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Favorit behielt die Oberhand

Piraten stellen Sebastian Nerz als Kandidaten auf

Er wurde mit einer Dreiviertel-Mehrheit nominiert und hat gute Chancen auf ein Bundestagsmandat, wenn die Piraten die Fünf-Prozent-Hürde nehmen: Sebastian Nerz ist seit gestern Wahlkreiskandidat.

02.07.2012
  • Renate Angstmann-Koch

Bühl. Von rund hundert Mitgliedern der Piratenpartei im Wahlkreis Tübingen kamen gestern Nachmittag 13 zur Nominierungsversammlung in die „Germania“ nach Bühl. Der 28-jährige Tübinger Sebastian Nerz erhielt zehn Stimmen, auf den Kirchentellinsfurter Ivica Juresa, 50, entfielen drei. „Es werden spannende 15 Monate“, freute sich der Gewählte. Beide Kandidaten hatten zuvor zugesichert, den anderen im Wahlkampf zu unterstützen, falls sie unterliegen sollten.

Nerz ist Diplom-Bioinformatiker und arbeitet seit 2008 bei einer Tübinger Firma als Software-Entwickler. Bis 2004 gab der gebürtige Reutlinger ein Gastspiel bei der CDU. Vor drei Jahren schloss er sich den Piraten an. Den Ausschlag gaben Themen wie das inzwischen ausgesetzte Zugangserschwernisgesetz – aus seiner Sicht „eine symbolische Handlung gegen Kinderpornografie“, die dem Bundestag wichtiger gewesen sei, als sich an die Menschenrechte zu halten. Das Parlament habe damit auch gezeigt, „keine Ahnung“ zu haben, und den Graben zwischen Politik und Bevölkerung vertieft: „Die Piraten sind die einzige Partei, die das ändern kann.“

„Ich bin geeignet, weil ich vermutlich der bekannteste Pirat in Tübingen bin“, sagte Nerz. Er war Landes- und Bundesvorsitzender seiner Partei, derzeit ist er Bundes-Vize. Möge es auch schwierig sein, in Tübingen ein Direktmandat zu holen, sollten sich die Piraten dennoch darum bemühen: „Dafür will ich mich einsetzen.“

Piraten stellen Sebastian Nerz als Kandidaten auf
Ivica Juresa (links) und Sebastian Nerz stellten sich den Fragen ihrer Parteifreunde. Der stellvertretende Bundesvorsitzende (rechts) wurde nominiert.

Wie die meisten Piraten interessiert sich Nerz vor allem für Innenpolitik. Er wolle sich aber bis zur Wahl auf den Bundeshaushalt vorbereiten, denn auch in diesem Bereich würden Spezialisten gebraucht. „Ich will, dass in der Balance zwischen Freiheit und Sicherheit neu abgewogen wird“, sagte er.

Auch müssten die Exekutivbehörden stärker kontrolliert werden. Die parlamentarische Kontrolle funktioniere nicht. Das zeige sich daran, dass bei den NSU-Ermittlungen Akten verschwanden. Nerz wandte sich wie sein Mitbewerber auch gegen den am Freitag im Bundestag beschlossenen Fiskalpakt und den Rettungsschirm ESM. Viele Abgeordnete hätten mangels Gegenvorschlag trotz Bauchschmerzen zugestimmt. „Ich glaube nicht, dass dieses Vorgehen der Anspruch eines Abgeordneten sein muss.“ Nerz forderte „eine stärkere europäische Identität“. Sie lasse sich aber nicht verordnen, der Prozess müsse von der Bevölkerung ausgehen, die man in die Arbeit an einer neuen Verfassung einbeziehen müsse: „Ich bin proeuropäisch, lehne die aktuellen Konstrukte der EU aber ab, weil sie nicht demokratisch sind.“

„Ich wäre prinzipiell misstrauisch gegenüber jedem, der für sich selbst sagt, dass er für ein Amt geeignet ist“, antwortete Nerz auf die Frage einer Piratin, was gegen ihn spreche. Wie sein Gegenkandidat Ivica Juresa, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands Reutlingen-Tübingen, bekannte er sich in der Fragerunde vom Prinzip her zum Länderfinanzausgleich und zu ähnlichen Lösungen für die EU. Auf die Frage des neu in die Partei eingetretenen Tübinger Stadtrats Jürgen Steinhilber (früher UFW, jetzt fraktionslos), wen sie als Hauptgegner im Wahlkampf betrachten, plädierten beide dafür, sich weniger auf Gegner zu beziehen als einen eigenen Stil zu pflegen. Den stärksten Gegenwind erwarten sie von den Grünen.

Kurz nach der Eröffnung der Zusammenkunft hatte es schon einmal eine Wahl gegeben: Jonas Müller gewann gegen Nathanael Bienia, der ebenfalls Versammlungsleiter werden wollte. Bienia ist der Bundestagswahlbeauftragte der Landes-Piraten, die gestern in Bühl ihren ersten Wahlkreiskandidaten kürten. Kurz vor der Nominierungs-Abstimmung empfahl er den Abbruch der Versammlung, da man sich für eine fehlerhafte Geschäftsordnung entschieden habe. Das wurde jedoch mit fünf zu vier Stimmen abgelehnt.

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02.07.2012, 12:00 Uhr

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