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Unglück

Plötzlich Lebenszeichen aus dem Schnee

In dem verschütteten Hotel in Italien haben mehrere Menschen überlebt.

21.01.2017
  • BETTINA GABBE

Rom. Bittere 40 Stunden lang herrscht Stille am Ort des Lawinenunglücks in den Abruzzen. Dann dringen plötzlich Lebenszeichen aus dem Hotel „Rigopiano“, das unter Schneemassen begraben ist. Die Feuerwehrleute, die sich mit Schaufeln fieberhaft nach unten durchgraben, schöpfen Hoffnung. Als endlich ein Loch in die meterdicke Decke aus Schnee, Eis und Ästen bis ins Innere des Hotels gegraben ist, ziehen sie einen kleinen Jungen heraus. Ein Jubelschrei geht durch die Einsatzkräfte, als sein Kopf zum Vorschein kommt. In eine dicke blaue Daunenjacke gehüllt hat er die vielen Stunden in der Kälte überlebt.

Als gleich danach seine Mutter aus der Öffnung gezogen wird, ist die Rührung groß. Ein Feuerwehrmann streicht ihr mit einer zärtlichen Geste über die Haare, als er ihr aus den Schneemassen heraushilft. Alle anderen Helfer berühren sie, wie um sich zu vergewissern, dass es kein Traum ist.

In der Küche ausgeharrt

„Als sie uns zum ersten Mal gesehen haben, konnten sie vor Glück kein Wort sagen“, erzählt Marco Bini, einer der Bergretter. „Es war wunderbar, sie konnten ihren Augen kaum glauben und sie haben uns vor Glück umarmt.“ Es sind die Frau und der Sohn des Hotelkochs, der das Unglück ebenso wie ein Hotelgast im Auto überlebt hat.

Ein Mädchen wird wenig später mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus von L'Aquila gebracht. Die Frau, drei Männer und die beiden Kinder haben in der Hotelküche überlebt. Dort hatten sie Lebensmittel gefunden und ein Feuer angezündet, um nicht zu erfrieren. Am Ende waren es der Rauch und der Feuergeruch, der die Rettungskräfte auf sie aufmerksam gemacht hat.

Doch das Glück über den unerwarteten Sieg im Wettlauf mit der Zeit wird von den schwierigen Bedingungen getrübt. Tauwetter erhöht die Gefahr weiterer Lawinen am Gran-Sasso-Massiv. Zugleich erhöhe es das Gewicht des Schnees, sagt der Bergretter Bini. Für die Hotelgäste, die möglicherweise vor dem Gebäude auf ein Schneeräumfahrzeug gewartet hatten, bestehe so gut wie keine Hoffnung.

Er täuscht sich. Stunden später werden weitere Überlebende geortet. „Die Rettung der Überlebenden schenkt uns neue Hoffnung“, jubelt die Chefin der Nothilfe des Katastrophenschutzes, Titti Postiglione. „Auch wenn sie mit jeder Stunde die vergeht, schwindet.“ Am Abend werden noch drei Kinder lebend geborgen.

Im Krankenhaus des weiter im Tal gelegenen Orts Penne harren Angehörige der Vermissten auf Nachricht. Sie werden von Psychologen betreut, immer wieder lassen Sirenen von Rettungswagen Hoffnung aufkeimen. Die Cafés und Bars in der Altstadt bleiben geschlossen, eine enge Durchfahrt durch hohe Schneemauern garantiert die Zufahrt zum Krankenhaus und zur Einsatzzentrale der Bergungsteams in einer Sportanlage am Ortseingang.

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. „Es ist unsere Pflicht, die Ereignisse möglichst genau zu rekonstruieren“, sagt die Staatsanwältin Cristina Tedeschini.

Im Raum steht der Vorwurf des mehrfachen Totschlags. Durften die Menschen sich zur Zeit des Unglücks in dem Hotel aufhalten? War die Baugenehmigung für das Hotel an dem lawinengefährdeten Hang rechtens? Weshalb sind keine Schneeräumfahrzeuge zum Hotel gekommen, als die Gäste abreisen wollten? Und sind frühe Hilferufe inmitten des Schneechaos mit seit Tagen von der Außenwelt abgeschnittenen Dörfern nicht ernstgenommen worden?

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21.01.2017, 06:00 Uhr

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