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Kammerspiele

Performance kontra Theater

In München tobt ein heftiger Streit über die Arbeit des Avantgarde-Intendanten Matthias Lilienthal.

22.11.2016
  • PATRICK GUYTON

München. „Was ist denn die Vision?“, fragt die Journalistin Christine Dössel den Theatermann Matthias Lilienthal in der Kammer 2 der Münchner Kammerspiele. Der Intendant der Münchner Kammerspiele hat mittlerweile eine Grundsatzdebatte am Hals. Wegen Überfüllung wird die Diskussion auch in die Kantine übertragen. „Welches Theater braucht München?“, fragt das Haus, und es diskutieren Matthias Lilienthal, Christine Dössel und die Schauspielerin Annette Paulmann.

Er sagt, dass er sich jeden Tag 14 Stunden in der Stadt aufhält, dass er sich „extrem für München interessiert“. Er berichtet vom Migrantenanteil, der bei 37 Prozent liegt – höher als in jeder anderen deutschen Großstadt –, und dass er die Themen Flucht und Migration in sein Haus bringen will.

Seit zwei Wochen herrscht in München der Theaterstreit. Aus einzelnen Ereignissen, die allein für sich genommen wenig Bedeutung haben, hat sich an der Isar ein ganzer Packen schlechter Nachrichten gehäuft. Angefangen hat es mit einer geplatzten Inszenierung. Der junge französische Star-Regisseur Julien Gosselin wollte ein Doppelwerk von Michel Houellebecq auf die Bühne bringen: „Unterwerfung/Plattform“. Doch Gosselin verließ München fluchtartig. Es folgte die Kündigung der langjährigen und beliebten Kammerspiele-Schauspielerin Brigitte Hobmeier zum Ende der Saison.

Zum großen und bedeutendsten Schlag holte dann Theaterkritikerin Christine Dössel in der SZ aus. Unter der Überschrift „Kammerspiele? Jammerspiele!“ rechnete sie ziemlich grundsätzlich und scharf ab. Früher habe es an der Maximilianstraße „noch Schauspieltheater“ gegeben, schreibt sie, und „teils sogar richtige Stücke“. Jetzt sei das meiste „Mittelmaß, harmlos, oberflächlich, simpel: Pipifax-Theater mit dem Anspruch, erklärend, belehrend und gerne auch migrationshintergründig sozial, global und politisch korrekt zu sein“.

Rasant gestiegenes Interesse

Matthias Lilienthal, der sich als Anvantgardist und langjähriger Intendant des Berliner HAU-Theaters einen großen Ruf erworben hat, sieht die Lage völlig anders. Auch einen Zuschauerrückgang kann er nicht feststellen: 153 000 Besucher kamen in der vergangenen Saison, der Schnitt der letzten zehn Jahre. Es existieren offenbar ganz unterschiedliche Wahrnehmungen von diesem Haus. Ein Gutes hat der Theaterstreit für Lilienthal: Das Interesse an den Kammerspielen ist rasant gestiegen, in der vergangenen Woche wurden doppelt so viele Karten verkauft wie sonst üblich. Patrick Guyton

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22.11.2016, 06:00 Uhr

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