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Transparenz mit Tücken

Pharmahersteller veröffentlichen ihre Zuwendungen an Ärzte

Die großen Hersteller von Arzneimitteln wollen ab 2016 ihre Zuwendungen an Ärzte veröffentlichen, ob Honorare für Vorträge oder Einladungen zu Veranstaltungen. Doch die neue Offenheit hat einige Pferdefüße.

10.11.2015
  • DIETER KELLER

Berlin Ob Fortbildung in Luxushotels oder Honorare für dubiose Vorträge - über zwielichtige Bemühungen von Arzneimittelherstellern, Ärzte beim Verschreiben von Medikamenten zu beeinflussen, gibt es viele Berichte. Doch das alles gehöre der Vergangenheit an, beteuert die Hauptgeschäftsführerin des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Birgit Fischer. Heutzutage dürften seine Mitglieder den Ärzten nicht einmal mehr einen Kugelschreiber oder einen Werbeblock schenken. Diese Selbstverpflichtung gilt für alle großen Hersteller, die Mitglied im VFA sind.

Im kommenden Jahr startet eine weitere Stufe der Transparenz-Initiative: Bis Mitte 2016 legen die 47 VFA-Mitglieder sowie 11 weitere Firmen detailliert offen, welche finanziellen Zuwendungen sie 2015 den einzelnen Ärzten zukommen ließen, ob Honorare für wissenschaftliche Vorträge oder Kosten für medizinische Kongresse. Das soll den Kulturwandel offensichtlich machen: Mit dem Verdacht unlauterer Beeinflussung bis zur Korruption soll Schluss sein, hofft Fischer.

Die neue Offenheit hat allerdings einige Pferdefüße. Als erstes greift der Datenschutz: Die Ärzte, ob niedergelassen oder an Kliniken beschäftigt, müssen der namentlichen Veröffentlichung zustimmen. Hier müsse einige Überzeugungsarbeit geleistet werden, gibt Fischer zu: In Deutschland gilt es als Tabu, übers Einkommen zu reden. Es müsse gelingen, Fortbildung zum Qualitätszeichen zu machen: "Mein Arzt engagiert sich." Die Bundesärztekammer befürwortet die namentlich Veröffentlichung; sie würde dies am liebsten ohne Zustimmung des einzelnen Arztes ermöglichen.

Zum zweiten gibt es keine zentrale Datenbank, in der alle Zuwendungen an einen Arzt zusammengetragen werden. Wer sich einen Überblick verschaffen will, muss im Internet die Listen aller 58 beteiligten Unternehmen durchsuchen. Schließlich werden bei den Anwendungsuntersuchungen keine Daten über einzelne Mediziner veröffentlicht. Dabei berichten Ärzte dem Hersteller gegen Honorar über ihre praktischen Erfahrungen mit Medikamenten. Ob das immer wissenschaftlichen Regeln entspricht oder eine verbotene Vergütung für das Verschreiben eines bestimmten Arzneimittels darstellt, ist umstritten. Doch es wird zu den Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen gezählt, die nicht detailliert veröffentlicht werden müssen.

Bereits vor einem Jahrzehnt hatte der VFA die Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) gegründet und einen umfangreichen Kodex mit Selbstverpflichtungen für die Zusammenarbeit der Pharmafirmen mit Ärzten und Apothekern erarbeitet. Auf der Internetseite http://www.fsa-pharma.de lässt sich detailliert nachlesen, welche Zuwendungen Pharmahersteller an Patientenorganisationen zahlen. Zudem kann die FSA bei Verstößen gegen den Kodex Geldstrafen von bis zu 200 000 EUR verhängen.

Auf die FSA-Mitglieder entfallen etwa drei Viertel des Umsatzes mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Die kleineren Hersteller sind im Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie organisiert. Er hat freiwillige Verhaltensregeln, die nicht über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen.

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10.11.2015, 12:00 Uhr

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