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Nach Ausweitung der Umweltzone geht in Tübingen nichts mehr ohne grüne Plakette

Polizei wird im Januar verstärkt Feinstaubplaketten kontrollieren

Achtung, Autofahrer: Wer im neuen Jahr ohne grüne Plakette in Tübingen unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld. Zum 1. Januar 2015 weitet das Regierungspräsidium die Umweltzone auf das gesamte Stadtgebiet einschließlich der Bundesstraßen aus – und droht mit verstärkten Kontrollen.

29.12.2014
  • Sepp Wais

Tübingen. Bislang war die Tübinger Umweltzone zur Luftreinhaltung auf die Innenstadt und die Wohngebiete beschränkt. Die Gewerbegebiete sowie die Hauptverkehrsadern inklusive der Zufahrten zu den Kliniken waren ausdrücklich ausgenommen. Das wird das Regierungspräsidium jetzt mit der zweiten Fortschreibung des Luftreinhalteplans für Tübingen ändern: Vom 1. Januar an dürfen nur noch Autos und Lastwagen mit grünem Pickerl in und durch Tübingen fahren. Wer es ohne solche Plakette probiert, riskiert ein Bußgeld von 80 Euro.

Die Ausdehnung der Umweltzone wird vom Regierungspräsidium mit der gesetzlichen Vorgabe begründet, die Luftqualität in Tübingen weiter zu verbessern. Das Problem der Mittelbehörde: „Trotz der Erfolge des seit 2005 eingeführten Luftreinhalteplans werden die Immissionsgrenz werte für Feinstaub und Stickstoffdioxid noch immer überschritten.“

Gemeinden im Umland befürchten mehr Verkehr

Deshalb nun also die neue Zonen-Regelung, die nicht nur die bislang ausgesparten Teilorte sowie die Tübinger Gewerbe- und Industriegebiete in die Umweltzone miteinbezieht. Insbesondere sollen jetzt die „alten Stinker“ ohne Rußfilter auch von den bislang kategorisch ausgeklammerten Autopisten mit dem meisten Verkehr verbannt werden – von der B 27 ebenso wie von der B 28 und der B 28a.

Wie es in einer Pressemitteilung des Regierungspräsidiums heißt, ist der Straßenverkehr „die Hauptquelle für Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Belastungen“. Deshalb müsse es bei der Luftreinhaltung in erster Linie darum gehen, die von den Autos ausgepufften Schadstoffe zu reduzieren. Und da die Bundesstraßen „erheblich zu den Gesamtemissionen in Tübingen beitragen“, müsse man diese nun ebenfalls in die Umweltzone aufnehmen. Dadurch ließe sich laut Gutachter eine spürbare Schadstoffminderung erreichen – um 1,5 bis 9,4 Prozent beim Stickstoffdioxid und um 1,0 bis 4,8 Prozent beim Feinstaub.

Während sich der Tübinger Gemeinderat im April mit großer Mehrheit mit der erweiteren Umweltzone einverstanden erklärte, sorgten die Pläne des Regierungspräsidiums in den umliegenden Rathäusern für erheblichen Ärger. Vor allem die Gemeinderäte in Rottenburg, Ammerbuch, Dußlingen, Gomaringen, Kirchentellinsfurt, Kusterdingen, Nehren und Ofterdingen befürchteten, dass ihnen die erweiterte Umweltzone zusätzlichen Verkehr, mithin noch mehr Lärm und Abgase beschert. „Es kann nicht sein“, gab Dußlingens Bürgermeister Thomas Hölsch damals zu Protokoll, „dass man den einen auf Kosten anderer entlastet“. Und Rottenburgs Erster Bürgermeister Volker Derbogen sah bereits „die Grundfesten der Mobilität bedroht“ – und forderte: „Wenigstens die Durchgangsstraßen müssen offen bleiben.“

Darauf konnten sich die RP-Planer mit Blick auf die deutliche Überschreitung der Schadstoff-Grenzwerte in Tübingen nicht einlassen. Und auch die Stuttgarter Landesregierung sah keinen Grund, den Forderungen aus dem Umland nachzukommen. Denn, so beteuerte Gisela Splett, die Staatssekretärin im Verkehrsministerium, den oben genannten Gemeinden: Die vergrößerte Umweltzone werde deren Belastung nicht erhöhen, sondern „in der ganzen Region zu einer Verbesserung der Luftqualität“ führen.

Ihr Hauptargument: Die neue Regelung werde schon deshalb keine große Verlagerung des Verkehrs zur Folge haben, weil nur wenige Autofahrer davon betroffen seien. Bei 70 Prozent aller Autofahrten in Tübingen handle es sich um innerörtlichen Verkehr, der nicht ins Umland ausweichen könne – und zum allergrößten Teil auch nicht müsse, da bereits an die 90 Prozent aller Pkw mit grüner Plakette unterwegs seien.

Bessere Luft für die ganze Region

Bei den Lastwagen sieht es noch nicht so gut aus.Wie Splett im Juli erklärte, werden durch die Ausweitung der Tübinger Umweltzone etwa 18 Prozent aller leichten und 22 Prozent aller schweren Nutzfahrzeuge mit einem Fahrverbot belegt. Auch deren Besitzer würden aber kaum auf die Idee kommen, die Unistadt weiträumig zu umfahren – aus dem schlichten Grund: „Ihre Ziele liegen in der Tübinger Umweltzone.“ Im übrigen wisse man aus anderen Umweltzonen im Land, dass die meisten PKW- und LKW-Fahrer nach einer kurzen Eingewöhnungszeit auf (neue oder nachgerüstete) Fahrzeuge mit grüner Plakette umsteigen.

Just dies will das Regierungspräsidium in nächster Zeit mit verschärften Kontrollen in Tübingen beschleunigen. Dabei sollen sich die städtischen Ordnungshüter um den ruhenden Verkehr kümmern. Die Pickerl-Überwachung im fließenden Verkehr obliegt den örtlichen Polizeirevieren und der Verkehrspolizei, die bei den „täglichen allgemeinen Verkehrskontrollen sowie im Rahmen von Schwerpunktaktionen zielorientiert tätig werden“ sollen.

Weitere Informationen zur zweiten Fortschreibung des Tübinger Luftreinhalteplans findet man im Internet unter rp-tuebingen.de.

Hinweise zum Erwerb von Feinstaub-Plaketten gibt die KFZ-Zulassungsstelle des Tübinger Landratsamtes unter kreis-tuebingen.de.

Polizei wird im Januar verstärkt Feinstaubplaketten kontrollieren
Wer sich im neuen Jahr auf den Tübinger Straßen ohne grüne Plakette erwischen lässt, zahlt 80 Euro. Schilder markieren die Grenzen der ausgeweiteten Umweltzone – wie hier am Ortseingang von Bühl. Bild: Sommer

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29.12.2014, 12:00 Uhr

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