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Unaufgeregte Klasse

Philharmonie und Dénes Várjon begeistern

Reutlingen. Ein Eröffnungsstück muss verschiedene Kriterien erfüllen. Es darf nicht konkurrieren, es darf nichts vorwegnehmen und muss trotzdem neugierig machen, es sollte möglichst eine bekannte Melodie enthalten, und wenn man es beschreiben wollte, müssten mindestens drei gegensätzliche Adjektive vorkommen: Der Beginn tragend, die aufwühlenden Unisono-Passagen erhaben und das Andante lamentierend. – Die Zwischenaktmusik aus Schuberts Rosamunde scheint geradezu prädestiniert!

21.06.2012

Und ist trotzdem nicht ganz ungefährlich: Wenn Entreactes zusammengestellt werden, weiß das sonst so disziplinierte WPR-Publikum nicht, ob es dazwischen klatschen darf, oder nicht. Hätte es nämlich nicht gedurft – und trotzdem gelingt die Eröffnung des letzten Sinfoniekonzerts der Württembergischen Philharmonie.

Er hat es seiner Frau gewidmet und ist über den letzten Takten verstorben: Solche Werke wie Béla Bartóks drittes Klavierkonzert müssen sich nicht darum bemühen, die erhalten auch so einen Sonderstatus, eine Aura des Entrückten. Es ist ein aufregendes Werk, gerade weil es für Bartók so ungewöhnlich versöhnlich, ausgeglichen und zurückhaltend komponiert ist, und es ist eine aufregende Interpretation, gerade weil Dénes Várjon es so unaufgeregt angeht. Alles wirkt ausbalanciert, das Kräftige neben dem Verklärenden, das Bildhafte neben dem Burlesken, und vor allem das Virtuose neben dem Minimalistischen.

Várjon hält nicht krampfhaft dagegen, wenn ihn das Orchester zu schlucken droht (was es im Allegro tat) und zaubert in Momenten, wenn minimalistische Motive isoliert erklingen: Hölzern, fast gefühllos schlägt er Tasten an, als markierte er eine scharfe Kontur, die dann von den folgenden Tönen geschliffen wird. In diesen Motiven scheint die Quintessenz des Werks zu liegen. Das verlangt nach Zugabe: „Bartók, Ein Abend auf dem Lande.

Antonín Dvoráks siebte Sinfonie, ein Werk, aus dessen musikalischem Material der Komponist gut und gerne drei Sinfonien hätte machen können, beginnt mit einer schwermütigen Melodie und einem gespenstigen Nachsatz, dem alles folgen könnte, der dann aber doch in das nahe liegendste überleitet: Pathos, dann Verklärung, dann Befreiung. Es gibt Momente, in denen Rudner die Grenze streift, hinter der es zu rührselig wird. Dann gibt es aber auch so tiefsinnige und filigrane Momente, dass man gezwungen ist, die stereotype Metapher der Palette zu bemühen, auf der Farben ineinander verschwimmen, und am Ende wundersamerweise trotzdem kein dreckiges braun entsteht.mosi

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21.06.2012, 12:00 Uhr

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