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Diese Mannschaft gibt Rätsel auf

Peinliche erste Hälfte, unvollendete Aufholjagd: Tübingen tritt wieder nicht als Team auf

Die Schwankungen der Walter Tigers Tübingen geben selbst eingefleischten Fans Rätsel auf: Keine 48 Stunden nach dem 90:86 in Gießen zeigte das Team von Trainer Tyron McCoy gestern in der ersten Hälfte gegen Braunschweig Basketball zum Abgewöhnen. Die Aufholjagd blieb unvollendet, das dritte Heimspiel in Serie im Endspurt verloren.

25.04.2016
  • Hansjörg Lösel

Tübingen.Warum fangen die Tigers eigentlich immer erst an zu spielen, wenn sie sich selbst schon ein so tiefes Loch gegraben haben, dass nur noch der Maulwurf Grabowski eventuell den Ausgang finden würde? Gegen den MBC waren es 20 Punkte Rückstand, deren 19 gestern gegen Braunschweig. Wenn die Kapp‘ dann eh schon verschnitten ist, um es schwäbisch auszudrücken, blasen die Tübinger zur Aufholjagd. Die scheitert allerdings in den Schluss-Sekunden, im Finish reicht es nicht mehr zum Sieg – an dieses Drehbuch hielten sich die Tigers gestern erneut. Und die Fans fühlten sich irgendwie an den Film „Täglich grüßt das Murmeltier“ erinnert.

Dabei hätte der Sieg in Gießen doch eigentlich alle Blockaden lösen müssen, nach dem 90:86 vom Freitag ist der Liga-Verbleib so gut wie sicher. Doch die Verkrampfung war von Beginn an spürbar, die Mannschaft zerfiel im ersten Viertel (9:23) in ihre Einzelteile. Auch im zweiten Viertel ging es grade so weiter: Mihailovic verrannte sich vorne, bekam aber auch keine Hilfe, hinten foulte Buford beim erfolgreichen Korbleger Nash. Einzig Green kam ansatzweise in seinen Rhythmus, dann drehte Mihailovic auf: Dem Montenegriner gelangen fünf Punkte in Serie zum 16:25, den folgenden Dunk von Radosavljevic bereitete er ebenfalls vor. Trotz neun Punkten von Mihailovic im zweiten Viertel blieb aber fast alles Stückwerk, beim 22:33 verabschiedeten die enttäuschten Tigers-Fans ihr Team mit Pfiffen in die Kabine. In der Halbzeitpause holte sich der Nachwuchs seinen verdienten Applaus ab: Die Tigerle haben sowohl in der U 16 als auch in der U19 jeweils die besten Spielzeiten der Vereinsgeschichte in den Nachwuchs-Bundesligen hingelegt. Dienten die Talente als Weckruf für die Profis? Jared Jordan sorgte jedenfalls für die ersten Punkte im zweiten Durchgang. Im Gegenzug aber griff Buford Nash beim Korbleger in den Arm, auch Green foulte Simon beim erfolgreichen Abschluss – 24:41. Beim deprimierenden Stand von 26:45 zeigte Tübingen endlich eine Reaktion: Nadjfeji eröffnete einen 11:0-Lauf und schloss ihn mit dem 37:45 auch selbst ab, dazwischen hatten Radosavljevic, Green und Mihailovic per Dreier gepunktet.

Jetzt sahen die Fans immerhin einen Wettkampf. Radosavljevic per Dunk, Mihailovic per Dreier brachten Tübingen auf 44:51 nach drei Vierteln heran. Bufords erste Punkte der Partie zum 46:51 konterte Braunschweig aber sofort durch Frease und einen Needham-Dreier, beim 46:56 nahm McCoy die Auszeit und schwor sein Team ein auf die letzten knapp acht Minuten der Saison in heimischer Halle. Dreier von Jordan und Buford zum 52:56 brachten das so geduldige wie dankbare Publikum auf die Beine, aber Nash vernaschte Agva, sorgte mit dem 52:58 für Ruhe. Green ließ eine große Chance liegen, als er beim Tempo-Gegenstoß per Dunk scheiterte, statt den Ball übers Brett sicher zu verpacken. Der Ex-Tiger Nicolai Simon brachte Tübingen mit einem Technischen Foul wieder ins Spiel, Buford verwandelte den Freiwurf, den folgenden Ballbesitz schloss MIhailovic – wer sonst – zum 59:61 ab. Eiskalt von der Freiwurflinie glich Radosavljevic zum 61:61 aus, noch 90 Sekunden. Doch Grant blieb ebenfalls cool, verwandelte den Dreier. Auf der Gegenseite hatte Tübingen gleich drei offene Würfe, alle gingen vorbei. Needham erhöhte von der Linie auf 61:66, die Vorentscheidung. Der Ex-Tübinger Simon ließ zwar zehn Sekunden vor Schluss beide Freiwürfe liegen, doch eine echte Chance bekamen die Tigers nicht mehr.

Das bittere Fazit dieser Spielzeit: Die Mannschaft hat nie wirklich als Mannschaft zueinandergefunden, obwohl der beste Vorlagengeber der Liga und der Dunk-Champion im Team stehen. Coach Igor Perovic hat kurz vor Weihnachten aufgegeben, sein Nachfolger wird die Resignation des Kollegen spätestens seit gestern nachvollziehen können. „Wir waren zu Beginn platt in jeder Hinsicht, offensiv wie defensiv“, sagte McCoy, „es ist ein langer Lernprozess, ein Spiel bleibt noch – und wir haben alles selbst in der Hand.“

Es müsste schon so ziemlich alles schiefgehen

Der drittletzte Spieltag lief gegen die Walter Tigers, die Konkurrenten MBC (gegen Bonn) und Göttingen (in Hagen) siegten. Trotzdem hat Tübingen weiter alle Trümpfe in der Hand. Bei einem Sieg am Freitag in Crailsheim ist die Mannschaft von Trainer Tyron McCoy in jedem Fall am rettenden Ufer. Selbst eine Niederlage im Saison-Finale würde noch nicht das Aus bedeuten: Da Tübingen sowohl gegen Göttingen als auch gegen den MBC jeweils den direkten Vergleich gewonnen hat, müssen diese Teams jeweils noch zwei Siege holen, um an Tübingen vorbeizuziehen. Göttingen muss noch in Gießen und gegen Würzburg antreten, der MBC hat in Ulm und zu Hause gegen Bayreuth zwei schwere Aufgaben. Nach der Niederlage bei den Eisbären Bremerhaven steht Crailsheim als erster Absteiger fest.

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25.04.2016, 01:00 Uhr

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