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Terroristen kommunizieren angeblich über Spieleplattform

Playstation: Mehr als ein Spiel mit dem Tod?

Böse Buben lieben Killerspiele. Dieses Vorurteil bekommt neue Nahrung: Belgiens Innenminister behauptet, Islamisten kommunizierten via Playstation.

18.11.2015

Von CHRISTOPH FAISST

Man könnte sich amüsieren über das martialische Intro des Internet-Auftritts der Sony Playstation: "Willkommen im Wasteland." Könnte. Wären da nicht die Anschläge von Paris und der Verdacht des stellvertretenden belgischen Ministerpräsidenten, zugleich Innenminister, Jan Jambon, den dieser kürzlich in einem Interview mit dem US-Magazin "Politico" äußerte: Attentäter könnten über die Kommunikationsfunktion der Playstation4 Kontakt halten - unter dem Radar der Sicherheitsbehörden und deren Telekommunikationsüberwachung.

Bis jetzt wurden die sogenannten Killerspiele gerne im - nie bewiesenen - Zusammenhang mit Amokläufen genannt. Der neue Verdacht erschreckt, schließlich gelten in Frankreich ohnehin die schärfsten Überwachungsgesetze in Europa - doch die jüngsten Attentate konnten diese so wenig verhindern wie den Angriff auf das Satiremagazin "Charlie Hébdo" im Frühjahr. In Online-Medien schlagen dementsprechend die Wellen hoch: "Terroristen lieben die PS4", vermeldet playnation.de. Chip.de legt nach, nennt das beliebte Weihnachtsgeschenk einen "Treffpunkt für IS-Agenten" und schwadroniert von "geheimen Botschaften in Spielen" - wie in "call of duty" vereinbarungsgemäß in die Wand geschossene virtuelle Löcher.

Dabei hatte sich Jambon in "Politico" keineswegs zu den Anschlägen von Paris vom vergangenen Freitag geäußert, sondern bereits am 11. November - allgemein zum bekannten "Terrorismusproblem Belgiens" und auch das eher zurückhaltend: Neben dem in IS-Reihen beliebten Kurznachrichtendienst Twitter diene eben auch die Playstation als Rekrutierungswerkzeug, weil deren Kommunikation schwerer zu entschlüsseln und überwachen sei als herkömmliche Kanäle wie Mobilfunk, Mail oder Messenger-Dienste wie Whats App.

Sony, Hersteller des inkriminierten, in Millionen Haushalten stehenden Geräts, nahm schließlich Stellung: "Die Playstation 4 erlaubt die Kommunikation mit Freunden und anderen Spielern und bietet, so wie alle modernen vernetzten Geräte, das Potenzial für Missbrauch." Nutzer sollten verdächtige Aktivitäten melden, wird der Elektronikkonzern weiter zitiert, um in Zusammenarbeit mit den Behörden "angemessene Schritte" zu ergreifen.

Das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden wollte sich gestern nicht zu entsprechenden Erkenntnissen äußern - aufgrund der "Kurzfristigkeit der Anfrage".

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Erstellt:
18. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
18. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. November 2015, 12:00 Uhr

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