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Sicherheit

Parkspaziergang in Horb

Das eigene Sicherheitsempfinden hört auf keine Kriminalitätsstatistik. Wo man die Hand vor Augen nicht sieht, fühlt man sich unwohl. Ein Selbstversuch.

07.11.2018
  • Manuel Fuchs

Die Füße tasten unsicher über den unebenen Boden. Die feuchte Kühle des Abendnebels zieht langsam in die Atemwege. Puls und Blutdruck melden Werte oberhalb von „entspannt“. Von irgendwo dudelt zeitgenössische Popmusik aus einem offenbar kleinen, rauschenden Lautsprecher. Die Augen bemühen sich redlich, in den dunklen Schemen irgendetwas zu erkennen, sehen aber nur in einiger Entfernung einen hellblauen Ring durchs Gebüsch irrlichtern. Plötzlich erblinden sie schier im gleißenden Licht einer Smartphone-Taschenlampe, der Körper erstarrt vor Schreck.

Ein freundliches „Guten Abend“ dringt entwarnend ins Ohr, die Augen ahnen kurz ein Fußgänger-mit-Hund-Gespann, bevor sie wieder mit der Dunkelheit klarkommen müssen. Und das Großhirn fragt sich: Wieso stehen am Horber Uferweg eigentlich keine Lampen?

Grundproblem: der Platz

Gehen wir ein paar gedankliche Schritte zurück; dorthin, wo man klar sieht: Die Horber Kernstadt liegt in einem Flusstal, eingebettet zwischen mehreren Anhöhen. Daraus ergibt sich ein grundsätzliches Platzproblem, im Speziellen ein Parkplatzproblem für Pendler, Einkäufer, Stadtbummler und andere, die mit dem Auto nach Horb kommen.

Die Stadtverwaltung kann die Topografie nicht ändern, wohl aber mit mehrstöckigen Parkhäusern platzsparende Parkmöglichkeiten für Autos schaffen. Das dafür investierte Geld holt sich die Stadt von den Parkenden zurück. Parken in der Innenstadt kostenpflichtig zu machen, mag dem klugen Ziel zuarbeiten, möglichst viele Autos aus dem ampellastigen Geknote zwischen Christophorusbrücke und Gutermannstraße herauszuhalten.

Zum Be- und Entladen unhandlicher Gegenstände lohnt sich der Gang zum Parkscheinautomaten. Wer nur sich selbst nach Horb transportieren, aber einen ganzen Arbeitstag lang hier bleiben muss, scheut vermutlich die damit verbundenen Parkkosten.

Gratis parken an der DHBW

Besonders für Pendler, die über Mühlen nach Horb einfahren, bieten sich die großzügigen Parkgelegenheiten an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg an. Sie sind gratis, und ein kurzer Spaziergang über den malerischen Uferweg führt direkt ins Herz der Stadt. Eine feine Sache.

Nach Sonnenuntergang ist der Rückweg zum Auto allerdings weniger fein: Der Uferweg ist nicht beleuchtet, von angrenzenden Straßen und Grundstücken dringt wenig Licht dorthin. Der Spaziergang ist deutlich beklemmender, als er sein könnte, wenn der Weg ordentlich ausgeleuchtet wäre.

Je nach Beinlänge sind etwa 250 Schritte vom letzten Lichtschimmer auf Horber Seite durch die Dunkelheit bis zur ersten Laterne an der Hochschule nötig. Natürlich zückt man dafür sein Smartphone und aktiviert die Lampe – allein schon, um zu sehen, wohin die Füße treten. Entgegenkommenden frontal ins Gesicht zu leuchten verbietet zwar die Höflichkeit, aber bei einigen, wenigen Zeitgenossen tritt sie wohl hinter deren Sicherheitsbewusstsein zurück. Wirklich verdenken kann man es niemandem.

Was spricht gegen eine andere Route, zum Beispiel durch die passabel ausgeleuchtete Schillerstraße? Grundsätzlich nichts, aber dort müssen sich Fußgänger ohne Gehweg mit Autofahrern arrangieren, die vermutlich auch rasch in den Feierabend oder schnell noch etwas erledigen wollen.

Ängste sind nur selten rational. Es hilft nicht weiter, den luftigen, aber dunklen Uferweg mit der engen, aber beleuchteten Parkhaus-Unterführung am Bahnhof zu vergleichen. Auch dort könnte die Stadtverwaltung das subjektive Sicherheitsempfinden vieler Passanten sicher irgendwie verbessern. Und danach, vielleicht sogar gleichzeitig, die Ausleuchtung des Uferwegs in Angriff nehmen.

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07.11.2018, 01:00 Uhr

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