Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
„Wir kommen einfach nicht zu Potte“

Podium in der Planie bilanzierte Kulturkonzeption

Reicht es zu einem Theaterzentrum neben der zweiten Tonne-Spielstätte? Ein Podium in der Planie 22 zog am Mittwoch eine Zwischenbilanz zur Reutlinger Kulturkonzeption.

15.10.2010
  • Matthias Reichert

Reutlingen. „Die Kulturkonzeption hat Reutlingen vorangebracht und eine Aufbruchstimmung ausgelöst“, erklärte Vhs-Chef Ulrich Bausch vor über 100 Zuhörern. Stadthalle, Soziokultur und Theater – auf diesen drei Säulen ruht die Anfang 2006 vom Gemeinderat verabschiedete Konzeption. Die Stadt hatte mit Kulturschaffenden den Bedarf eruiert. Und dazu gehört ein Theatersaal mit 300 Plätzen. Der könnte laut Tonne-Intendant Enrico Urbanek mit 180 Veranstaltungen im Jahr bespielt werden: LTT mit Kinder- und Jugendtheater, Lindenhof, Patati Patata, Schultheater könnten auftreten. 300 Plätze, so Urbanek müssen es sein, weil Gastspiele an den Einnahmen hängen: 70 Prozent gehen an die Theater, 30 Prozent sind für Betriebskosten. Wäre der Saal kleiner, „käme man auf keinen grünen Zweig“.

Das soziokulturelle Zentrum franz. K hat zwar einen Saal mit 300 Plätzen, aber „der ist hart umkämpft“, wie Geschäftsführer Andres Roth sagte. „Wir haben jetzt schon Nutzungs-Anfragen, die wir nicht bedienen können.“ Zudem sei es ein Multifunktionssaal, kein Theatersaal. Der kleine Saal in der neuen Stadthalle hat zwar 400 Plätze, ist aber für Seminare und Kongresse geplant. Es fehlen laut Cornelius Grube, dem Intendanten der Württembergischen Philharmonie, Garderoben und technische Ausstattung. Und wenn andere Theater in der zweiten Tonne-Spielstätte auftreten? Geht nicht, sagte Tonne-Intendant Urbanek – weil die Tonne ihr Bühnenbild nicht ständig auf- und abbauen könne.

Nach den Plänen des Münchner Architekten Walter Achatz soll die Tonne ihre zweite Spielstätte an einem Neubau im Planie-Areal hin zur Urbanstraße bekommen. Der Kopfbau, in dem sich die Spielstätte jetzt befindet, soll abgerissen werden, weil er von der Bausubstanz her am schlechtesten ist.

Dort plant Achatz Wohnungen, Gewerbe und ein Theatercafé. Erhaltungswürdig sei der Mittelbau des Fabrikgebäudes, der langfristig zum zusätzlichen Theaterzentrum mit 300 Plätzen ausgebaut werden könnte. Gefordert wurde am Mittwoch immer wieder ein teilbarer Saal. Was dieses Theaterzentrum kosten würde, darüber schieden sich die Geister im Publikum. CDU-Stadtrat Karsten Amann sprach von 12 bis 20 Millionen Euro, SPD-Fraktionschef Helmut Treutlein von sieben Millionen. Realisiert werden könnte das Theaterzentrum mit einem Investor – im Gespräch ist die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft –, die Stadt könnte die Räume dann mieten. Wie hoch die Miete wäre, ist offen. Die CDU-Fraktion will aus Kostengründen momentan nur die zweite Tonne-Spielstätte realisieren – und zwar, anders als Achatz, im von der Planie aus gesehenen rechten Gebäudetrakt, als Theatersaal mit 150 bis 200 Plätzen. Das Theaterzentrum will sie auf Eis legen. „Das ist eine Phantomdebatte“, sagte Amann. Laut Baubürgermeisterin Ulrike Hotz sei das Zentrum erst in 15 bis 20 Jahren drin. „Im Moment könnten wir die Miete für den 300er-Saal nicht zahlen“, gab SPD-Fraktionschef Helmut Treutlein zu. Er sprach aber von einem kürzeren Zeitrahmen für die Realisierung: „Fünf Jahre wären aus meiner Sicht schon ziemlich lange.“

Ulrich Bausch sah als Minimalkonsens, dass auch andere Theater die zweite Tonne-Spielstätte nutzen können. „Die kleinen Theater sollen auf Almosenbasis anfragen, ob sie einen halben Sonntag reindürfen“, regte sich Sonka Müller vom Kindertheater Patati Patata auf. FDP-Rat Knut Hochleitner hätte den Tonne-Saal lieber in einem Kulturzentrum in der Eberhardstraße gesehen. Agnete Bauer-Ratzel befürchtete, dass die Bausubstanz in der Planie zunehmend marode werde: „Wir haben die dritte Ausschreibung und kommen einfach nicht zu Potte.“ LTT-Intendantin Simone Sterr warnte davor, dass die Listhalle wegfällt, wenn die Stadthalle fertig ist. Sie sah die LTT-Gastspiele in Reutlingen gefährdet, ebenso die Auftritte des Kinder- und Jugendtheaters: „Das wird eine Lücke geben.“

Podium in der Planie bilanzierte Kulturkonzeption
Podium in der Planie: Tonne-Intendant Enrico Urbanek, franz.K-Geschäftsführer Andreas Roth, Moderator Roland Hauser vom Reutlinger Gea, Vhs-Chef Ulrich Bausch, Philharmonie-Intendant Cornelius Grube (von links).Bild: Haas

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

15.10.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball