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An der neuen Halle wird noch gebaut, da ist schon die nächste Erweiterung fällig

Paul Horn GmbH: Wachstum, fast schon stürmisch

Die Paul Horn GmbH wächst immer weiter: Nach dem Startschuss für die 30-Millionen-Produktionshalle vergangenen Herbst soll nun beim Hauptsitz ein neuer Verwaltungsbau für 15 Millionen Euro entstehen. Das Umsatzwachstum könnte auch 2015 zweistellig ausfallen, etliche neue Jobs sind geplant.

09.07.2015
  • Volker Rekittke

Tübingen. Woran er sieht, dass sein Unternehmen erfolgreich ist? „Man ist dann gut, wenn man merkt, dass andere Firmen die eigenen Produkte 1:1 nachbauen“, sagt Firmenchef Lothar Horn. Gemeint sind Werkzeuge, bei denen der Patentschutz abgelaufen ist. Und das nicht nur in China: „Auch Marktführer machen das.“

Die Tübinger Paul Horn GmbH gehört weltweit zu den großen, aber nicht zu den ganz großen Hartmetallwerkzeug-Herstellern. Auf Platz 1 steht der schwedische Sandvik-Konzern, zu dem die Tübinger Walter AG gehört, gefolgt von Kennametal (USA) und Iscar (Israel). Horn tummelt sich unter den Top 20, ist jedoch laut Lothar Horn in seiner „Nische“ – beim Nutfräsen und Einstechen – „weltweit führend“.

Fast 900 Mitarbeiter, darunter 60 Auszubildende, beschäftigt Horn mittlerweile an seinem Tübinger Standort. Weltweit sind es 1300 Beschäftigte. Allein im vergangenen Jahr kamen etwa 100 hinzu – weitere Einstellungen sind geplant.

Der Umsatz kletterte 2014 um 11 Prozent auf 155 Millionen in Tübingen (Deutschland) und 250 Millionen Euro weltweit. Für 2015 erwartet Horn „ein Wachstum im oberen einstelligen Bereich“ – wenn’s richtig rund läuft sogar wieder um die 10 Prozent, auf jeden Fall deutlich mehr als die branchenweit fürs laufende Jahr prognostizierten 3 bis 4 Prozent.

Keine Frage: Die Geschäfte laufen gut. Es ist genug Geld zum Bauen da. Und es muss gebaut werden, denn: „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Horn. Deshalb nun der neue Verwaltungstrakt für 15 Millionen Euro neben dem Werk I (Unter dem Holz) mit sechs Etagen und 3500 Quadratmetern samt Büros und Seminarräumen für Kundenschulungen – eine glatte Verdoppelung der bisherigen Verwaltungsfläche. Der Bauantrag wurde unlängst eingereicht. Wenn alles glatt geht, könnte der Erweiterungsbau Ende kommenden Jahres bezogen werden. Dann soll auch das neue Werk III am Dußlinger Weg (Kostenpunkt: 30 Millionen Euro) fertig sein. „Wir haben bisher alle acht Jahre die Produktionsflächen verdoppelt“, sagt Lothar Horn. Mit Werk III ist es wieder einmal soweit: von derzeit 12 000 auf dann 24 000 Quadratmeter.

Medizintechnik auch für Horn Wachstumsmarkt

Der Umzugstermin für die aktuell 30 000 verschiedenen Artikel (20 000 Standard-, 10 000 Sonderwerkzeuge) im Horn-Lager ist schon gesetzt: Zwischen Weihnachten 2016 und Jahresbeginn 2017 soll alles ins neue, vollautomatische Kleinteilelager in der fast 20 Meter hohen und 170 Meter langen Produktionshalle wandern. Dort können bis zu fünf Mal so viele Teile wie bisher eingelagert und an die Kunden verschickt werden.

Und es gibt noch mehr Platz für das Unternehmen. Südlich vom Stammhaus sicherte sich Horn kürzlich das 4000-Quadratmeter-Areal des Autohauses Löffler (Renault). Wie berichtet, schließt der Händler zum 1. Februar 2016. Horn will hier zunächst 150 Mitarbeiter-Parkplätze einrichten – denn auch die werden beim anhaltenden, fast schon stürmischen Wachstum langsam knapp. „Das war ein Glücksfall für uns“, sagt Lothar Horn, „auf dem Gelände kann man noch einiges machen.“ Für die Horn GmbH ist Automotive nach wie vor die Leitbranche. Immer wichtiger werden auch andere Bereiche: „Medizintechnik ist ein Wachstumsmarkt“, sagt Horn. Denn die Menschen werden älter, zugleich geht die medizintechnische Forschung und Entwicklung weiter, immer häufiger werden künstliche Ersatzteile in den Körper eingesetzt. Egal ob Knochenschrauben und -nägel oder Kobalt-Chrom-Legierungen fürs künstliche Kniegelenk: All diese Materialien müssen bearbeitet werden, und zwar äußerst präzise.

Zum Beispiel mit Werkzeugen aus dem Hause Horn. Die werden längst nicht nur in Deutschland verkauft, auch wenn hier mit rund 60 Prozent der größte Markt ist. Auch in den USA, in Frankreich, Großbritannien, der Schweiz, in Italien und anderen Ländern macht Horn Geschäfte. In mehreren dieser Auslandsmärkte hat die Firma bereits Niederlassungen.

Vom immer häufiger beklagten Lehrlingsmangel hat Lothar Horn noch nichts gespürt: Auf die jährlich 15 freien Ausbildungsplätze bewerben sich stets 200 junge Leute – mindestens. So gut wie alle werden übernommen.

Fragt sich nur: Wie lange werden die Kapazitäten der neuen Gebäude reichen? Lothar Horn überlegt kurz und sagt dann: „Für die nächsten Jahre sind wir gewappnet.“

Paul Horn GmbH: Wachstum, fast schon stürmisch
Die Paul Horn GmbH expandiert im Tübinger Gewerbegebiet Steinlachwasen: Der neue Verwaltungsbau soll bis Ende 2016 auf Parkplätzen und einer Wiese beim StammwerkI gebaut werden (1). Südlich davon sicherte sich Firmenchef Lothar Horn unlängst die Fläche von Renault Löffler (2). Schon einiges zu sehen gibt es auf der Baustelle am Dußlinger Weg, die umrahmt ist von zwei Parkflächen (4): Dort entsteht die neue Produktionshalle des Tübinger Hartmetall-Werkzeugbauers (3). Luftbild: Grohe

Paul Horn GmbH: Wachstum, fast schon stürmisch
Lothar Horn

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09.07.2015, 12:00 Uhr

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