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Ein Sulzer Maler in Damaskus

Petra Versteegh-Kühner: Carl Wuttke hat Bauernfeind kopiert

Gustav Bauernfeinds Gemälde und Aquarelle aus heutiger Sicht: Mit einem kunsthistorischen Vortrag wurde an den berühmten Sohn der Stadt gedacht. Die Bauernfeind-Expertin Petra Versteegh-Kühner zog mit Illustrationen und Zeitdokumenten über 80 Besucher in den Bann.

01.12.2014
  • petra haubold

Sulz. Der Todestag des in Sulz geborenen Orientmalers Gustav Bauernfeind jährt sich am 24. Dezember zum 110. Mal. Grund genug also für Peter Vosseler den Kunstinteressierten und Freunden Gustav Bauernfeinds das Wirken des berühmten Malers ins Gedächtnis rufen. Dass der Bürgersaal am Freitagabend dann schier aus allen Nähten platzte, überraschte den Leiter des Bauernfeind-Museums dann doch. Immer wieder mussten Stühle in den Saal getragen werden.

Die Einordnung der Werke Bauernfeinds in die heutige Kunstszene und die aktuelle Lage in Damaskus, eine der vielen Wirkungsstätten des Orientmalers, hatte sich Petra Versteegh-Kühner zum Thema genommen. Kurzweilig schilderte zunächst der Initiator Vosseler das Wesen des Sulzer Malers: Zu Lebzeiten sei er ein beliebter Orientmaler gewesen, nach seinem Tod war er jedoch schnell vergessen. „Er kränkelte oft, hatte Phasen mit viel Schaffenskraft und Phasen, in denen ihm wenig gelang“. Viele Schicksalsschläge hatte auch seine Familie zu verkraften, saß doch der Vater Johann Baptiste wegen Hochverrats im Gefängnis Hohenasperg. Zudem seien einige seiner Geschwister schon in jungen Jahren gestorben. „Heute kann man aber sagen, Bauernfeind ist in der Kunstwelt angekommen“, wusste der Museumsleiter.

Rund sechshundert Besucher habe er freilich in diesem Jahr im Bauernfeind-Museum schon verzeichnen können. „Noch nie gab es so viele Führungen“, freute sich Vosseler. Er wünsche sich indes einen Nachfolger, „der sich in das Museumsgeschehen einarbeiten lässt“. Denn der weitere Ausbau der Einrichtung sei ihm ein großes Anliegen. Auch barrierefreie Räume stehen ganz oben auf seiner Wunschliste. Doch dafür sei kein Geld bei den Haushaltplanungen vorgesehen, bedauerte Vosseler.

Gustav Bauernfeind habe seiner Zeit einen gewissen Stempel aufgedrückt, schilderte Bürgermeister Gerd Hieber in seinen Grußworten. Hieber zog mit der Vortragsveranstaltung Parallelen zum traditionellen Weihnachtsmarkt „Sulz erstrahlt“, der auch „als Fest zu Ehren des verstorbenen Sohnes der Stadt“ gelte.

Den Schwerpunkt ihrer Ausführungen legte Petra Versteegh-Kühner auf die prachtvollen Gemälde, die Gustav Bauernfeind in Damaskus angefertigt hatte. Anhand von Leinwandbildern machte die Kunstexpertin deutlich, dass Bauernfeinds Werke heute beachtliche Preise auf dem internationalen Kunstmarkt erzielen. Sein Gemälde „Im Hafen von Jaffa“ brach im Jahr 1997 mit einem Ergebnis von 1,5 Millionen Mark nicht nur den Rekord für ein Gemälde des 19. Jahrhunderts in Deutschland, sondern überhaupt für Werke Bauernfeinds weltweit. Heute sei das Gemälde der Öffentlichkeit im Dahesh Museum in New York zugänglich.

Als Reisender und Künstler dokumentierte der Maler seinen Alltag in den Jahren 1888/89 in Damaskus. Seine Tagebuchaufzeichnungen interpretierte die Referentin anschaulich: „Die Leute blieben stehen, so dass ein Lasttier gegen mich und meine Zeichnungen stieß“, schrieb der Maler, als er die „Omaijaden-Moschee in der syrischen Hauptstadt gemalt hatte. In seinen Werken könne man eine großartige architektonische Ausrichtung und faszinierende Lichtverhältnisse finden. Als Beispiel nannte Versteegh-Kühner die „Straßenszene in Damaskus“. Heute gelte Damaskus als Hochburg der Truppen Assads und die IS zerstöre systematisch Kulturschätze in Syrien, sagte die Referentin.

Dass Bilder Bauernfeinds nach seinem Tod von seinem Kollegen und Freund Carl Wuttke kopiert wurden, sorgte für Staunen bei den Besuchern. Echte Bilder und Duplikate verglich die Referentin schließlich: „Ich habe bei einigen Bildern, das Gefühl, dass Carl Wuttke seinen Freund ein bisschen beliehen hat“. Einige Fragen hatten die Gäste am Ende des gut einstündigen Vortrags, bevor man mit der Expertin ins Gespräch kam.

Petra Versteegh-Kühner: Carl Wuttke hat Bauernfeind kopiert
Die Kunst des Sulzer Malers Bauernfeind hatte Einzug gehalten im aus allen Nähten platzenden Bürgersaal. Referentin Petra Versteegh-Kühner wurde von Museumsleiter Peter Vosseler (links) und Bürgermeister Gerd Hieber begrüßt. Bild: pez

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01.12.2014, 12:00 Uhr

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