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Petrijünger auf Abwegen
Foto: © Andrey Burmakin - Fotolia.com
Fischerei

Petrijünger auf Abwegen

26.11.2015
  • ANDREAS SPENGLER

Blubb, blubb, blubb, weg war n sie. In der Welt der Fischerei hat sich eine Entwicklung vollzogen, die erschütternd ist: Regionale Schutzräume sind verschwunden, liebgewonnene Biotope der deutschen Vereinsmeierei wurden zerstört. Es ist ein Jammer!

Im Prinzip dreht sich der Jammer um Fische. Weil die Tiere nicht viel verstehen von Kreis-, Landes- und Bundesgrenzen, hat die Europäische Union schon vor langer Zeit die Fischereipolitik an sich gerissen. Doch ungeachtet dessen konnten sich - im Schatten des Innovationsleuchtturms "Baden-Württemberg" - urige Relikte der Verbandsgeschichte halten. Und denen geht es jetzt an den Kragen.

Etwas Mitgefühl wäre da angebracht, zumal, wenn man sich vor Augen führt, welch edle Betätigung das Fischen ist: Unaufdringlich platziert der Petrijünger den Haken in einem Gewässer, in dem zumindest hypothetisch die Existenz eines schwimmenden Wirbeltiers vermutet wird. Dann beginnen die Stunden des Ausharrens.

Achtung gebührt den Helden der Dorfteiche und Bachläufe für ihr Sitzfleisch, die Geduld und das Verständnis dafür, dass wichtige Tätigkeiten viel Zeit brauchen. Demnach könnte es wohl keinen geeigneteren Typus Mensch geben als einen Angler für ein Vereinsamt.

Knapp 60 000 Mitglieder im Landesfischereiverband Baden-Württemberg (LFVBW) sind der beste Beleg dafür. Bisher herrschte Ordnung im Land. Jede Region hatte ihren Verband: Baden, Südwürttemberg-Hohenzollern und die Interessenvertretung für "Fischerei und Gewässerschutz in Baden-Württemberg". Über allen stand die Dachorganisation LFVBW mit ebenfalls 800 verschiedenen Fischereivereinen als Mitglieder.

Kritiker dieser Ordnung behaupteten unlängst: "Bisher hat jeder Verband die Arbeit auf seine Art geleistet. Vieles wurde doppelt und dreifach gemacht. Jeder hat nur auf sich selbst geschaut", so schreibt der Landesfischereiverband Baden. Und jetzt?

Gestern Abend feierten die Verbändle im Ländle die große Verschmelzung unter einem Dachverband. Jetzt stecken alle unter einem Eimer. Einheit, Freiheit, Petri heil! Alle Schranken sind hemmungslos gefallen, nach nur hundert Jahren. Ein Jammer!

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26.11.2015, 08:30 Uhr

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