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Tübinger Linke wünschen sich Sahra Wagenknecht

Parteitags-Delegierte kritisieren Frontenkrieg

Die Tübinger Linken hoffen auf ein Ende der Personalquerelen. Sie wollen beim Parteitag Anfang Juni in Göttingen lieber über Inhalte reden.

25.05.2012
  • Ute Kaiser

Parteitags-Delegierte kritisieren Frontenkrieg
Tobias Pflüger

Tübingen. „Wir müssen eine wichtige Stimme gegen die Sparpolitik sein“, sagt Heike Hänsel. Wie das gehen kann, hat die Tübinger Bundestagsabgeordnete Anfang Mai in Athen erlebt, wo sich mehrere linke Parteien zum Bündnis Syriza zusammengeschlossen haben. Hänsel ist keine Delegierte, aber sie hat beim Parteitag Rederecht. Das will sie unter anderem für einen Appell nutzen. Die Partei brauche „erfahrene und qualifizierte Leute an der Spitze“, sagt sie. „Jung und weiblich allein reicht nicht aus, um politische Visionen zu entwickeln.“

Das Kandidatinnen-Duo Katja Kipping und Katharina Schwabedissen erfüllt die Erwartungen der Tübinger Delegierten nicht. Sie sprechen sich, nachdem Oskar Lafontaine hingeschmissen hat, im Einklang mit dem Landesverband einhellig für Sahra Wagenknecht als einen Teil des Spitzenduos aus. Dietmar Bartsch dagegen wollen sie in dieser Funktion nicht sehen. „Es kann nicht sein, dass wir uns wegen einer Clique zerlegen“, so Hänsel. Er und seine Anhänger stehen aus Sicht der Tübinger für eine Politik, der es nur um die Mehrheitsbeschaffung für Regierungsbeteiligungen geht.

Parteitags-Delegierte kritisieren Frontenkrieg
Gerlinde Strasdeit

Der ehemalige Tübinger Europa-Abgeordnete Tobias Pflüger ist Delegierter. Er will wieder für den Parteivorstand kandidieren, dem er seit zwei Jahren angehört. „Ich bin in der Linken, um für Inhalte zu kämpfen“, sagt der Friedensaktivist, der gerade in den Sprecherkreis der Antikapitalistischen Linken gewählt wurde: „In der Wirtschaftskrise haben wir ganz andere Themen.“ Pflüger meint damit beispielsweise die soziale oder die Frage von Krieg und Frieden.

Beim bisherigen Personalangebot für die Spitzenpositionen vermissen die Tübinger Delegierten auch den Bezug zu den Basisbewegungen, die jüngst bei den Blockupy-Aktionstagen in Frankfurt zusammenkamen. Wenn der verloren geht, so fürchtet Hänsel, werde die Linke „nur noch eine Funktionärspartei mit wenig Ausstrahlung“ sein.

Parteitags-Delegierte kritisieren Frontenkrieg
Gotthilf Lorch

Auch Gotthilf Lorch war am Main, um gegen das Spardiktat von Europäischer Zentralbank bis Internationalem Währungsfonds zu demonstrieren. Der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Selbstbestimmte Behindertenpolitik der Linken bedauert, dass durch die Fehde „die Inhalte überlagert werden“. Wenn sich jetzt keine gute Lösung finde, sieht der Parteitagsdelegierte im kommenden Jahr die Wahlen im Bund und in den Ländern für die Linke schon verloren.

Obwohl Gerlinde Strasdeit die Lage im Augenblick als „ziemlich dramatisch erlebt“, ist sie dennoch zuversichtlich. Beim Grundsatzprogramm im vergangenen Jahr, das „moderne Kapitalismuskritik und konkrete Reformalternativen“ enthalte, habe die Partei eine Einigung hinbekommen. Das müsse auch bei Personalfragen zu machen sein.

Parteitags-Delegierte kritisieren Frontenkrieg
Heike Hänsel

Gewerkschaftspositionen, fordert die Delegierte, „müssen weiter eine wichtige Rolle spielen“. Eine Öffnung hin zur SPD, für die auch Dietmar Bartsch steht, ist für Strasdeit so lange nicht diskutabel, so lange die SPD bei ihrer Hartz IV- und Kriegspolitik bleibe: „Wir dürfen kein Anhängsel sein.“ Das sieht Heike Hänsel genauso: „Eine zweite SPD light brauchen wir nicht.“

Archivbilder: Metz (3), Sommer

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25.05.2012, 12:00 Uhr

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