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Viele Arten Flucht

Passage durch die afrikanischen Filme der Französischen Filmtage

Während Europa durch die Krise taumelt, verzeichnen viele afrikanische Länder traumhafte Wachstumsraten. Aber was kommt beim einfachen Volk davon an? Nicht viel, glaubt man den afrikanischen Festivalfilmen. In denen dominiert weiterhin das Motiv der Flucht.

25.10.2012

Passage durch die afrikanischen Filme der Französischen Filmtage
Le repenti

Nach wie vor versuchen Tausende Afrikaner jedes Jahr mit Booten nach Europa zu gelangen – an die 10 000 sind dabei in den letzten 20 Jahren ums Leben gekommen. Von einem solch tödlich gefährlichen Unternehmen – 30 Männer und eine Frau wollen vom Senegal auf die Kanarischen Inseln – erzählt Moussa Touré („TGV Express“) in seinem neuen Film La pirogue. „Alle Elemente des Filmemachens – Schauspiel, Kamera und Erzählung – fügen sich hier zu einer geschlossenen cineastischen Stimme“, lobte die Jury des Münchner Filmfests, die das Flüchtlingsdrama im Juli als besten internationalen Film ausgezeichnet hat.

Während die Schicksale der Boatpeople den westlichen Medien immerhin Kurzmeldungen wert sind, ist die (Arbeits-)Migration innerhalb Afrikas ein dunkler Fleck. Zwei Festivalfilme greifen dieses Thema am Beispiel des Flüchtlingsstroms von Burkina Faso zu den Plantagen der Elfenbeinküste (und zurück) auf. Regisseur Michel K. Zongo spürt in Espoir voyage dem Schicksal seines Bruders nach, der Ende der siebziger Jahre fortgegangen war und 15 Jahre später an Malaria starb, ohne seine Familie wiedergesehen zu haben. Der Spielfilm Bayiri erzählt von einer jungen Migrantin, die nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs in der Elfenbeinküste vor der anschwellenden Gewalt gegen Fremde zurück in ihre Heimat flieht – und unterwegs Schreckliches erlebt.

Von einer eher unüblichen Form der Wanderschaft handelt der Film Tey Aujourd’hui – vielleicht gab ihm Regisseur Alain Gomis deswegen eine leicht surreale Note. Am letzten Tag seines Lebens kehrt ein Mann (gespielt vom amerikanischen Experimental-Rapper Saul Williams) aus den USA in sein afrikanisches Heimatdorf zurück – doch bleibt ihm die Welt seiner Kindheit und Jugend merkwürdig fremd.

Passage durch die afrikanischen Filme der Französischen Filmtage
Le repenti

Um Fluchten im übertragenen Sinn – aus der bedrückenden Vergangenheit in eine unklare Zukunft – geht es in Filmen aus Algerien und Ruanda. Le repenti (Regie: Merzak Allouache) handelt von einem jungen islamistischen Kämpfer, der sich im Zuge der nationalen Versöhnung der Polizei stellt und dafür amnestiert wird. Doch schon bald holt ihn seine Vergangenheit im Untergrund wieder ein. In Matière grise plant ein Regisseur einen Spielfilm über den Völkermord, dem 1994 fast eine Million Ruander zum Opfer gefallen sind. Doch das Projekt kommt nicht vom Fleck, denn im Ruanda von heute blickt man nach vorn – dem Wirtschaftsboom entgegen.

Vor 25 Jahren gab es erstmals eine Afrika-Reihe bei den Französischen Filmtagen. Unter der Leitung von Bärbel Mauch, Bernd Wolpert und Jörg Wenzel hat sich das kleine im großen Festival seitdem zu einer der wichtigsten Plattformen für afrikanisches Kino in Deutschland gemausert. Zum Jubiläum gibt es nun einen Rückblick auf das dortige Filmschaffen seit den Anfängen in den sechziger Jahren.
Das Besondere daran: Nicht die Festivalmacher haben ausgewählt, sondern afrikanische Regisseure. Filmemacher wie Jean-Marie Téno (Kamerun) und Gaston Kaboré (Burkina Faso) schnürten Pakete mit Kurzfilmen, die für sie selbst oder das afrikanische Kino allgemein wichtig waren. Das Spektrum reicht von Ousmane Sembènes „Borom Sarret“ (1962), dem ersten unabhängigen afrikanischen Film überhaupt, bis zum brandneuen experimentellen Science-fiction-Clip aus Kenia.

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25.10.2012, 12:00 Uhr

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