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Park als Paradies beim Palast
Der Karlsruher Schlossgarten zeugt noch heute von der Sammelleidenschaft des Markgrafen Karl Wilhelm - der war besonders erpicht auf Tulpen, Narzissen und Hyazinthen. Foto: Schlösser und Gärten
Staatliche Schlossverwalter werben in diesem Jahr mit ihren Gärten

Park als Paradies beim Palast

Sie dienten einst für große Freiluftfeste und intime Begegnungen. Jetzt sollen 18 Gärten rund um die staatlichen Schlösser zahlende Besucher anlocken, die historisch und botanisch interessiert sind.

14.04.2016
  • HANS GEORG FRANK

Ludwigsburg. Karin Ehlers kann sich nicht entscheiden, welcher Park in Landesbesitz sie am meisten fasziniert. Die Kunsthistorikerin hat sich im Dienst der Staatlichen Schlösser und Gärten, die sich um Erhaltung und Vermarktung von 59 historischen Immobilien kümmert, die Grünflächen und Blumenbeete rund um die geschichtsträchtigen Monumente angesehen. Denn 2016 soll im Südwesten das Augenmerk ganz auf "Die Welt der Gärten" gerichtet sein.

Diese Gärten, erklärte die Expertin in Ludwigsburg, seien "lebende Kunstwerke und kunstvolle Natur zugleich". Es handle sich demnach um bedeutende Denkmäler: "Wandelbar mit dem Lauf der Jahreszeiten und vergänglich wie keine andere Schöpfung." Ganz gleich, wann die Landschaftsplaner vergangener Zeiten am Werk gewesen sind, stets hätten sie "ein Bild vom Paradies" geschaffen, "eine Welt von poetischer Sinnlichkeit und Schönheit", ist die Kunsthistorikerin nachhaltig beeindruckt.

Der Gartenbegeisterung der Bauherren ist sogar ein spezieller Gebäudetyp zu verdanken. Zur Überwinterung der exotischen Zitrusfrüchte wurde die Orangerie entwickelt. Südländische Vitaminspender mussten sowieso gepflegt werden. "Sie waren Sinnbild für die Unsterblichkeit des Herrscherhauses", berichtete Ehlers.

Wie groß diese Eden-Varianten insgesamt sind, vermag Michael Hörrmann nicht einmal zu schätzen. Allein Schwetzingen erstreckt sich über mehr als 70 Hektar, in Ludwigsburg sind es rund 30 Hektar. Für den Geschäftsführer des Landesbetriebs waren die Gärten zwar immer "integraler Bestandteil" der Vermarktung der Paläste und Ruinen, der Klöster und Grabkapellen. Aber der umtriebige Manager muss doch zugeben, "dass das Potenzial noch nicht ganz ausgeschöpft worden ist". Mit dem Jahresthema ergebe sich eine Chance, "die wir jetzt ergreifen wollen". Die Verwalter setzen auf eine neuartige Symbiose. "Wir wollen Menschen in Kontakt mit dem kulturellen Erbe bringen, die vor allem Interesse an der Botanik haben." Gleiches, betont Hörrmann, gelte natürlich auch umgekehrt.

Bei ihrer Bestandsaufnahme hat die Wissenschaftlerin Ehlers den hohen Wert der Gärten herausgearbeitet: "Er ist immer jung und ganz frisch, egal wie alt er ist." Eigentlich kämen die Prachtbauten erst dadurch richtig zur Geltung: "Der Garten hebt die Monumente aus ihrer Selbstversunkenheit heraus und macht sie lebendig."

Wollte sich ein machtbewusster Potentat einst einen adäquaten Park zulegen, musste er Spezialisten mehrerer Disziplinen verpflichten. Der fürstliche Garten des Barocks etwa sei "ein hochkomplexes Gefüge" gewesen, weiß Karin Ehlers. Neben dem Botaniker seien Zoologen, Architekten, Ingenieure, Handwerker, Künstler und sogar Pyrotechniker für das Werk notwendig gewesen. Herausgekommen seien durch diese Kooperation "kostspielige Gesamtkunstwerke", ebenso "Orte von außerordentlicher Poesie mit Grotten und Bosketten, Labyrinthen und nachgebildeten Landschaften". Damit ließ sich trefflich repräsentieren, eignete sich der Garten doch als Kulisse für festliche Gesellschaften. Aber Büsche und Bäume boten auch Sichtschutz für verschwiegene Treffen in eher kleinem Kreis.

18 Gärten sollen vom kommenden Sonntag an die Besucher als "Kostbarkeiten für alle Sinne" anlocken. Vier davon hat die Projektleiterin als besonders attraktive "Highlight-Gärten" herausgehoben: Schwetzingen als "Festsaal unter freiem Himmel", Schloss Favorite in Rastatt als "Kleinod im Badischen", Weikersheim im Taubertal als "geordnetes Universum" und Ludwigsburg mit dem Blühenden Barock als "echtem Volksgarten".

Aber auch andernorts gibt es viel zu entdecken. In Heidelberg sind die Terrassen zum Refugium für bedrohte Tiere und Pflanzen geworden. Der Karlsruher Schlossgarten zeugt noch heute von der Sammelleidenschaft des Markgrafen Karl Wilhelm, war er doch besonders erpicht auf Tulpen und andere Zwiebelpflanzen. Klöster wie Maulbronn, Bebenhausen und Salem waren angewiesen auf die Kunst der Wasserbauer, die für den Nachschub Stauseen, Weiher und Gräben anlegten.

Info http://www.welt-der-gaerten2016.de

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14.04.2016, 06:00 Uhr

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