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Polster der Lebensversicherer droht zu dick zu werden
Trotz Niedrigzinsen droht den Lebensversicherern keine Schieflage. Foto: Foto:Getty Images
Alterssicherung

Polster der Lebensversicherer droht zu dick zu werden

Trotz der Niedrigstzinsen können alle Anbieter in Deutschland ihre Verpflichtungen erfüllen, sind die Experten überzeugt.

28.04.2017
  • DIETER KELLER

Berlin. Bis zu 4 Prozent Zinsen haben die Lebensversicherer ihren Kunden zu guten Zeiten garantiert. Doch obwohl sie derzeit angesichts der Niedrigstzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) große Probleme haben, für Neuanlagen überhaupt noch Zinsen zu bekommen, sind alle Gesellschaften in der Lage, ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Es drohen keine Schieflagen, ist sich der neue Vorsitzende der Deutschen Akutarvereinigung (DAV), Roland Weber, sicher. Das gilt zumindest für die nächsten 10 bis 20 Jahre.

Weber sollte es gut einschätzen können: Im DAV haben sich die Versicherungsmathematiker zusammengeschlossen. Sie kümmern sich bei den Versicherungen um die Kalkulation der Tarife, die Bewertung künftiger Leistungsverpflichtungen sowie die Risikoeinschätzung.

Zusätzliche Vorsorge

Die größten Probleme haben junge Versicherer und solche, die stark wachsen, ergänzte Webers Vorgänger Wilhelm Schneemeier am Rande der DAV-Jahrestagung in Berlin. Der Grund ist die Zinszusatzreserve, die 2010 eingeführt wurde. Sie soll sicherstellen, dass alle zugesagten Garantien erfüllt werden können, und das für die Verpflichtungen in den kommenden 15 Jahren. Sie müssen also zwangsweise ein Polster aus Anlagen in ihrem Bestand ansammeln, die noch mehr abwerfen. Ende 2016 erreichte die Reserve bereits 45 Mrd. EUR. In diesem Jahr könnten noch gut 20 Mrd. EUR dazukommen, und nach Schätzungen könnten bis 2025 etwa 150 Mrd. EUR erreicht werden.

Weber und Schneemeier halten so viel nicht für sinnvoll. Die Unternehmen könnten ihre Verpflichtungen nur erfüllen, indem sie hoch verzinsliche Anlagen verkaufen und dabei stille Reserven realisieren. Dieses Geld müssten sie dann zu deutlich schlechteren Konditionen wieder anlegen. Das führe zu einer „unnötigen Schwächung der Lebensversicherer, die nicht im Interesse der Politik und schon gar nicht der Kunden sein kann“, so Weber. Er hofft im nächsten Jahr auf eine Korrektur der gesetzlichen Regeln.

Allerdings ist es nicht so, dass die Kunden mit älteren Verträgen und hoher Garantieverzinsung viel Geld auf Kosten der Jungen bekommen, räumten die Aktuare mit einer oft geäußerten Befürchtung auf. Im Gegenteil: Die jungen Verträge profitierten davon, dass die Versicherer noch Anlagen im Bestand haben, die hohe Zinsen abwerfen. Neuverträge bekämen aktuell etwa 3 Prozent gutgeschrieben. Garantiert sind seit Beginn dieses Jahres nur noch 0,9 Prozent. Allerdings könnte dieser Vorteil in einigen Jahren kippen.

Da könnte noch mancher enttäuscht werden, warnte Weber. Selbst wenn die EZB den Ankauf von Anleihen schnell beendet und ihre Zinsen deutlich erhöht, wirkt sich das nicht sofort positiv auf die Kapitalanlagen der Lebensversicherer aus. Denn erst einmal haben sie noch einen hohen Bestand an länger laufenden niedrig verzinsten Anlagen. Erst bei einer langfristigen und nachhaltigen Zinserholung könnten die Versicherten wieder mit höheren Überschussbeteiligungen rechnen.

Bei aller Fachkompetenz – so niedrige Zinsen wie derzeit hatten auch die Versicherungsmathematiker nicht für möglich gehalten. Ohne die Intervention der EZB hielte Weber derzeit eine Verzinsung von zehnjährigen Anleihen von etwa 2,2 Prozent wie in den USA für realistisch.

Mehr Verträge als Bundesbürger

Zur Altersvorsorge sind Lebens versicherungen immer noch beliebt: Ende 2016 gab es 89,3 Mio. Verträge, also mehr als Bundesbürger. Die Kapitalanlagen summierten sich auf 885 Mrd. €. Sie waren zu 86 Prozent in fest ver zins lichen Papieren angelegt, etwa in Hypotheken, Darlehen an Staaten, Banken und Unternehmen oder Pfandbriefen. ⇥dik

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28.04.2017, 06:00 Uhr

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