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Wie groß ist die Gefahr in Deutschland?

Polizei verstärkt Präsenz an Grenzen, Bahnhöfen und Flughäfen - Besonderes Augenmerk auf Dschihadisten

Nach dem Terror von Paris nehmen die Behörden die deutsche Islamisten-Szene unter die Lupe. Die Polizei rüstet auch auf - vor allem an der Grenze.

16.11.2015
  • CHRISTIANE JACKE, JÖRG BLANK, DPA

Polizei verstärkt Präsenz an Grenzen, Bahnhöfen und Flughäfen - Besonderes Augenmerk auf
Bundespolizist mit Maschinenpistole am Grenzübergang Breisach. Foto: dpa

Was tun die deutschen Sicherheitsbehörden nun genau? Die Bundespolizei hat mehr Einsatzkräfte an die Grenze zu Frankreich geschickt und ihre Streifen an Flughäfen und Bahnhöfen intensiviert. Die Polizisten patrouillieren dort mit Schutzwesten und schweren Waffen. Nach einem Anschlag in einem Nachbarland checken die Behörden, ob es Verbindungen der Täter nach Deutschland gibt. Sie überwachen besonders die islamistischen "Gefährder" - also jene, denen sie einen Terrorakt zutrauen. Weil es die Sorge gibt, dass Rechtsextremisten auf die Anschläge reagieren, stehen diese auch unter Beobachtung.

Was bedeuten die Attacken für die Sicherheitslage in Deutschland? Die Bundesrepublik steht schon lange im Visier islamistischer Terroristen. Auch in dem mutmaßlichen Bekennerschreiben zu den Attentaten von Paris wird Deutschland in IS-Diktion als Kreuzfahrer-Nation genannt. Die Bedrohung sei unverändert groß, sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). "Die Lage ist ernst." Niemand kann einen Anschlag ausschließen.

Nach den Terrorattacken in Kopenhagen und Paris zu Jahresbeginn ging auch bei den deutschen Sicherheitsbehörden eine Flut an Hinweisen auf mögliche Anschlagspläne ein. Das erwartet de Maizière auch jetzt. Allerdings seien erfahrungsgemäß viele Botschaften von "Wichtigtuern und Trittbrettfahrern" darunter. Nachgehen müssen Polizei und Geheimdienste trotzdem jedem Hinweis. Bislang gab es nur einen islamistischen Anschlag auf deutschem Boden: Ein Attentäter erschoss im März 2011 am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzte zwei weitere schwer. Andere Attentatsversuche wurden vereitelt.

Wie groß ist die Gefahr, dass sich IS-Terroristen unter Flüchtlingen mischen und so nach Deutschland einreisen? Bei Polizei und Geheimdiensten gingen bisher etwa 100 Hinweise auf mögliche Terroristen ein, die auf diesem Weg ins Land gekommen sein sollen. In keinem dieser Fälle habe sich der Verdacht bisher bestätigt, heißt es aus Sicherheitskreisen. "Aber man darf den IS nicht unterschätzen", meint Terrorexperte Rolf Tophoven. "Die Gefahr ist nicht auszuschließen. Unsere Sicherheitsbehörden können nicht jeden kontrollieren." Nach Einschätzung von Fachleuten dürften Terroristen eher auf anderem Weg versuchen, hierher zu kommen. Polizei und Geheimdienste beobachten allerdings, dass Islamisten versuchen, junge Flüchtlinge, die in Deutschland sind, zu rekrutieren. Generell gilt: Attentäter müssen nicht von außen ins Land gebracht werden. Es gibt viele Fanatiker, die sich im Inland radikalisiert haben.

Wie gefährlich ist die deutsche Islamisten-Szene? Mehr als 43 000 Menschen gehören dazu. Die Szene ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen - vor allem durch den starken Zulauf bei den Salafisten, einer besonders konservativen Strömung des Islam. Rund 7900 Salafisten gibt es inzwischen. Polizei und Geheimdienste stufen viele Islamisten als gefährlich ein: Etwa 1000 Menschen werden dem islamistisch-terroristischen Spektrum zugeordnet. Darunter sind 420 "Gefährder". Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Diese machen den Behörden große Sorgen, weil viele radikalisiert und kampferprobt zurückkommen. Von den mehr als 750 Islamisten aus Deutschland, die bislang Richtung Syrien und Irak ausgereist sind, ist ein Drittel wieder zurück - also rund 250 Leute. Etwa 70 davon haben Kampferfahrung gesammelt.

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16.11.2015, 12:00 Uhr

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