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Ehrenbürgerwürde

Persönlich angehört

Weil der ehemalige Tübinger Oberbürgermeister Hans Gmelin in das Gewaltsystem des Nationalsozialismus verstrickt war, diskutierte der Kulturausschuss über dessen Ehrenbürgerwürde. Hans-Joachim Lang kommentierte, Rolf Mattmüller in einem Leserbrief ebenfalls. Allerdings hat keiner der beiden die posthume Entehrung vorgeschlagen.

21.10.2012

Als ich 1958 aus Griechenland hierher gekommen bin, um zu studieren und zu arbeiten, war Hans Gmelin Oberbürgermeister von Tübingen. Ich habe ihn als guten und hilfsbereiten Menschen kennengelernt, der mich jungen Ausländer damals persönlich angehört und mir geholfen hat, als ich in Not war. Auch für die Jahre danach, die er im Amt war, kann ich Erich Müller nur zustimmen, der im Bericht von Manfred Hantke sagt: „letztendlich . . . war er kein schlechter OB.“

Auch aus diesem Erfahrungshintergrund heraus frage ich Herrn Lang und auch Leserbriefschreiber Rolf Mattmüller (18. Oktober): Welchen Sinn und welchen gesellschaftlichen Gewinn sehen Sie darin, Gmelin und andere, die im Nationalsozialismus verstrickt waren, posthum zu entehren? Die Verstorbenen kann man damit nicht mehr treffen. Sie sind zu ihren Lebzeiten für ihre Verdienste für die Gemeinschaft geehrt worden und in diesem Bewusstsein verstorben. Das kann man ihnen nicht mehr nehmen.

Eine Entehrung dieser Verstorbenen betrifft und bestraft lediglich ihre Nachkommen und Angehörigen. Diese sind aber in keiner Weise verantwortlich für Verbrechen im Nationalsozialismus. Die Bestrafung von Nachkommen für vermutete Verbrechen ihrer Vorfahren gemahnt an Sippenhaft, ist in unserem Rechtsstaat nicht vorgesehen und entspricht auch nicht den moralischen Grundsätzen einer aufgeklärten Demokratie.

Sotirios Pantelidis, Tübingen

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21.10.2012, 12:00 Uhr

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