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Staatsschauspiel

Petras' "Buch" zerfleddert in Stuttgart

"Tschewengur" und "Der Idiot" dauern je fünf Stunden, Armin Petras' "Buch" kommt auf über vier. Das Schauspiel Stuttgart mag derzeit Marathon-Stücke.

10.11.2015
  • OTTO PAUL BURKHARDT

Stuttgart Wer bin ich - und wenn ja, wie viele? Diese Frage des TV-Philosophen Richard David Precht dürfte sich Armin Petras auch schon gestellt haben, der Intendant des Stuttgarter Staatsschauspiels. Als Fritz Kater (geboren 1966) schreibt er Stücke, als Armin Petras (geboren 1964) inszeniert er und ist Chef des größten Theaters im Land. Fragt man Petras, was er von seinem zweiten Ich Kater hält, antwortet er: "Es ist eine Hassliebe."

Jetzt hat Fritz Kater ein Stück namens "Buch" verfasst, das "fünf Lebenszutaten" umschreibt ("5 ingredientes de la vida") - Utopie, Phantasie, Liebe/Tod, Instinkt und Sorge. Kurz gesagt, es geht ums Leben der Menschheit, aber auch um die deutsch-deutsche Biografie von Armin Petras, der im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern vom Westen in den Osten Deutschlands zog, den er 1988 wieder verließ.

Dieses fünfteilige "Buch" spielt zwischen Tansania, Genf, Arizona, DDR-Provinz und der Berliner S-Bahnhaltestelle Ostkreuz - zwischen 1966 und 2013. Es erzählt das Leben eines Wissenschaftlers, dessen Ideale vom neuen Menschen kläglich scheitern und der als Alkoholiker in einer Klinik strandet. Zudem jongliert Autor Kater mit verschiedenen Tonfällen, und Regisseur Petras brennt bei der Premiere im Nord ein Feuerwerk ab - Videos, Impro-Theater, Live-Musik, Jugend-, Ehedrama. Beckett, Brecht, Wedekind, Koltès und Borges schimmern durch. Deep Purple, Sex Pistols und Neil Young klingen an. Und das gemischte Ensemble (Uraufführung war an den Münchner Kammerspielen) gibt alles, um den Katerschen Textflächen, Dialogen und Freiräumen Leben einzuhauchen. Heraus ragen Ursula Werner als verdorrender Wissenschaftler und Thomas Schmauser als bizarrer Zukunfts-Enthusiast. Die große Welterklärung - gegen Utopien, für Phantasie - zerfleddert als vage Episodenrevue im Illustrierungsfuror. Stück und Regie wollen viel - zu viel.

Info Nächste Vorstellung: 29. November. http://www.schauspiel-stuttgart.de

Petras' "Buch" zerfleddert in Stuttgart
Anja Schneider, Max Simonischek, Edmund Telgenkämper und Svenja Liesau in "Buch". Foto: JU Ostkreuz

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10.11.2015, 12:00 Uhr

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