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New Fall Festival

Popkultur in elitären Räumen

Club- und Konzertacts treten in der Liederhalle und im Neuen Schloss auf.

26.10.2016
  • SABINE FISCHER

Stuttgart. So richtig grün sind sich Pop- und Hochkultur ja bekanntlich nicht. Schon in den 60ern erntete der Literaturwissenschaftler Leslie Fiedler scharenweise hochgezogene Augenbrauen, als er seinen Text über die Postmoderne ausgerechnet im Playboy veröffentlichte. Seither hat sich zwar einiges getan, wirklich entspannt hat sich das Verhältnis jedoch bis heute nicht. Das „New Fall Festival“ experimentiert in Stuttgart nun mit eben diesem Misstrauen, indem es die Reibung zwischen unangepasster Popkultur und elitärem Raumkonzept nutzt: Von Donnerstag bis Sonntag spielen Club- und Konzertacts in den ungewohnt konservativen Räumen der Liederhalle und des Neuen Schlosses. Diese Konzept-Idee spiegelt sich auch im Line-Up des Festivals, das dieses Jahr zum ersten Mal nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in Stuttgart stattfindet: Den Auftakt machen am Donnerstagabend die Stuttgart-Festival-Pechhasen „Dillon & Choir“, die ihren Auftritt dort voriges Jahr kurzfristig absagen mussten.

Am Freitagabend hat das Festival zeitgleich zwei Pop-Phänomene der letzten Jahre in die Liederhalle eingeladen: Während die Österreicher „Wanda“ lässig, mit der Kippe im Mund und in tiefsten Schönbrunnerdeutsch, ihr „Bologna“ besingen und entspannten Schrammelrock über Zusammenhalt und „Amore“ zum Besten geben, steht im anderen Saal das Pop-Duo „Boy“ auf der Bühne. Die beiden Musikerinnen dekonstruieren mit ihren melodischen Pop-Songs klassische Muster und haben sich innerhalb kurzer Zeit zum Insider-Tipp der alternativen Clubkultur aufgeschwungen. Karten gibt es nur noch an der Abendkasse.

Im Neuen Schloss mixt das Duo „Grandbrothers“ aus Düsseldorf währenddessen klassische Klaviersonaten mit elektronischen Elementen. Einen ähnlichen Spagat versuchen einen Tag später am selben Ort auch „Brandt Brauer Frick“. Das Techno-Projekt aus Berlin verbindet Loops, Backdrops und Beatwechsel mit klassischer Musik und verarbeitet sie in einer Live-Performance zu elektronischen Samples. In der Liederhalle steht zeitgleich die Amerikanerin Regina Spektor mit ihrem Indie-Pop auf der Bühne, vielen bekannt durch den Titelsong zur Netflix-Serie „Orange Is The New Black“.

Zum Ausklang des Festivals ist die Liederhalle am Sonntagabend erneut doppelt besetzt: die dänische Pianistin und Sängerin Agnes Obel gibt ihren leisen, melodischen Selfmade-Pop zum Besten, nebenan rockt die Indie-Band „Wilco“. Im Neuen Schloss macht währenddessen der britische Pianist James Rhodes – ein Rockstar unter den Konzertpianisten – den Abschluss. Sabine Fischer

Info Karten über http://new-fall-festival.de/tickets/ oder an den örtlichen Vorverkaufsstellen.

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26.10.2016, 06:00 Uhr

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