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Staatsanwaltschaft ermittelt

Pferdesterben beschäftigt Polens Politik

Polens Regierung besetzt wichtige Posten mit linientreuen PiS-Anhängern. So auch in zwei Gestüten. Dort sterben neuerdings teure Pferde.

11.04.2016
  • JENS MATTERN

Berichte über Pferdeställe gehören in Polens Medien zurzeit in das Ressort "Politik". Denn das Sterben teurer Araber-Pferde in dem Gestüt Janow Podlaski, das in der internationalen Jet-Set-Welt bekannt ist, sorgt für einen Skandal. Zwei der drei kürzlich verendeten Vierbeiner gehörten Shirley Watts, Gattin des Rolling-Stones-Schlagzeugers Charlie Watts. In den Pferden fanden sich Reste eines Antibiotikums, das in der Hühnerzucht eingesetzt wird. Die polnische Staatsanwaltschaft kündigte umfassende Untersuchungen an.

Erst im Februar hatte die seit November amtierende Regierung der Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) in den beiden staatlichen Gestüten Janow Podlaski und Michalow die - erfahrenen - Direktoren entlassen. Polens Regierung betreibt einen Kurs, wichtige Posten im Staat mit parteitreuen Personen zu besetzen. So auch in den beiden Gestüten. Vor allem bei Janow Podlawski geht es um das Prestige - im Inland wie Ausland. Das knapp 200 Jahre alte Gestüt an der Grenze zu Weißrussland hat den Rang eines Nationalheiligtums. Aber auch die internationale High Society kennt Janow Podlawski, wo Pferde zu Millionenbeträgen in arabische Länder oder die USA verkauft werden. Ein Scheich aus Katar hat bereits angefragt, ob er das Gestüt kaufen kann, um eine bessere Obhut der Tiere zu garantieren. Regierungsnahe Journalisten sehen allerdings dahinter auch eine Verschwörung reicher Araber und Vertreter des Show-Business, die den Polen das Gestüt entreißen und privatisieren wollen.

Der von der PiS eingesetzte Direktor Marek Skomorowski nahm nun auf öffentlichen Druck hin seinen Hut. Der Ökonom gab selbst zu, von Pferden nichts zu verstehen. Der ehemalige Regierungschef Donald Tusk, heute EU-Ratspräsident, erklärte, er werde von vielen Staatschefs wegen der Verhältnisse in den Gestüten gefragt.

Landwirtschaftsminister Krzysztof Jurgiel vermutet Sabotage und bat Justizminister Zbigniew Ziobro, der gleichzeitig das Amt des Generalstaatsanwalts bekleidet, um persönliche Intervention. Politiker und Prominente fordern nun, dass der Tierarzt Marek Trela, der 16 Jahre lang das Gestüt leitete, zurückkehrt. Shirley Watts will ihre verbliebenen zwei Stuten demnächst abholen.

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11.04.2016, 06:00 Uhr

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