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Pflegeplätze in Gefahr Gutachten warnt vor massiver Unterversorgung
Betreuung im Altenheim. Werden Zwei- und Dreibettzimmer verboten, fehlen laut einer Studie ab 2019 Heimplätze. Foto: dpa

Pflegeplätze in Gefahr Gutachten warnt vor massiver Unterversorgung

Mit Blick auf die 2019 wirksame Einzelzimmervorgabe müssen viele Pflegeheime im Südwesten umgebaut werden. Als Ergebnis droht nach einer noch unveröffentlichten Studie eine massive Unterversorgung.

08.04.2016
  • ROLAND MUSCHEL

Stuttgart. Die Vorgabe der Landesheimbauverordnung, ab 2019 für jeden Bewohner eines Pflegeheims ein Einzelzimmer zur Verfügung zu stellen, könnte fatale Folgen haben: Die notwendigen Umbauten zahlreicher Heime, die noch viele Doppelzimmer vorhalten, führe allein bis 2019 zu einem Wegfall von bis zu 17 700 Heimplätzen. Das befürchten die Autoren einer noch unveröffentlichten Studie des Institute for Health Care Business des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Auftraggeber ist der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste.

Damit wäre kurzfristig etwa jeder sechste Heimplatz im Land gefährdet. Bei einer angenommenen Fortführung der derzeitigen jährlichen Wachstumsraten für die Schaffung neuer Plätze könnten - den demografischen Wandel mitberechnet - schon 2019 rund 16 400 Pflegebedürftige nicht mehr adäquat versorgt werden. Laut der Studie, die der SÜDWEST PRESSE vorliegt, droht die Unterversorgung bis 2030 noch größere Ausmaße anzunehmen. Dann könnten 23 000 Pflegebedürftige bei der Suche nach einem Heimplatz leer ausgehen.

Wie begründet die Sorgen sind, scheinen auch exemplarische Berechnungen in einzelnen Regionen zu belegen. So würden im Rhein-Neckar-Kreis von 2877 Plätzen (Stand: April 2015) bei vollständiger Umsetzung der Landesheimbauverordnung immerhin 897 wegfallen - das entspräche 31 Prozent der Pflegeheimplätze im Kreis. Die Schaffung neuer Angebote gegengerechnet, würden nach der Vorausrechnung 2019 im größten baden-württembergischen Landkreis noch 782 Plätze fehlen. Laut einer Abfrage im mittleren Kinzigtal droht dort eine Reduktion der 443 Plätze - ebenfalls Stand 2015 - um rund 40 Prozent.

In den Modellen fehlen indes die Befreiungs- und Ausnahmemöglichkeiten von der Einzelzimmervorgabe. Die Entscheidung über eine Ausnahme von der Regel muss in jedem Einzelfall die Heimaufsicht treffen. Prognosen darüber, wie oft eine Befreiung erteilt werde könnte, seien nicht belastbar, heißt es dazu in der Untersuchung.

Die will der Auftraggeber, der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), der in Baden-Württemberg mehr als 1000 ambulante Pflegedienste und stationäre Einrichtungen vertritt, nun rasch den Verhandlungsdelegationen von Grünen und CDU zukommen lassen. "In den Koalitionsverhandlungen muss die zukünftige Landesregierung dringend den Kurs in der Pflegepolitik korrigieren, damit nicht schon in wenigen Jahren tausende Pflegeplätze fehlen", sagte bpa-Landeschef Rainer Wiesner dieser Zeitung.

Das Gutachten schlägt mit Blick auf die Einzelzimmervorgabe statt der bis 2019 geltenden Übergangsfrist einen Bestandsschutz für alle bestehenden Heime vor. Ob sich Grüne und CDU darauf einlassen, wird eine spannende Frage werden: Zu entsprechenden Änderungen waren die Grünen mit Verweis auf die Ausnahmemöglichkeiten schon in den letzten fünf Jahren nicht bereit - und erfunden hatte die 2009 beschlossene Verordnung die CDU.

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08.04.2016, 06:00 Uhr

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