Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Die Suche nach dem Dialog

Polizeirevier Rottenburg stellt Beamten aus Serbien Präventionsarbeit vor

Drei ranghohe Beamte aus dem serbischen Innenministerium waren seit Montag zu Fortbildungszwecken zu Gast bei der Polizeidirektion Tübingen. Zentrales Thema während des Aufenthalts war die Präventionsarbeit der hiesigen Polizei.

29.11.2012
  • hete henning

Rottenburg. Das Innenministerium der Republik Serbien hatte Igor Srbljanovic (Leiter des Referats für Internationale Projekte und EU-Fördermaßnahmen), Vladimir Mitrovic (Chef des Referats für Personalrekrutierung und Haushaltsplanung), sowie Slobodan Borisavljevic, den obersten Mann im Referat Vorbeugende Verbrechensbekämpfung, nach Baden-Württemberg geschickt. Der Leiter der Delegation, Igor Peric, der im serbischen Innenministerium die Abteilung für Internationale Kooperation und Europäische Integration führt, musste aus innenpolitischen Gründen vorzeitig wieder abreisen.

Zuständig für die Betreuung der Gäste war der Rottenburger Revierleiter Hans-Peter Tausch. Bei der Fortbildung, so Tausch, gehe es den serbischen Beamten letztlich darum, Serbien „polizeilich auf EU-Niveau“ zu bringen. Der einst größte Teilstaat Jugoslawiens stellte 2009 den Antrag auf EU-Mitgliedschaft und gilt seit März 2012 als Beitrittskandidat.

Nach Besuchen in Stuttgart (Innenministerium, Haus des Jugendrechts) sowie bei der Polizeidirektion Tübingen („Aufgaben und Zuständigkeiten der Kriminalpolizeiberatungsstelle“) ging es gestern Nachmittag in Rottenburg um vorbeugende Polizeiarbeit auf örtlicher Ebene. So stellte beispielsweise Franz-Markus Strobel seine Arbeit als Beauftragter für die Moscheenvereine vor. Diese Rolle als Ansprechpartner für die türkischen Vereine sowie als Vermittler zwischen Muslimen und Polizei hat Strobel seit 2010 inne.

Vorsicht beim Begriff ‚Integration‘

Der überwiegende Teil der hiesigen Muslime sei stark daran interessiert, sich aktiv in der Gesellschaft zu beteiligen, sagte Strobel in seinem Vortrag. „Viele reagieren fast schon gereizt auf den Begriff ‚Integration‘, weil sie hier geboren sind und auch schwäbisch sprechen.“ Für die Übersetzung ins Serbokroatische sorgte Polizeihauptmeister Dragan Milanovic, der aus dem früheren Jugoslawien stammt und einer der fünf Beamten auf dem Revier Rottenburg ist, die einen Migrationshintergrund haben.

Den Dialog mit den muslimischen Mitbürgern zu suchen und zu stärken, etwa durch den Besuch von Veranstaltungen wie dem „Fest der Nationen“, sei ein Teil seiner Aufgabe, sagte der Moscheenbeauftragte. „Die Menschen sollen Vertrauen in ihre Polizei bekommen, das dauert teilweise Jahre.“ Das Bild der Polizei sei bei Einwanderern oft durch frühere Negativ-Erfahrungen in den Herkunftsländern geprägt, so Strobel. „Einschreitende Polizeibeamte“ müssten interkulturell denken und handeln, ein gewisser Grad an Hintergrundwissen sei da unerlässlich.

Polizeibeamte, die wie Strobel auf den interkulturellen Dialog spezialisiert sind, gebe es in Serbien nicht, sagten die drei Gäste aus Belgrad auf Anfrage des TAGBLATTs. Es gebe jedoch uniformierte Polizisten, die während der Unterrichtszeiten an Schulen stationiert seien – Schulen, „wo die Schüler eher schwieriger sind“, übersetzte Dragan Milanovic, „hier würde man Brennpunktschule sagen“. Sozialarbeiter gebe es an serbischen Schulen allerdings auch.

Den Rottenburger Ansatz bei der Verhinderung von Jugendkriminalität stellten Richard Germann und Edmund Schnell vor. Germann ist seit 13 Jahren Jugendsachbearbeiter, Schnell seit 2004. Wesentlicher Teil ihrer Arbeit ist der ständige Kontakt zu Jugendamt, Jugendgerichtshilfe und Landratsamt, zu Schulen und Kindergärten.

Kinder werden nicht festgenommen

30 Kindergärten kämen Jahr für Jahr mit den angehenden Abc-Schützenbei der Polizei zu Besuch. Die wichtigste Botschaft, so Schnell, sei dann immer diese: „Dass Kinder nicht festgenommen werden. Denn die Eltern drohen ja oft: ‚Wenn du nicht brav bist, hole ich die Polizei.‘“ Bei den über 100 Unterrichtsstunden, die Germann und Schnell jährlich an Schulen geben, gehe es um Themen wie Gewalt und Eigentum, Mobbing und Cyber-Mobbing, Waffen, Drogen oder auch den Ablauf eines Ermittlungsverfahrens.

„Die Kinder“, so lautet Schnells Devise, „dürfen ja Fehler machen. Wenn sie über die Stränge schlagen, haben wir vollstes Verständnis. Wir werden aber ernste Worte mit ihnen reden.“ Die Aufklärung von Fehltritten sei auch bei jungen Delinquenten sehr wichtig, sagte Germann, „das Unrechtsbewusstsein geht sonst gegen Null“.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

29.11.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball