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Fall Peggy

Polizei prüft Ermittlungspanne

Wurde die DNA des NSU-Terroristen Böhnhardt durch einen Meterstab der Spurensicherung an den Leichen-Fundort gebracht?

28.10.2016
  • PATRICK GUYTON

Bayreuth. . Möglicherweise ist die DNA-Spur des Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt durch einen Fehler der Polizei an den Fundort der Leiche des Mädchens Peggy gelangt. Damit hätte Böhnhardt, Mitglied des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) nichts mit dem Verschwinden und der Ermordung der Neunjährigen zu tun.

Wie die Staatsanwaltschaft Bayreuth und das Polizeipräsidium Oberfranken am Donnerstag mitteilten, haben sich Anhaltspunkte ergeben, dass im Fall Böhnhardt und im Fall Peggy „teilweise identisches Spurensicherungsgerät“ verwendet worden war. Böhnhardt hatte sich zusammen mit seinem Komplizen Uwe Mundlos im November 2011 in Eisenach das Leben genommen, nachdem der NSU vor seiner Enttarnung stand. Peggys Leiche war am 2. Juli dieses Jahres in einem Waldstück im thüringischen Rodacherbrunn gefunden worden. Auf die DNA-Spur Böhnhardts stießen die Beamten vor zwei Wochen. Sie befand sich auf einem Stoffstück, das in der Nähe der sterblichen Überreste Peggys lag. Beide Fälle waren von derselben Spurensicherungs-Gruppe der Thüringer Polizei untersucht worden.

Nun ist eine neue Polizeistelle damit beauftragt worden, eine „mögliche Kontamination“ zu untersuchen. Dies führe, so Staatsanwaltschaft und Polizei, zu „umfassenden und zeitaufwändigen Ermittlungen“. Derzeit könne noch nicht gesagt werden, ob die Spur Böhnhardts durch eine Polizeipanne weitergegeben wurde. Weitere Auskünfte wurden nicht erteilt.

Laut „Bayerischem Rundfunk“ (BR) ist bei der Untersuchung des Leichnams von Böhnhardt und der Peggy-Fundstelle ein und derselbe Meterstab verwendet worden. Auf den jeweiligen Fotos von den Arbeiten sieht er komplett identisch aus. Über diesen Meterstab könnte die Böhnhardt-DNA transportiert worden sein. Das hieße, dass zwischen dem NSU-Trio und Peggy keinerlei Zusammenhang besteht. Sollte die Polizei in Thüringen tatsächlich über Jahre hinweg sensibelste DNA-Untersuchungen mit immer demselben Werkzeug machen, ohne es je zu reinigen, so wäre dies ein sehr schweres Versäumnis.

Peggy Knobloch war im Mai 2001 im Alter von neun Jahren in ihrem oberfränkischen Heimatort Lichtenberg verschwunden. Ein geistig behinderter Mann war zu Unrecht wegen Mordes verurteilt und in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen worden. Der wahre Mörder wurde bislang nicht gefunden.

Gegen das einzige lebende NSU-Mitglied Beate Zschäpe läuft in München der Prozess wegen Mittäterschaft bei zehn Morden an Gewerbetreibenden ausländischer Herkunft und einer Polizistin. Als Motiv gilt rechtsextremistischer Ausländerhass. Nach dem Fund der Böhnhardt-DNA war vielfach spekuliert worden, inwieweit er und der NSU mit Kinderpornografie und einem Kindermord in Verbindung gebracht werden können. Patrick Guyton

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28.10.2016, 06:00 Uhr

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