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Pete füllte die Pausa
Heiner Kondschak als Pete Seeger mit Banjo im Lindenhof-Stück „We Shall Overcome“. Bild: Theater Lindenhof
Kulturherbst

Pete füllte die Pausa

Nach dem Erfolg von „We Shall Overcome“ wird die Mössinger Produktion des Lindenhof-Theaters im nächsten Jahr wiederaufgenommen.

14.10.2016
  • Susanne Wiedmann

Alle Vorstellungen ausverkauft. An jedem Abend 300 Zuschauer. Zu den geplanten elf Abenden zunächst zwei, dann drei Zusatztermine. Innerhalb eines Tages waren auch die Karten für die letzte Aufführung vergriffen. Das „inszenierte Konzert“ um den amerikanischen Liedermacher und politischen Aktivisten Pete Seeger unter der Regie und musikalischen Leitung von Heiner Kondschak war ein Riesenerfolg. Insgesamt mehr als 4000 Zuschauer kamen in die Bogenhalle der Mössinger Pausa. „Wir sind happy! Es ist total gut angekommen“, bilanziert Lindenhof-Intendant Stefan Hallmayer im TAGBLATT-Gespräch.

Mit dieser Neuproduktion „We Shall Overcome“ haben die Melchinger Theatermacher wieder ein Unikat im „großen Format“ nach Mössingen gebracht. Zwar nicht mit Laiendarstellern aus der Bürgerschaft – wie bei den „Schutzsuchenden“ und „Ein Dorf im Widerstand“ – aber mit immerhin 50 Akteuren, neben den Schauspielern noch der Tübinger Chor Semiseria.

Zudem passte nach Ansicht der Lindenhöfler Pete Seeger als „Ikone der Friedensbewegung“ gut zum 35.Geburtstag ihres Theaters in diesem Jahr. „Unsere Initiative war damals ja auch aus der Friedensbewegung heraus, einzutreten für eine bessere Welt und für mehr Mitbestimmungsrechte. Deshalb war Pete prädestiniert als Protagonist dieses Projekts“, erklärt der Intendant. Insofern reiht es sich in die vorherigen Stücke ein, die sich zu politischen und gesellschaftlichen Fragen positionierten, die Menschen bewegten und in Bewegung bringen sollten – auf Bühne und Tribüne gleichermaßen. „Aufklärung, Erinnerungsarbeit, kulturelle Bildung“ gehören stets zu den Ansprüchen der großen Pausa-Inszenierungen.

Und doch hat das Ensemble dieses Mal nicht die ganze Bogenhalle, stattdessen eine klassische Bühne bespielt. „Für die ganze Halle hätten wir noch mehr Personal gebraucht“, sagt Hallmayer. Sie wollen sich nicht festlegen, sondern flexibel bleiben, wie es die Kunst fordert, je nach Stoff und Stück den richtigen Hallenausschnitt und die Größe der Besetzung entwickeln. „So attraktiv die Halle auch ist, aber es ist improvisiert und es ist sehr kalt“, bedauert Hallmayer. Zuletzt hatten die Spieler damit zu kämpfen, gesund zu bleiben.

Trotzdem: Der ungewöhnliche Ort trägt zum Erfolg der Pausa-Produktionen bei. Dieses Mal machte auch das genreübergreifende Stück neugierig. „Das musikalisch-theatralische Experiment ist geglückt“, freut sich der Intendant. Hallmayer vermutet, dass vor allem Konzertgänger, gar nicht unbedingt Theatergänger in die Pausa drängten. Jedenfalls ist er erleichtert. Es war ein Risiko. „Wir planen langfristig und müssen die Verträge auch dann halten, wenn’s floppt.“

Nach der letzten Mössinger Aufführung tourt das Ensemble nun durch Baden-Württemberg: Stuttgart, Plochingen, Ravensburg, Friedrichshafen.

Zwar hat das Theater mehr Geld eingespielt als kalkuliert, zugleich aber auch mehr ausgegeben. Die Produktionen in der Pausa sind aufwändig. Das Geld fließt in den Gesamtetat, deshalb könne er nichts über den finanziellen Erfolg des Stücks sagen, betont Hallmayer. „Wenn wir eine Vollkosten-Rechnung machen würden, wäre das interessant. Ich weiß nicht, ob wir ins Plus kommen würden.“ Aber nicht zu vergessen: In dieser Produktion stecke auch das Preisgeld von 20000 Euro des BKM-Preises für kulturelle Bildung der Bundesregierung, mit dem das Generalstreik-Projekt „Ein Dorf im Widerstand“ ausgezeichnet wurde.

In Zusammenarbeit mit der Stadt Mössingen wird es im nächsten Jahr nicht nur einen Kulturherbst geben. Da ihre Melchinger Spielstätte wegen des anstehenden Umbaus ab Mai nicht mehr zu bespielen ist, ziehen die Lindenhöfler bereits zwischen Pfingst- und Sommerferien in die Mössinger Bogenhalle – und mit ihnen Pete Seeger. „Die Nachfrage für eine Wiederaufnahme ist da.“ Acht Vorstellungen sind geplant. Und dabei bleibt es nicht. Nach den Sommerferien erwartet die Zuschauer ein bunter Kulturherbst – außer „We Shall Overcome“ wird eine Werkschau aus den attraktivsten Repertoirestücken des Lindenhof-Theaters zu sehen sein. Aber auch interessante Gäste von auswärts sollen auftreten, verspricht Hallmayer.

Ursprünglich war für 2017 „Brassed off“ geplant, eine Produktion mit Pauken und Trompeten nach einer englischen Tragikomödie. Eine Kooperation mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Sie wird ins Jahr 2018 rücken.

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14.10.2016, 01:00 Uhr

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