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Partnerschaft ist mehr als ein Wort

Peruanischer Lehrer will Beziehung zu Tübingen vertiefen

Beim Empfang zum Umbrisch-Provenzalischen Markt ist erstmals auch ein Gast vom Colegio „Fe y Alegria“ dabei: Antonio Cerna Reyes, Lehrer und Mentor an der Schule in Tübingens peruanischer Partnerstadt Villa El Salvador.

14.09.2010
  • Ute Kaiser

Tübingen. Antonio Cerna Reyes ist schon ein wenig herumgekommen im Städtle (und darüber hinaus). Ihn beeindrucken die „historischen Gebäude“. Auch der Neckar „als Quelle der Inspiration für Dichter“ gefällt ihm. Ebenso interessiert sich der „Umweltaktivist“, wie er sich nennt, für ökologische Ideen. Tübingen ist für ihn auch eine „Stadt der Brüderlichkeit“ – nicht zuletzt wegen der Gastfamilien Haardt und Wais.

Ihnen fühlte sich der Pädagoge schnell verbunden. Zwei Familienmitglieder, Christian Haardt und Daniel Wais, kennt er seit ihrem Sozialen Jahr in der Partnerstadt. Der 50-Jährige war ihr Mentor an der Schule „Fe y Alegria“: „Ich bin sicher, wir bleiben Freunde fürs Leben!“

Peruanischer Lehrer will Beziehung zu Tübingen vertiefen
Jeden Montag gibt es in der Schule „Fe y Alegria“ („Glaube und Freude“) in Tübingens peruanischer Partnerstadt Villa El Salvador eine „Formación“ – oft unter einem Motto. Alle Schüler/innen und Lehrer/innen versammeln sich und singen die Nationalhymne sowie die Hymne der Schule. Danach gibt es Ansprachen, manchmal auch Tänze oder Theater. Und die Namen aller Kinder und Jugendlichen, die in der Woche Geburtstag haben, werden vorgelesen. Archivbild: Wais

Bis zum 22. September werden noch einige Tübinger/innen den Gast aus der Partnerstadt kennenlernen. Nach Besuchen im Uhland-Gymnasium (UG), mit dem seine Schule schon lange verbandelt ist, wird er auch am Empfang zum Umbrisch-Provenzalischen Markt teilnehmen. Und mit Tübingens Erstem Bürgermeister Michael Lucke sprechen, der bereits Villa El Salvador besucht hat. Größten Eindruck haben bei dem ersten Repräsentanten von „Fe y Alegria“, der je nach Tübingen kam, die Fotografien seiner Schule im UG hinterlassen – besonders „wie präsent wir dort sind“. Der Lehrer hofft, dass die Verbindung durch einen Besuch von UG-Kollegen im kommenden Jahr noch vertieft wird. Auch über den Austausch unter Schülern in Videokonferenzen wird er mit ihnen noch sprechen.

„Fe y Alegria“ ist eine riesige Schule. Auf ihrem einen Hektar großen Areal werden rund 1860 Mädchen und Jungen unterrichtet – vom Kindergarten mit zwei Gruppen à 30 Kindern über die Grundschule bis zur Sekundarstufe. Es gibt 44 Klassen mit bis zu 42 Schüler(inne)n, die in zwei Schichten unterrichtet werden. Cerna Reyes klagt nicht über sein Gehalt von umgerechnet 250 Euro im Monat. „Viele Lehrer arbeiten noch an Privatschulen oder als Motorradtaxifahrer.“ Auch er muss hinzuverdienen, weil er seinen drei Töchtern im Alter von elf bis 24 Jahren eine gute Ausbildung und damit Perspektiven eröffnen möchte.

Die „Bildung fürs Leben“ ist eine der pädagogischen Grundlagen von „Fe y Alegria“, einer vom Staat finanzierten Schule mit eigenem Lehrplan und christlichem Hintergrund. Anders als in hiesigen Schulen gibt es dort verschiedene Werkstätten von Metall-, über Holz- und Elektro- bis zu Textil- und Computertechnik. Für sie ist Cerna Reyes verantwortlich. „In Villa El Salvador muss man Unternehmergeist entwickeln“, sagt der Lehrer zur Begründung. In der Schule können die Jugendlichen auch lernen, Firmen zu führen.

Peruanischer Lehrer will Beziehung zu Tübingen vertiefen
Antonio Cerna Reyes, Lehrer an der Schule „Fe y Alegria“. Bild: Metz

Auf dem Areal werden Hühner, Enten und Meerschweinchen – eine traditionelle Speise in den Anden, wo Cerna Reyes herkommt – gehalten. Nur die Pflanzen im Biogarten wollen noch nicht so wachsen, wie sie sollen. In der Schule bekommen die Kinder für umgerechnet 13 Cent ein Mittagessen. Das deckt nicht die Kosten. Den Rest finanzieren der Orden der Schwestern, der die Schule trägt, und Spenden (siehe Info). 500 gesunde Mahlzeiten gehen täglich über die Mensa-Tresen. Der Koch wird vom Elternbeitrag (65 Euro im Jahr) bezahlt. Ebenso wie die Bibliothekarin oder der Hausmeister.

Haardt und Wais haben bereits Nachfolger: Rebecca Lohmann und Vincent Wolf aus Tübingen. Der Lehrer begrüßt das Engagement der Freiwilligen sehr. „Durch sie eröffnen sich neue Sichtweisen, und die Einstellungen von Schülern und Lehrern ändern sich.“ Wais und Haardt haben mit einer Deutsch-AG und ihrem Filmprojekt (siehe Kasten) „Akzente gesetzt“, lobt ihr Mentor. Er begrüßt es, wenn sich sein Heimatland „der Welt öffnet“. Vom Austausch profitieren seiner Ansicht nach aber nicht nur die Gastgeber. „Die Freiwilligen lernen viel von unserer Freude und Kultur kennen und schätzen“, sagt der Peruaner – und lacht herzlich. Auch darüber, dass er vor seinem Besuch in Tübingen „nie gedacht hätte, dass die Deutschen so freundlich sind“.

Info Spenden nimmt der Verein zur Förderung von Erziehung und Bildung an. Er unterstützt die Schule seit Jahren. Kontonummer 198 840, bei der Kreissparkasse Tübingen, Bankleitzahl 641 500 20, Stichwort: „Fe y Alegria“. Für die Spendenquittung bitte die komplette Adresse angeben.

Das Leben in der Partnerstadt in Wort und Filmbildern

Die ehemaligen Uhland-Gymnasiasten Christian Haardt und Daniel Wais waren nach dem Abi (wie berichtet) ein Jahr lang am Colegio „Fe y Alegria“, mit dem das Uhland-Gymnasium seit gut 18 Jahren verbandelt ist. Am heutigen Dienstag von 18.30 Uhr an werden sie in der Uhlandstraßen-Aula von ihren Erfahrungen in der peruanischen Partnerstadt berichten. Mit dabei ist auch der Lehrer Antonio Cerna Reyes, der den Freiwilligen als Mentor zur Seite stand. Von der Stadt und dem Leben der Menschen in Villa El Salvador erzählt auch der Film „Auf der

Suche – Spuren und Visionen“, den Wais und Haardt mit Schüler(inne)n gedreht haben. Er wird am Montag, 18. Oktober, um 20 Uhr bei den peruanischen Filmtagen im Tübinger Kino „Museum“ laufen.

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14.09.2010, 12:00 Uhr

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