sich seine Freiheit nicht nehmen"
Hält nichts von der Angstvokabel "Krieg": Hanna Schygulla. Foto: afp

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18.11.2015, 12:00 Uhr

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