Freudenstadt · Leben

Platz für 63000 Wohneinheiten

Die Stadt Freudenstadt beteiligt sich am vom Regionalverband Nordschwarzwald initiierten Projekt „Regionaler Wohnraumscanner“. Vorhandenes Potenzial soll aktiviert werden.

30.06.2020

Von Monika Schwarz

Erste Ergebnisse des Projekts „Regionaler Wohnraumscanner“ stellte Bürgermeisterin Dr. Stephanie Hentschel im Ausschuss für Infrastruktur und Umwelt vor. Das vom Regionalverband Nordschwarzwald initiierte Projekt geht auf die Wohnraumoffensive der Landesregierung zurück und wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau unterstützt.

Freudenstadt hat sich dafür gemeinsam mit den Kommunen Pforzheim, Nagold und Remchingen als Modellkommune zur Verfügung gestellt. Bei den vier Orten handelt es sich um Städte und Gemeinden mit unterschiedlichen Ausgangslagen. In dem Projekt soll vorhandenes Wohnraumpotenzial in einer Region erhoben sowie Strategien für die Aktivierung entwickelt werden.

Die für die gesamte Region ermittelten Potenziale wurden in den vier Modellkommunen vertiefend untersucht und anschließend auf die Region hochgerechnet. Resultierend daraus entstand ein Handlungsleitfaden.

Anhand von Verbrauchsdaten und Melderegisterauszügen wurden bei der Untersuchung Leerstände von Gebäuden ermittelt. Eine Luftbildanalyse zeigte Siedlungsflächenreserven auf, die mit kommunalen Katastern abgeglichen wurden. Abschließend wurden die ermittelten Potenziale in mögliche Wohnpotenziale transformiert, um die Ergebnisse vergleichbar zu machen. Diese Ergebnisse waren der Ausgangspunkt für den Handlungsfaden.

Das Wohnraumpotenzial hat sich aus der Flächenreserve und der Bestandsreserve ergeben. Diese lassen sich weiter aufsplitten in Siedlungsreserven und Minderbebauung sowie in Aufstockungsmöglichkeiten und Leerstand.

Baulücken und Außenreserven

Als Siedlungsflächenreserven werden die Gebiete oder Einzelparzellen bezeichnet, die im Flächennutzungsplan für eine Wohnbebauung vorgesehen, aber weder bebaut noch genutzt sind. Darunter fallen Baulücken genauso wie Innenstadtentwicklungspotenziale oder eine bestehende Außenreserve.

In der gesamten Region Nordschwarzwald umfasst dieser Bereich rund 2000 Hektar, das entspricht einer maximalen Wohnkapazität von 63000 zusätzlichen Wohneinheiten. 42 000 Wohneinheiten davon entfallen auf bisher unbebaute, aber ausgewiesene Flächen.

Rund 2000 Wohneinheiten könnten durch die Erschließung minderbebauter Bereiche geschaffen werden. Weitere 5000 Wohnungen wären durch die Aufstockung von 2600 Wohngebäuden möglich. 14 000 Wohneinheiten könnte man darüber hinaus durch die Aktivierung von Leerständen in etwa 7500 Wohngebäuden realisieren.

Im Landkreis Freudenstadt haben sich die größten Siedlungsreserven im Außenbereich gezeigt, gefolgt von Baulücken und einem schon weitgehend ausgereizten Innenstadtbereich, sagte Hentschel. Der vergleichsweise kleine Bereich der Minderbebauung könne vernachlässigt werden. Auch das ermittelte Aufstockungspotenzial von immerhin 5000 Wohneinheiten sei aufgrund bestehender Restriktionen „mit Vorsicht zu genießen“, so Hentschel. Außerdem müssten die Eigentümer der Gebäude zunächst überzeugt werden.

Interessanter sei deshalb der Leerstandsbereich, der in Freudenstadt vergleichsweise hoch sei, so Hentschel. Herangezogen wurden dafür die Zahlen des Zensus 2011. Damals lag der Leerstand bei 5,9 Prozent. Dieser Wert wurde an die Entwicklung angepasst. In Freudenstadt weist die Untersuchung heute rund 7 Prozent aus.

Relativ viele Baulücken liegen im unteren Herrenfeld. Bei den Leerständen habe sie im Rahmen einer selbst durchgeführten Kontrolle aber festgestellt, dass es sich dabei nicht um einen statischen Zustand handle, sondern dass viele Gebäude in jüngster Zeit frisch renoviert worden seien. Eine Studie zeige immer nur den Bestand zum Zeitpunkt der Erhebung, sagte Hentschel. So ließe sich auch erklären, warum die Riedgasse als Baulücke ausgewiesen wurde. Eine neue Erhebung käme dort heute zu anderen Ergebnissen. Viele Baulücken seien bereits geschlossen.

Insgesamt wurde Freudenstadt auf Grundlage der Untersuchungen in den Gemeindetyp II eingeordnet. Dieses erfreuliche Ergebnis bedeute, dass durchschnittliche Flächenreserven vorhanden sind, die Bevölkerung nach wie vor geringfügig wachse, die Zahl der Baulücken vergleichsweise groß und die Bestandskapazität mäßig sei.

Stabilisierung der Ortskerne

Geraten werde zu einer Stabilisierung der Ortskerne, zur Leerstandsbekämpfung und interkommunalen Zusammenarbeit sowie zur Sicherung der Infrastruktur und Nahversorgung. Empfohlen werde weiterhin ein kommunales Wohnraummanagement, ein Aktionsplan Wohnraumentwicklung, Eigentümeransprachen und Beratungsangebote.

All dies seien Themen, die die Verwaltung im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes aufgreife. Auf Nachfrage von Elisabeth Gebele (Bürgeraktion) betonte Hentschel, dass es die in der Zusammenfassung des Regionalverbands zitierten „Workshops“ während der Durchführung eigentlich nicht gegeben habe. Gebele erkundigte sich auch, welche Schlüsse die Verwaltung aus den Erkenntnissen ziehe.

Außenflächen schonen

Die Politik rate generell zu einem sensiblen Umgang mit Flächenverbrauch, weshalb man Außenflächen eher schone und sich stärker auf Innenflächenpotenziale konzentriere, sagte Henschel. Diese seien aber begrenzt. In Freudenstadt habe man nach wie vor den Bereich der Sonnenhalde zur Verfügung, weitere Schwerpunkte setzt die Verwaltung im Bereich der kleinteiligen Entwicklung. Außerdem versuche die Verwaltung immer wieder, Grundstücke zu erwerben und selbst „Marker“ bei der Bebauung zu setzen. Der Trend gehe zum Mehrfamilienhaus. Oberbürgermeister Julian Osswald ergänzte, dass die Verwaltung sämtliche Bereiche im Auge behalte.

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Erstellt:
30. Juni 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Juni 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Juni 2020, 01:00 Uhr

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