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"Für Sven, von Hella"

Pierre Brices Witwe betreut während der Nachlassversteigerung die Fans

Das Beste zum Schluss: Pierre Brices Silberbüchse wird aufgerufen, nachdem sein anderer Nachlass schon stundenlang versteigert worden ist. 65 000 Euro bezahlt ein privater Sammler für das Gewehr.

09.11.2015
  • HENNING KRAUDZUN

Mühlenbeck Bernhard Brandel kneift die Augen zusammen, spitzt die Lippen und blickt hilfesuchend zu seiner Frau. Das Paar aus Starnberg hat sich elegant gekleidet, dem Ereignis angemessen, wie viele der gut 200 Pierre-Brice-Fans, die auf Klappstühlen in einer überheizten Gewerbehalle sitzen und in Katalogen blättern.

Als Brandel, Bieter 3756, merkt, dass die Versteigerung eines kleinen Klappschreibtischs sein Budget pulverisiert, wird er nervös. Doch seine Frau Gerda gibt beruhigende Zeichen. Bei 3300 Euro saust der Hammer auf den Tisch. Das Möbelstück, das Pierre Brice schon während seiner Zeit bei der französischen Marine nutzte, gehört beiden Senioren.

Der Auktionator Michael Lehrberger hat sich ins Zeug gelegt, das Stück mit Anekdoten aufzuladen. "Glühende Liebesbriefe" habe Brice seiner Hella auf dem Tischchen geschrieben und Manuskripte verfasst. Die Lesebrille gibt es obendrauf. "Hella wollte das behalten", sagt er. "Aber da war sie bei mir falsch."

Dagegen ist der persönliche Dienstplan des Matrosen Brice aus dem Jahr 1947 fast ein Schnäppchen. Für 120 Euro kann der Berliner Marcus Simbeck es ergattern. "Ich wollte etwas, was das Andenken an ihn bewahrt." Der Zettel erhält einen Ehrenplatz in seiner Wohnung.

Dagegen freut sich der Schweizer Reto Schöni über ein silbernes Tranchiermesser, Preis 110 Euro. "Das ist ein Stück aus Pierres Leben."

Hella Brice, die bayrische Witwe des Schauspielers, sitzt in einem Korbsessel am anderen Ende der Halle. Sie trägt ein Lederblouson, die Haare sind gewellt, die Wimpern lang. Die 66-Jährige erscheint jedoch nicht als Diva, sondern kümmert sich nahezu mütterlich um die glühenden Verehrer ihres im Juni mit 86 Jahren gestorbenen Mannes.

Ein Paar mittleren Alters hat neben ihr Platz genommen, die Frau vergräbt ihr Gesicht in den Händen und weint bitterlich. "Es ist so schrecklich", schluchzt sie.

Hella Brice nimmt sie in den Arm, nachdem sie mit schwarzem Filzstift das Handy des Mannes mit dem Spruch "Für Sven, von Hella" signiert hat.

Hella Brice sagt, sie sei die Ver-steigerung der unzähligen Dinge, die ihr Mann im Leben angehäuft hat, den Fans einfach schuldig - Relikte aus dem Elternhaus, aus seiner Militärzeit, Mitbringsel von Reisen, Kostüme, Requisiten, heimattümelnde Bilder. "Ich möchte seine persönlichen Sachen teilen mit den Menschen, die ihn geliebt haben." Immer wieder kommen Leute vor-bei, zeigen Geschirr, Dosen, Porzellanfiguren, Bücher, Uhren, die sie für beachtliche Beträge ersteigert haben und schütteln ihre Hand.

Einen Großteil der Einnahmen will sie einem Kinderhilfsprojekt spenden. Die Idee zur Auktion hatte Pierre Brice noch selbst gehabt - für den geplanten Umzug nach München sollte der Hausstand verkleinert werden. Die Sammlung sprengte ohnehin die räumlichen Kapazitäten des Jagdschlosses nördlich von Paris, in dem Pierre und Hella Brice mehr als drei Jahrzehnte lebten.

Selbst in den Stallungen, in denen einst die Pferde Iltschilito und Iltschi standen, waren Antiquitäten eingelagert, wie Thomas Claassen berichtet, langjähriger Referent des Schauspielers. Der 38-Jährige betreute die offizielle Webseite, er arrangierte Treffen mit den Fans, fungierte als Pressesprecher.

Der Auktionator Lehrberger hinkt zeitlich hinterher - vielleicht, weil er als Freund von Brice einen persönlichen Bezug zu den Dingen aufgebaut hat und viel über sie erzählen kann. Er ruft einen Dolch auf, den Brice als Soldat im Indochinakrieg trug. "Diesen Dolch musste Pierre im Nahkampf einsetzen. Es ist sein Überlebensmesser." Bei 4500 Euro fällt der Hammer. Im Saal applaudieren sie lange.

Das Premium-Objekt mit der Losnummer 1929, dem Geburtsjahr von Brice, ist gestern am späten Nachmittag versteigert worden: die Silberbüchse, die Pierre Brice für seine Auftritte in Segeberg schulterte. Bevor es aufgerufen wurde, brach der Server zusammen, die Internet-Bieter hatten ihn überlastet.

Es hat ihnen nichts genützt. Ein Bieter aus dem Saal sichert sich das gute Stück für 65 000 Euro. Seinen Namen will er nicht nennen. Nur, dass er sich "einen Jugendtraum" erfüllt.

Pierre Brices Witwe betreut während der Nachlassversteigerung die Fans
Mit der Silberbüchse ihres gestorbenen Mannes: Hella Brice. Foto: dpa

Pierre Brices Witwe betreut während der Nachlassversteigerung die Fans

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09.11.2015, 12:00 Uhr

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