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Gas, Strom und Wärme

Partner für die energetische Verwertung von Bioabfällen

Lassen sich Bioabfälle aus dem Kreis Reutlingen wirtschaftlich energetisch verwerten? Dies zu klären hatte der Ausschuss für technische Fragen die Landkreisverwaltung beauftragt. Die Antwort: Unter bestimmten Bedingungen ist das möglich und der Pfullinger Komposthof dafür durchaus geeignet.

09.11.2012
  • Bernd Ulrich Steinhilber

Reutlingen. Von einer Realisierung des Projekts, mit dem man aus Bioabfällen Gas, Strom und Wärme gewinnen will, ist man derzeit freilich noch weit entfernt. Und überhaupt ist daran nur zu denken, wenn es gelingt, Partner zu finden. 5500 Tonnen Bioabfälle pro Jahr aus dem Landkreis Reutlingen sind einfach zu wenig, um solch eine Anlage wirtschaftlich zu betreiben.

Nach einer Machbarkeitsstudie der Planungssozietät Awiplan sollten es mindestens 30 000 Tonnen sein – besser noch mehr. Und die könnten auch zusammenkommen, wenn die Stadt Reutlingen (9500 Tonnen), der Landkreis Tübingen (7500 Tonnen), der Zollernalbkreis (8500 Tonnen) und, von 2016 an, der Landkreis Reutlingen (mit der Pflichtbiotonne mit weiteren 4500 Tonnen) ihre Bioabfälle zuliefern. Summa summarum stünden dann 35 500 Tonnen für die energetische Verwertung zur Verfügung. Um diese kritische Masse zu erreichen, verhandelt die Kreisverwaltung mit den potenziellen Partnern.

Der Standort Pfullingen kam in den Blick der Planer, weil die Stadt dort bereits einen Komposthof an der Kreisstraße 6729 Richtung Gönningen betreibt. Laut Awiplan eigne er sich grundsätzlich für die Realisierung einer Bioabfallvergärungsanlage. Ein Standort mit Schwächen allerdings: Unmittelbar vor Ort fehlen Abnehmer für die Wärme, und erst fünf Kilometer entfernt befindet sich die nächste Einspeisemöglichkeit für Biomethan ins Erdgasnetz.

Zwar gehen Wirtschaftlichkeitsberechnungen davon aus, dass bestehende Anlagenteile im Wert von 800 000 Euro am Standort weiterhin genutzt werden können, allerdings müsste der Komposthof bei einem langfristigen Betrieb mit 700 000 Euro saniert werden, was diesen Vorteil wieder aufhebt.

Favorisiert wird von Awiplan die Trockenvergärung, deren feste Reste anschließend kompostiert und deren flüssige Reste landwirtschaftlich verwertet werden – wobei erst die Verwertung des zuvor erzeugten Biogases den Betrieb wirtschaftlich macht. Mit Blockheizkraftwerken ließe sich Biogas in Strom verwandeln, als Biomethan in Erdgasqualität aufbereitet, könnte man es ins Gasnetz einspeisen.

Vorstellbar, wenn auch wenig effizient, wäre es, Wärme in die Fernwärmeleitung nahe der Reutlinger Hochschule einzuspeisen. Dazu müsste dort ein von einer 4,5 Kilometer langen Mikrogasleitung versorgtes Blockheizkraftwerk gebaut werden. Aus technischen Gründen könnten aber nur 70 Prozent der erzeugten Wärme vom Netz aufgenommen werden.

Indes gestattet es die Herstellung von Biomethan am Standort Pfullingen, Biogas in Erdgasqualität in das fünf Kilometer entfernte, ebenfalls nahe der Hochschule verlaufende Erdgasnetz der Fair-Energie einzuspeisen.

Nach Awiplan ließe sich am Standort Pfullingen eine Vergärungsanlage im günstigsten Fall zu einem Preis von 67 Euro pro Tonne Bioabfall realisieren. Wobei die Verwertung von 35 000 Tonnen Bioabfällen unterstellt wird. Je größer, heißt es in der Studie, desto wirtschaftlicher lasse sich die Anlage betreiben

Allerdings erweisen sich die Gespräche mit den beiden Landkreisen und der Staat Reutlingen wegen sehr unterschiedlicher Voraussetzungen als schwierig. Zwar bezahlt der Kreis Reutlingen derzeit für die Kompostierung in Pfullingen 90 Euro pro Tonne Bioabfall. Dagegen verwerten die potenziellen Partner ihre Bioabfälle in Kompostierungsanlagen außerhalb der Region mit einer Spanne zwischen 57 Euro bis 61 Euro pro Tonne. Wegen steigender Transportkosten dürfte der Preis ab 2013 jedoch auf bis zu 70 Euro je Tonne ansteigen.

Auch aus diesem Grund sieht Landrats-Vize Hans-Jürgen Stede „sehr realistische Chancen“ für den Bau der zentralen Anlage. „Wir wollen ernsthaft prüfen, ob das eine Lösung ist“, sagte Landrat Thomas Reumann in einer Sitzung des Ausschusses für technische Fragen und Umweltschutz.

Partner für die energetische Verwertung von Bioabfällen
700.000 Euro würde eine Sanierung kosten, dann wäre der Komposthof in Pfullingen grundsätzlich als Standort für eine Bioabfallvergärungsanlage geeignet. Derzeit wird hier der Bioabfall aus dem Landkreis Reutlingen kompostiert. Für die energetische Verwertung sind Investitionen zwischen 16 und 22 Millionen Euro erforderlich.

Awiplan hat dem Konzept verschiedene Varianten zugrunde gelegt, die zwischen 16 und 22 Millionen Euro Investitionen erforderlich machen. Die jährlichen Aufwendungen liegen zwischen 2,8 und 4,1 Millionen Euro, die Erlöse zwischen 0,9 und 1,8 Millionen Euro, so dass Kosten zwischen 1,8 und 2,4 Millionen Euro entstehen. Daraus errechnet sich der Preis pro Tonne Abfall.

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09.11.2012, 12:00 Uhr

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