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Der Leitartikel

Populärer denn je

Die Zukunft Großbritanniens als EU-Mitglied steht Spitz auf Knopf, die Zukunft als Monarchie ist dagegen einfach Spitze. "Brexit"-Befürworter wettern zwar gegen einen "ungewählten" Präsidenten der EU-Kommission, jubeln aber über ihr ebenfalls ungewähltes Staatsoberhaupt. Satte 86 Prozent der Briten befürworten nach jüngsten Umfragen ihre Monarchie.

21.04.2016
  • Hendrik Bebber, London

Solche Traumwerte sind in erster Linie der Queen zu verdanken, die heute 90 Jahre alt wird. Gerade in schwierigen Zeiten verkörpert Elisabeth II. Kontinuität und Zusammenhalt über alle Differenzen hinweg, die die Nation spalten. Sie ist der ruhende Pol im Tagesgetümmel der Politik und hat in ihrer Amtszeit zwölf Premierminister überdauert. Schließlich regiert sie schon seit 64 Jahren und schlug damit letztes Jahr den Rekord ihrer Urahnin Victoria.

In dieser Zeit hatten Frankreich neun, Deutschland zehn und die USA elf Präsidenten. Und viele Briten sind froh darüber, dass ihnen das oft unwürdige Gerangel und der Kuhhandel der Parteien um das höchste Amt in diesen Staaten ebenso erspart geblieben ist wie Schimpf und Schande, mit denen ausländische Staatsoberhäupter ihr Mandat besudelten. Das Pflichtbewusstsein und die Integrität der Queen strahlen so makellos wie die Diamanten in ihrer Krone.

Was das Preis-Leistungs-Verhältnis anbelangt, kommt den britischen Steuerzahlern die Monarchie günstiger als die Präsidentschaften in vielen Republiken kosten. Sie zahlen für ihre Queen nur ein bisschen mehr als die Polen und die Deutschen für ihre Staatsoberhäupter, während die Italiener fast viermal so viel für ihren Präsidenten aufwenden müssen. Im Gegensatz zur Republik ist die Monarchie zudem ein "Familienbetrieb", in der die Kinder, Enkel, und Cousins der Chefin rund um den Erdball düsen, um die Krone zu repräsentieren. Staatspräsidenten sind noch nicht einmal in der Lage, ihre Schwiegertöchter zur Eröffnung eines Industrieparks zu schicken, geschweige denn, mit "Märchenhochzeiten" und königlichen Babys die Popularität des Amtes aufzupolieren.

Wer kann schon etwas mit den Präsidenten Sauli Niinistö (Finnland) oder Pranab Mukheree (Indien) anfangen? Elisabeth II. ist hingegen seit Generationen weltweit ein Begriff und das bekannteste Markenzeichen Großbritanniens. Im "Haupt des Commonwealth" lebt für Traditionalisten der Mythos des britischen Weltreichs weiter. Für die jüngeren Untertanen ist die Monarchie einfach cool, wenn Rock-Musiker vom Dach des Buckingham Palastes "God Save the Queen" grooven. Elisabeths Enkel William und Harry symbolisieren die Modernisierung der Monarchie ebenso wie die eingeheiratete Kate Middleton, die einmal an Williams Seite die neue Queen wird.

Doch auch die Republikaner haben gute Argumente. Zwar hatte die Lobbygruppe "Republic" vor zehn Jahren nur 3000 Unterschriften für eine Petition zusammenbekommen, um ernsthaft über die Zukunft der Monarchie zu debattieren. Das Vorhaben scheiterte. Dennoch: Der Bombast und das Brimborium der Monarchie verschleiern, dass die Queen ein völlig machtloses Staatsoberhaupt und eine reine Sprechpuppe der jeweiligen Regierung ist. Um nicht vom Thron gejagt zu werden, haben die britischen Monarchen seit dem 17. Jahrhundert die meisten ihrer "königlichen Prärogativen" (Vorrechte) an den Premierminister übertragen. Im "Mutterland der Demokratie" haben deshalb die Regierungschefs Machtbefugnisse, von denen manche Diktatoren nur träumen können.

Elisabeth II. ist

der ruhende Pol

der Briten

leitartikel@swp.de

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21.04.2016, 06:00 Uhr

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