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AWO-Aktion gegen Wohnungslosigkeit

Plakatkampagne: Der Sozialstaat gehört allen

„Der Sozialstaat gehört allen!“ – lautet das Motto einer bundesweiten Plakat-Aktion. Auch der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt (AWO) beteiligt sich an dieser Kampagne und rückt die Themen Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und Gesundheitsversorgung in den Fokus.

24.09.2010
  • uschi kurz

Reutlingen. Entwickelt wurde die Aktion, die im Zusammenhang mit der Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung steht, von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungshilfe. Als Ergänzung zu den Plakaten von denen es drei verschiedene Motive gibt, wurde eine Kampagne-Zeitung veröffentlicht. Sie berichtet über die Schwierigkeiten von Menschen in Armut und Wohnungsnot.

AWO-Geschäftsführerin Gisela Steinhilber und Rita Wilde von der Wohnungslosenhilfe informierten gestern vor der Plakatwand in der Albstraße 4 über die lokale Situation, nicht ohne dabei Kritik an der bestehenden Gesetzgebung zu formulieren. Zu allen Schwerpunkten (Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und Gesundheitsversorgung), welche die Bundes-Kampagne aufgreift, gebe es Reutlinger Bezüge, betont Steinhilber: „Die Problematik haben wir vor Ort auch.“

Die Gesundheitsversorgung werde immer mehr zum Luxusgut, kritisiert sie, viele ihrer Klienten könnten schon die Praxisgebühr nicht bezahlen. Und auch die Wohnsituation sei für Menschen in Armut oft auswegslos. Steinhilber: „Ohne Arbeit gibt es keine Wohnung und ohne Wohnung keine Arbeit.“ Eine deutliche Verschärfung beobachten die AWO-Mitarbeiter/innen im Zusammenhang mit der Hartz-IV-Gesetzgebung bei Frauen und bei jungen Menschen. Von den 558 Menschen, die in Reutlingen als wohnsitzlos bekannt sind, sind 99 (18 Prozent) erst zwischen 18 und 25 Jahren alt.

„Das ist ein erschreckend hoher Prozentsatz“, sagt Sozialpädagogin Wilde. Der Grund, wieso so viele junge Menschen wohnsitzlos werden, ist eine Regelung, wonach Hartz-IV-Bezieher/innen, die jünger als 25 Jahre sind, nur mit Genehmigung des Jobcenters einen eigenen Hausstand gründen dürfen. Ansonsten erhalten sie keine Unterstützung. Viele ziehen dennoch auf, beispielsweise weil die Situation in der Familie konfliktbeladen ist. Steinhilber: „Und dann stehen sie auf der Straße.“ Auf die Problematik dieser jungen Menschen zielt eines der Plakatmotive, die nun auch im Stadtbild von Reutlingen zu sehen sind. Es zeigt einen jungen Mann, der mit seinen Habseligkeiten vor einer verschlossenen Türe steht. Motto: „Man müsste nochmal 20 sein. . .!?“

Um diesen jungen Menschen Hilfen anzubieten hat die AWO gemeinsam mit dem Verein „Hilfe zur Selbsthilfe“ und in Kooperation mit dem Landkreis, dem Jobcenter und der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft vor kurzem ein neues Projekt gegründet, das junge Menschen, die schon länger auf der Straße leben, nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch eine berufliche Perspektive geben soll. Seit 1. Juli wohnen zwei 18-Jährige gemeinsam in einer GWG-Wohnung, wo sie von Mitarbeiter/innen der AWO und des Vereins „Hilfe zur Selbsthilfe“ betreut werden.

Ein halbes Jahr können die jungen Leute in der GWG-Wohnung leben und in der Zeit mit Unterstützung des Projekts einen Einstieg in eine Ausbildung oder einen Job finden. Danach sollen sie in eine andere Wohnung mit einem unbefristeten Mietverhältnis umziehen, so dass die Zweizimmerwohnung wieder für zwei neue Wohnungssuchende frei wird. Das Reutlinger Projekt scheint vielversprechend: Einer der beiden jungen Männer hat bereits einen Ausbildungsplatz.

Info Im Zusammenhang mit der Plakataktion lädt die AWO zu einer sozialhistorischen Stadtführung mit Sven Föll ein. Der Rundgang beginnt um 15 Uhr im Haus unter den Linden in der Rommelsbacherstraße 1 und führt sowohl zu prägnanten historischen als auch zu aktuellen Gebäuden in denen sich Hilfseinrichtungen befinden.

Plakatkampagne: Der Sozialstaat gehört allen
Seit gestern machen auch in Reutlingen zehn Plakatwände auf die Schwierigkeiten von Menschen in Armut und Wohnungsnot aufmerksam. Gisela Steinhilber, Rita Wilde und Rosemary Heim von der Arbeiterwohlfahrt informierten gestern über die Aktionen vor Ort, die die bundesweite Kampagne begleiten.Bild: Haas

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24.09.2010, 12:00 Uhr

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