Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
"Polin" ist das Europäische Museum des Jahres
Der symbolische Riss in der Fassade des "Polin" in Warschau. Foto: W. Krynski/Polin
Seit drei Jahren zeigt die Dauerausstellung die jahrhundertealte jüdische Kultur in Polen

"Polin" ist das Europäische Museum des Jahres

Das Museum der Geschichte der polnischen Juden wurde mit Spannung erwartet. Jetzt ist das "Polin" das Europäische Museum des Jahres.

18.04.2016
  • SWP

Warschau. . Vor gerade einmal drei Jahren öffnete das Museum der polnischen Juden seine Türen für Besucher, seit eineinhalb Jahren ist die Hauptausstellung in Betrieb - und schon ist "Polin" Europas Museum des Jahres. Direktor Dariusz Stola, gelernter Historiker, kann seinen Stolz nicht verbergen. "Das ist die Bestätigung, dass wir wirklich ein Museum der höchsten Klasse sind", kommentierte er die jetzt in San Sebastian vergebene Auszeichnung.

Polin ist für viele Museumsmacher und auch für zahlreiche Besucher weitaus mehr als nur ein Museum. Mitten im Herzen des früheren jüdischen Stadtteils Muranow, im Zentrum des einstigen Warschauer Ghettos, steht das Museum, dessen Hauptausstellung in acht Einzelschauen die tausendjährige Geschichte der polnischen Juden erzählt. Ein Geheimtipp ist es längst nicht mehr, sondern wird in diversen Reiseführern und Touristen-Websites als eine der Top-Sehenswürdigkeiten der polnischen Hauptstadt aufgelistet.

Das Gebäude öffnete im April 2013 zum 70. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto. Durch die Fassade - geplant von dem finnischen Architekturstudio Lahdelma und Mahlamäki - geht ein symbolischer Riss; dem Haupteingang gegenüber steht das Denkmal der Ghettokämpfer, das an den verzweifelten Kampf und den Untergang der größten jüdischen Stadt Europas erinnert.

Jeder dritte Warschauer Einwohner vor dem Zweiten Weltkrieg war jüdisch - insgesamt etwa 330 000 Menschen. Von den sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten europäischen Juden stammte die Hälfte aus Polen.

Dennoch wird Chefkuratorin Barbara Kirshenblatt-Gimlett nicht müde zu wiederholen: "Polin ist kein Holocaust-Museum. Wir zeigen vor allem das jüdische Leben, das Polen über Jahrhunderte geprägt hat." Für Holocaust-Überlebende wie den Historiker Marian Turski ist das Museum die Erfüllung eines Lebenstraumes. "Hier ist ein Haus, in dem die Erinnerung an meine, an unsere Vorfahren neu geschaffen wird", sagte er bei der Eröffnung der Hauptausstellung. "Ein Ort, der erzählt, wie sie lebten, was sie schufen, wovon sie träumten." Angesichts des Ausmaßes der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg ist die Zahl der Original-Exponate in Polin begrenzt. Stattdessen werden Erfahrungswelten aufgebaut - das jüdische Stetl, die Welt des Mittelalters, die Zwischenkriegszeit mit ihrem reichen jüdischen Kulturleben und natürlich, düsterstes Kapitel der Ausstellung, Verfolgung und Vernichtung unter der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Allein im ersten Jahr besuchten rund 400 000 Menschen die Ausstellung.

Stola erinnert sich, wie er einmal im Museum auf ein schluchzendes altes Ehepaar stieß, polnische Juden, die heute in den USA leben. Nein, versicherten sie, der Besuch habe kein Trauma aufgerissen, im Gegenteil: "Wir weinen, weil wir glücklich sind. Endlich können wir unseren Kindern und Enkeln zeigen, was für ein reiches, volles Leben wir hier hatten."

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

18.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball