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Plan B heißt Horb

Peter Rosenberger verliert mit 45 zu 52 Prozent in Mannheim / Beteiligung kümmerlich

Peter Rosenberger hat die Mannheimer Oberbürgermeisterwahl verloren. Am Ende scheiterte der Horber beim zweiten Wahlgang mit einem Sieben-Prozent-Abstand zum SPD-Amtsinhaber Peter Kurz (52 Prozent). Dem Horber Oberbürgermeister bleibt damit ein respektabler Achtungserfolg. Knapp 45 Prozent hätte ihm vor wenigen Monaten niemand zugetraut. Nun steht die Rückkehr in den Schwarzwald an.

05.07.2015
  • Benjamin Breitmaier

Horb.Eigentlich war alles gleich: Wieder Mannheim, wieder Abendakademie – gegen 19 Uhr geht ein strahlender Peter Rosenberger mit seiner Frau Jeanette auf dem Pflaster der Mannheimer Abendakademie entlang. Hier Händeschütteln, da Applaus. Doch an diesem Abend klatscht Nikolas Löbel – der Mannheimer CDU-Kreischef – die Menge etwas weniger enthusiastisch an. Am 14. Juni, dem Tag des ersten Wahlgangs, war Rosenberger noch der große Gewinner. Am gestrigen Sonntag war er das nicht mehr. Für seinen Kontrahenten, Amtsinhaber Peter Kurz, ist diese Nachricht eine große Erleichterung: Es hat wieder geklappt. So spannend hatte es sich der SPD Mann aber nicht vorgestellt.

Das Gesicht Peter Rosenbergers zeigt keine Enttäuschung. Menschen gratulieren ihm zu einem intensiven Wahlkampf. „Ich bin wirklich stolz auf mich und auf die CDU Mannheim“, sagt Rosenberger auf der Bühne des Wahlforums. Mit seinen 45 Prozent werde er „erhobenen Hauptes“ nach Horb zurückkehren. Auf die Frage von Moderator Bert Siegelmann, wie sein Plan B aussieht, hatte Rosenberger eine klare Antwort: „Der Plan B heißt Horb!“ 2017 werde er wieder als Oberbürgermeister kandidieren. „Ich hoffe bloß, dass dann nicht jemand wie ich hier in Mannheim kommt als Gegenkandidat.“ Rosenberger lacht.

Auch Landes-Wirtschaftsminister Nils Schmid bezeichnete Rosenberger als „respektablen Gegenkandidaten“. Der Sozialdemokrat war gekommen, um Peter Kurz zu gratulieren. „Es war wichtig, dass ich es gemacht habe“, sagte Rosenberger im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. Er ergänzt: „Ich denke nicht, dass mir das in Horb jemand übel nehmen wird.“

Stunden zuvor: Über Mannheim hängt eine Glocke aus diesiger Hitze. Drei Wochen ist es her, seitdem Peter Rosenberger den amtierenden Oberbürgermeister Peter Kurz zum Zittern brachte. Doch Aufregung aufgrund des Duells um die Rathausspitze findet sich auch im zweiten Wahlgang unter den Bürgern der 300 000-Einwohner-Stadt vergebens. Anders die Situation bei den Akteuren: In den vergangenen drei Wochen ist das Lager um Amtsinhaber Peter Kurz aufgewacht, mit ihm seine politischen Verbündeten von Linken und Grünen. Die beiden kleinen Parteien waren ohne eigenen Kandidaten gestartet. Von aktiver Unterstützung konnte aber bisher nicht wirklich die Rede sein. Dann kamen Peter Rosenberger und seine 33 Prozent. In den Straßen hängen an diesem 38-Grad-Sonntag Hunderte grüne und dunkelrote Plakate, die zur Wahl von Kurz aufrufen.

Der Wahlkampf wurde nach dem 14. Juni härter – direkter. Rosenberger griff Kurz mit Themen an, die bisher tabu waren. Er thematisierte den Hygieneskandal im Mannheimer Klinikum. Kurz ist Aufsichtsratvorsitzender, aber auch hochrangige CDUler besetzen Plätze des Gremiums. Nicht allen in der Mannheimer CDU schmeckt das. Verhalten distanzierte sich sogar CDU-Kreisvorsitzender und Rosenberger-Unterstützer Nikolas Löbel: „Ich bin nicht für jeden Wahlkampfspruch Peter Rosenbergers verantwortlich“, äußerte er sich in einem Artikel der Rhein-Neckar-Zeitung. Der Horber OB spielt auf Sieg. Um die Wähler des ausgeschiedenen Christoph Probst von der Mannheimer Liste auf seine Seite zu ziehen, wirbt er mit dessen Thema: einem zweiten Bürgerentscheid zum Thema Bundesgartenschau. Eigentlich läge die Entscheidungsgewalt über einen solchen beim Gemeinderat – aber es ist Wahlkampf.

Derweil ziehen die Unterstützer von Kurz beim Häuserwahlkampf nach. Rosenberger hatte diesen in den vergangenen Wochen als wichtigen Teil seiner Wahlkampfstrategie praktiziert. Vor allem in klassischen Sozialdemokraten-Bezirken war die Wahlbeteiligung verheerend gering. Das will das Wahlkampfteam Kurz‘ noch am Sonntagmittag ändern. Mit „Wählen gehen“-Plakaten ziehen sie durch die Straßen des Stadtteils Jungbusch. In drei Wochen kamen 7500 Kontakte zustande. Ihre Anstrengung brachte nicht das gewünschte Ergebnis: Die Wahlbeteiligung fiel auf kümmerliche 28,7 Prozent. Beim ersten Wahlgang lag sie knapp über 30 Prozent.

In Rosenbergers früherer Heimat ist die Lage am Sonntagmittag entspannt. Die Straßen um die Rheinau-Schule scheinen entvölkert. Nur vereinzelt tröpfeln Menschen aus dem Wahllokal in den Schatten der riesigen Ahornbäume. Hier im Herzen des Stadtteils startete Peter Rosenberger seine politische Karriere. Die Wahl für ein älteres Pärchen – 73 und 78 – stand schon lange fest. „Rosenberger ist mir einfach sympathisch“, sagt die ältere Dame. Bekannt ist er hier nicht nur als Leiter des Bürgerdienstes, sondern auch durch seine Auftritte beim Karneval. Für Rosenberger spreche für die beiden auch seine Haltung zur Bundesgartenschau. „Rosenberger ist Schwabe, der weiß, wie man spart“, sagen sie. Beide lächeln.

100 Meter weiter steht Jakob Schanz in der prallen Sonne. Der ältere Deutsch-Russe trägt ein weißes T-Shirt und einen schweißgetränkten Sonnenhut. Er war unter den knapp 33 Prozent, die Rosenberger in seinem Heimatstadtteil holen konnte. Auch am heutigen Sonntag hat er den Horber gewählt. Seine Entscheidung macht er vor allem an der Person fest. Schanz hat ihn bei einem Auftritt in der Nähe kennengelernt. „Er ist ein Mann der Leute“, sagt er. Am Ende des Tages sollten es in Rosenbergers Heimatbezirk sogar 55 Prozent für den Horber werden – 12 Prozent mehr als für Kurz.

Die Kamerawagen in der Abendakademie Mannheim sind weg. Die Wahl ist zu Ende. Zeit für Feste. Peter Kurz feiert seinen Sieg auf dem Museumsschiff. Peter Rosenberger geht mit seiner Entourage in das Restaurant Andechser. Anlass zum Feiern haben heute Abend beide.

Siehe auch das „Außerdem“

Peter Rosenberger verliert mit 45 zu 52 Prozent in Mannheim / Beteiligung kümmerlich
Da war er noch guten Mutes: Peter Rosenberger und seine Frau Janet gestern Abend auf dem Weg zur Verkündung des Wahlergebnisses.Bild: bbm

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05.07.2015, 12:00 Uhr

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