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Plötzlich die Waffe gezogen
Tatort vor dem Friseursalon: Die Schießerei in Heidenheim beschäftigt die Polizei. Foto: Markus Brandhuber
Schüsse im Rockermilieu: Gewalt hat sich über Monate aufgeschaukelt

Plötzlich die Waffe gezogen

Erst Prügel, dann Schüsse: Der blutige Streit zwischen verfeindeten Rockern in Heidenheim hat eine lange Vorgeschichte. Gewalt und Provokationen hatten sich offenbar über Monate aufgeschaukelt.

09.04.2016
  • SILJA KUMMER

Heidenheim. Mittlerweile bestätigen auch Polizei und Staatsanwaltschaft ganz offiziell: Der Schießerei in Heidenheim von Donnerstag liegt eine eskalierte Auseinandersetzung im Rockermilieu zugrunde. Bei den Opfern, 26 und 29 Jahre alt, handelt es sich laut Informationen unserer Zeitung um den „Vizepräsidenten“ der Türstehervereinigung „United Tribuns“ sowie seinen Bruder. Am Donnerstag waren die beiden offenbar in einem Geschäft in der Heidenheimer Clichystraße auf „alte Bekannte“ getroffen: drei Mitglieder der rivalisierenden Straßengang „Black Jackets“ im Alter von 23, 25 und 30 Jahren.

Die Stimmung muss sehr gereizt gewesen sein. Denn die Kontrahenten aus den beiden rockerähnlichen Gruppierungen waren in den vergangenen Monaten schon einige Male aufeinandergetroffen, die Gewalt und die Provokationen eskalierten zusehends. Manches davon hat sogar die Polizei protokolliert, beispielsweise eine Schlägerei im September. Die Männer waren damals in einem Geschäft in den Schloss Arkaden in Heidenheim zunächst verbal und dann physisch aneinandergeraten. Als die Polizei eintraf, waren nur noch zwei Beteiligte vor Ort. Nach diesem Vorfall sollen sich die gleichen Personen vor einem Autohaus geprügelt haben. Diese Auseinandersetzung wurde angeblich sogar gefilmt und war danach als Video für kurze Zeit im Internet zu sehen - eine zusätzliche Provokation für den Verlierer der Schlägerei. Anfang Januar brannte auf den Reutenen eine Mercedes S-Klasse - es war das Auto eines der beiden Opfer der Schießerei.

Bei dem erneuten Aufeinandertreffen am Donnerstag verließen die Männer zunächst das Geschäft, um die Angelegenheit unter Männern auf der Straße zu klären. Wieder gerieten sie in heftigen Streit, nur diesmal eskalierte die Gewalt in neuer Qualität: Unvermittelt soll einer der drei Männer eine Schusswaffe gezogen und insgesamt viermal auf die beiden Kontrahenten gefeuert haben. Der 29-Jährige wurde von drei Schüssen im Bereich des Oberkörpers getroffen, der 25-Jährige von einem Schuss in den Bauchraum.

Danach flohen die mutmaßlichen Täter in einem schwarzen Auto, zwei von ihnen kamen aber nicht weit: Die Polizei nahm sie kurze Zeit nach der Tat in Giengen fest. Der dritte Mann wurde in den Abendstunden von Spezialkräften aus einer Giengener Wohnung geholt. Gegen die 23, 25 und 30 Jahre alten Männer laufen nun umfangreiche Ermittlungen. Als möglicher Schütze gilt der 25-Jährige. Gegen ihn wurde gestern Haftbefehl erlassen, die beiden anderen Beschuldigten wurden gestern freigelassen. Noch am Donnerstag hatte die Polizei im Raum Heidenheim und Giengen mehrere Wohnungen durchsucht und stellte dabei zahlreiche Hieb- und Stichwaffen sicher.

Doch auch unter den Rockergruppen blieb die Tat nicht ohne Konsequenzen: Rund 60 Personen aus dem Umfeld der „United Tribuns“ sammelten sich nach der Tat im Raum Heidenheim/Ulm, Präsenz zeigten sie bis in die späten Abendstunden des Donnerstags vor dem Heidenheimer Klinikum. Auch die Polizei war vor Ort.

Die Bluttat spielte sich vor dem Hintergrund von Gebietsstreitigkeiten der United Tribuns und Black Jackets im Raum Ulm/Heidenheim ab. Dabei gehe es laut Staatsanwalt Armin Burger immer „um Revierkämpfe, um Bezug zum Drogenhandel“. Die Polizei rechnet durchaus mit weiteren Eskalationen. Auch vor dem Hintergrund, dass der Gesundheitszustand des 29-jährigen Opfers von der Polizei gestern als „sehr kritisch“ bezeichnet wurde.

Am Wochenende hat es die Polizei im Raum Heidenheim ohnehin mit mehreren Großlagen zu tun: Neben dem Fußballspiel des FC Heidenheim am Freitagabend stehen auch die nicht unumstrittenen sicherheitspolitischen „Königsbronner Gespräche“ an, für die auch Gegendemos angekündigt sind. Wegen der Aktivitäten der Rockergruppen halten sich viele Einsatzkräfte bereit. Schon gestern war in Heidenheim und Giengen sehr viel Polizei auf der Straße zu sehen.

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09.04.2016, 09:00 Uhr

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