Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Die Liebe verleugnen müssen

Peter Prange präsentiert seinen neuen Roman „Der Kinderpapst“ im Museum

Er ist der Tübinger Großmeister des historischen Romans. Nun hat sich Peter Prange einen obskuren Papst des 11. Jahrhunderts vorgenommen. Zur Tübinger Buchpremiere kamen etwa hundert Zuhörer in die Museumssäle.

20.09.2012
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen. Sein Pontifikat galt als eines der grausamsten der Kirchengeschichte, sagte der Tübinger Schriftsteller Peter Prange am Dienstagabend über seinen Protagonisten Papst Benedikt IX. Die Buchhandlung Osiander hatte ins Museum eingeladen. Doch es war nicht das Skandalinteresse, das die Neugier des Autors auf den umstrittenen Kirchenmann weckte.

Dass ein gewöhnlicher Mensch die Position des Stellvertreters Gottes einnimmt, „gehört zu den Ungeheuerlichkeiten des Glaubens“, ist Prange überzeugt. „Eine Kinderfigur eignet sich besonders gut, um diese unglaubliche Überforderung eines Menschen anschaulich zu machen.“ Benedikt IX. sei „deshalb zu einem bösen Menschen geworden, weil er an der übermenschlichen Aufgabe scheiterte, die ihm übertragen worden war“.

Laut Prange folgt der Roman drei Konstruktionslinien: Das psychologische Element analysiere, wie ein Mensch durch Überforderung böse werde. Die theologische Komponente entfalte das Glaubensprinzip der „Liebe als Erlösung“. Auf der historischen Ebene, es ist die Zeit des Investiturstreits, frage das Buch: „Wem gebührt die Macht, dem Papst oder dem Kaiser, der geistlichen oder der weltlichen Macht?“

Den Sog, den seine geschmeidige Sprache entwickelt, bricht Prange unter anderem mit der zeittypischen Derbheit des Mittelalters. „Außerdem ist er für ein geistliches Amt so wenig geeignet wie ein Igel zum Arschwisch“, lässt der Autor den Vater des künftigen Papstes donnern, als der gefragt wird, ob nicht sein ältester Sohn für das höchste Kirchenamt infrage komme. So wird es den Jüngsten treffen, den zwölfjährigen Teofilo. Eine deutlich aus heutiger Sicht dargestellte Teenie-Sex-Szene, die der Autor ausließ, „weil es noch vor 22 Uhr ist“, führt zum bittersten Lebensdilemma des Jungen. Für seine Familie unerwartet, sträubt er sich gegen die kirchlichen Weihen: „Es ist nur, weil ein Papst nicht heiraten kann.“

Er würde gerne behaupten, der Heilige Geist selbst habe ihm die Idee zum Buch eingegeben, scherzte Prange. Fast sei es auch so gewesen: Papst Benedikt XVI. habe den frühen Namensvetter in einem Interview erwähnt.

Der Roman lässt den Leser bewusst nicht umstandslos in die Vergangenheit eintauchen. In einer Rahmenhandlung setzt er seine Hauptfigur dem ziemlich befremdeten Blick der Gegenwart aus: Im Sommer 1981 wird der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechung ausgerechnet der Fall Benedikt IX. zur Prüfung vorgelegt. „Selbst der Verräter Judas Ischariot hat zum Erlösungswerk des Heilands beigetragen“, argumentiert einer der kirchlichen Würdenträger. „Ohne Judas kein Kreuz, ohne Kreuz keine Erfüllung des Heilsplans.“ Diesen Exkurs versteht Prange auch als „Verbeugung vor dem großen Tübinger Gelehrten Walter Jens und seiner wunderbaren Erzählung ,Der Fall Judas’ “.

Die Arbeit am „Kinderpapst“, der bereits in der zweiten Auflage vorliegt, bescherte dem Bestseller-Autor nach eigener Aussage „die Erleuchtung, warum ich eigentlich auf der Welt bin“. Häufig als „Epochenhopper“ bezeichnet, der sich mit jedem seiner Bücher in einen anderen kulturellen Raum, in ein anderes Zeitalter begebe, habe er mit dem „Kinderpapst“ seinen literarischen Rahmenplan gefunden: „1000 Jahre europäischer Kulturgeschichte in zehn historischen Romanen“ zu präsentieren. Drei habe er noch vor sich, sagte der 57-Jährige. Danach, meinte er, wäre er wohl 63 und könne „ruhig ins kühle Grab sinken“.

Info: Peter Prange, Der Kinderpapst, Pendo Verlag, 602 Seiten, 19,99 Euro.

Peter Prange präsentiert seinen neuen Roman „Der Kinderpapst“ im Museum
Mit einer Verbeugung vor Walter Jens: Peter Prange.Bild: Metz

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

20.09.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball